Daniel Brettschneider

Offenbacher Kinomacher Daniel Brettschneider ausgezeichnet

Daniel Brettschneiders Buch „Kino Kulinarisch – Filme nach meinem Geschmack“ ist mit dem „Gourmand World Cookbook Award“ ausgezeichnet worden. Foto: p
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Daniel Brettschneiders Buch „Kino Kulinarisch – Filme nach meinem Geschmack“ ist mit dem „Gourmand World Cookbook Award“ ausgezeichnet worden.

Die langen Schlangen vor dem Gebäude der Alten Schlosserei, die Vorfreude auf köstliche Speisen, dazu herzhaftes Lachen und die nebenbei geführten Gespräche über den anstehenden Film – all das vermisst Daniel Brettschneider gerade schmerzlich.

Offenbach – Schließlich muss derzeit auch diese ganze spezielle Form des gemeinsamen Film- und Essenserlebnis, die er seit bereits acht Jahren unter dem Namen „Kino Kulinarisch“ betreibt, ausfallen.

Dennoch hat der Kopf hinter der beliebten Veranstaltungsreihe und Leiter des Lederpalasts sowie des Hafenkinos dieser Tage eine frohe Botschaft zu verkünden. Denn erst vor wenigen Tagen hat den Filmliebhaber die überraschende Nachricht erreicht, dass sein im September vergangenen Jahres veröffentlichtes Buch „Kino Kulinarisch – Filme nach meinem Geschmack“ mit dem „Gourmand World Cookbook Award“ ausgezeichnet worden ist. Ein Preis, mit dem bereits seit 25 Jahren die besten Koch- und Getränkebücher der Welt gekürt werden und dessen bescheidene Zielsetzung darin besteht, sowohl die gute Küche aller Nationen als auch die Völkerverständigung zu fördern.

Von der Nominierung für den Preis hat der 40-jährige Brettschneider selbst nach eigenem Bekunden überhaupt nichts mitbekommen. „Freunde haben mich für den Preis vorgeschlagen“, erzählt er am Telefon und berichtet freudig davon, wie überrascht er von der Nachricht über die Auszeichnung für sein kleines Werk gewesen ist. „Das ist wirklich ein unerwartetes Glücksgefühl gewesen, gerade wenn man bedenkt, dass sich dieses kleine Buch doch sehr persönlich um Film, Geschmack und Aufwachsen in Offenbach dreht“, erläutert er seine Verwunderung.

Dafür hat Brettschneider insgesamt 17 Filme ausgewählt, die ihn von seinem Jugendalter bis in die Gegenwart geprägt haben. Angefangen von Klassikern wie „Casablacna“ und „Pulp Fiction“ bis hin zu Neuerscheinungen der vergangenen Jahre wie „Toni Erdmann“ oder „Interstellar“ versucht er dabei, „die Filme atmosphärisch mit einem Geschmackssinn zu koppeln, den ich für empfehlenswert halte.“

Im Falle von „Casablanca“ ist das etwa eine grobe Anleitung zur Zubereitung einer marokkanischen Lammkeule, bei „Toni Erdmann“ handelt es sich hingegen um Brettschneiders ganz persönliche Rezept für Spaghetti mit Tomatensauce. Und dennoch betont er, „dass es sich weder um ein klassisches Kochbuch, noch um eine reine Autobiografie handelt.“

Vielleicht macht genau dieser Umstand, dass sein Buch sich so schwierig kategorisieren lässt, den besonderen Reiz aus. Denn weder finden sich darin detaillierte Rezepte und hochaufgelöste Fotos fertiger Gerichte, noch werden die persönlichen Anekdoten zu seinen Lieblingsfilmen mit Bildern oder Filmeinstellungen aus den entsprechenden Werken angereichert.

Denn Brettschneider geht es in erster Linie darum eine bestimmte Atmosphäre zu vermitteln. „Mit dem Buch will ich zeigen, wie ich von der Stimmung eines Lieblingsfilmes auf das dazugehörige Lieblingsessen komme“, erläutert er.

Eine bedeutende Rolle beim Kreieren dieser Atmosphäre spielen dabei auch die hervorragenden Illustrationen aus der Feder des HfG-Absolventen Jan Buchczik, der auch schon für den New Yorker oder die New York Times gearbeitet hat.

Die Illustrationen der von Brettschneider beschriebenen Gerichte bleiben dabei stets ausgesprochen vage, da sie in ihrem Stil an die simple Darstellung in Cartoons erinnern. Doch gerade dadurch wird die Konzentration des Lesers – im Gegensatz zu so manchem Kochbuch – stärker auf das geschriebene Wort gelenkt. Und auch die beschriebenen Filme lassen sich nicht auf den ersten Blick der dazugehörigen Zeichnungen als diese entziffern. Denn statt auf offensichtliche Referenzen zurückzugreifen, werden stets nur bestimmte Orte, die in den jeweiligen Filmen eine ausschlaggebende Rolle spielen, dargestellt.

Ironischerweise könnte Brettschneiders Buch wohl kaum zu einem anderen Zeitpunkt den Nerv der Zeit besser treffen als in diesen Tagen und Wochen der Isolation. Schließlich stellen die beiden zentralen Themen seines Werks, Essen und Filme, für vermutlich nicht wenige derzeit einen nicht unbedeutenden Aspekt ihres Alltags dar. Brettschneider selbst geht es da nicht anders. „Ich mache gerade eigentlich nicht viel anderes als Filme zu schauen und zu Essen“, gibt er freimütig zu. Und obwohl er bislang eigentlich überhaupt nicht daran gedacht hatte eventuell ein weiteres Buch zu schreiben, lässt er dennoch durchblicken, dass er aufgrund der aktuellen Situation plötzlich viel Zeit zum Schreiben habe. Was das genau heißt, vermag er zwar noch nicht zu sagen. Aber eins verrät er dennoch vorab: „Ich habe neulich den Film „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ gesehen und dazu Muscheln gemacht – das ist wirklich eine sehr gelungene Kombination gewesen.“

VON JOEL SCHMIDT

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