Mindestens vier Fälle

Verdacht des schweren Missbrauchs – Prozess in Offenbach startet

Offenbach Missbrauch Prozess
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Ein Mann aus Offenbach steht unter Verdacht, jungen und Tiere schwer missbraucht zu haben. Jetzt wird ihm der Prozess gemacht. (Symbolbild)

Ein Mann aus Offenbach muss sich vor Gericht verantworten, weil er vier Jungen im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren schwer sexuell missbraucht haben soll.

Offenbach – Kürzlich ist der Prozess vor der Zehnten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt gestartet. Gleich nach Verlesung der Anklage kündigte der Vorsitzende Richter Jens Aßling im Falle eines Urteils eine mögliche Sicherheitsverwahrung an. Alle Knaben entstammen dem näheren befreundeten Umfeld von W. Die Handlungen ereigneten sich in den südlichen Stadtteilen von Offenbach – entweder in der Wohnung des Angeklagten, der der betroffenen Familien oder im Freien. Alle Kinder kannten und mochten W., übernachteten teilweise regelmäßig bei ihm.

Dabei soll es im Winter 2011 erstmals zu Übergriffen an zwei Brüdern gekommen sein. Der Übergang vom gemeinsamen TV-Abend zum sexuellen Missbrauch verläuft dabei schleichend. W. ist Wrestling-Fan und schaut die Sportart gern mit einem oder zwei Jungen zusammen an. Im Laufe der Jahre traut sich W. immer mehr zu. Er zeigt den Kindern Pornos, filmt selbst die Handlungen, zwingt die Jungs dazu, sich gegenseitig zu befriedigen. Sogar den Pflegehund bindet er mit ins Geschehen ein.

Mann aus Offenbach wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht: Polizei findet Kinder- und Tierpornos

Auf dem sicher gestellten PC wird die Polizei Offenbach später neben Kinder- auch Tierpornos finden. Um die Kinder gefügig zu machen, soll er gedroht oder mit Belohnungen wie ein paar Euro oder einem Playstation-Spiel gelockt haben.

Trotz allem unterhält W. auch Beziehungen zu Frauen. Als ihm 2017 seine damalige Freundin auf die Schliche kommt, soll er sie gewürgt und mit dem Tode bedroht haben, falls sie zur Polizei gehen würde. Bei vielen seiner Handlungen stand der Angeklagte wohl auch unter Alkoholeinfluss. „Ich trinke seit 2009 regelmäßig, in Spitzenzeiten bis zu eineinhalb Kästen Bier am Tag“, behauptet W.

Richter Aßling zweifelt die gewaltige Flüssigkeitsmenge an, daraufhin gibt W. zu, auch zum Whisky zu greifen. Die 30-jährige Ex-Freundin, mit der W. einen sechsjährigen Sohn hat, bestätigt den Konsum: „Der Alkohol war 2015 unser Trennungsgrund. Ohne den war er lieb, nett und hilfsbereit. Mit Alkohol erkannte man ihn nicht wieder.“ Eine mehrmonatige Therapie brachte 2015 nicht den gewünschten Erfolg.

Wegen Kindesmissbrauchs angeklagter Mann aus Offenbach streitet schwere Vorwürfe nicht ab

Seit April 2020 sitzt der Mann aus Offenbach nun in Untersuchungshaft, dort hat er anscheinend problemlos den Entzug gemeistert. 2019 hatte er außerdem einen Schlaganfall, der ihm Sprachstörungen und Taubheitsgefühle im linken Arm hinterließ. Dies und die emotionale Anspannung ist ihm im fast zweistündigen Verhör deutlich anzumerken. Die schweren Vorwürfe streitet er nicht ab. Den letzten der 17 Fälle, der den Zweijährigen betrifft, bezeichnet er als Riesenfehler, den er sehr bereue. „Er beschönigt nichts“, so sein Anwalt Mario Galvano, „aber er möchte auch seine eigene Sichtweise äußern.“

Sexueller Missbrauch: Angeklagter Mann aus Offenbach behauptet, dass Junge freiwillig mitgemacht hätte

Und die unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der Anklageschrift: Alles sei freiwillig gewesen, und die Motivation sei von den Jungen selbst ausgegangen. Nie habe er sie zu irgendwelchen Handlungen gezwungen, gerne hätten sie mit ihm gekuschelt. „Ich wollte sie ihre Pubertät ausleben lassen!“

Richter Aßling überzeugt das keineswegs. Er hat schon zu viele sexuelle Straftäter gesehen und ist dafür bekannt, so schnell nicht locker zu lassen. „Wollen Sie wirklich dabei bleiben, kein eigenes Interesse an den Handlungen gehabt zu haben? Warum haben Sie dann auch noch gefilmt?“ - „Ich weiß es nicht, ich filme eben immer. Hab’s danach nicht mehr angeschaut...“ Für den Prozess gegen den Mann aus Offenbach fünf Verhandlungstage geplant.

Ob ein Kind Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist, lässt sich nicht leicht erkennen. Zwei Mitarbeiterinnen einer Beratungsstelle aus Offenbach sprechen darüber, wo Betroffene Hilfe finden können. (Silke Gelhausen)

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