Corona-Pandemie

Offenbach: Heftige Kritik an der Notbetreuung für Kita-Kinder

Kita Kinder
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Momentan gibt es nur eine Notbetreuung in den Offenbacher Kitas.

Wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus gibt es in den Kitas in Offenbach seit Montag nur noch eine Notbetreuung. Die Stadt wird für ihre Entscheidung heftig kritisiert.

Offenbach - Seit Montag gibt es in den Offenbacher Kitas nur noch eine Notbetreuung, bis zum Monatsende wurde der normale Betreuungsbetrieb wegen der hohen Corona-Infektionszahlen eingestellt. Von verschiedenen Seiten hagelte es heftige Kritik an der Stadt für diese Entscheidung, ein offener Brief wird seit vergangener Woche vielfach an die Stadt geschickt.

In diesem wird die Schließung als unverhältnismäßig kritisiert, gleichzeitig wird die Zahlengrundlage für das Corona-Infektionsgeschehen in Zweifel gezogen. Der hauptamtliche Magistrat, bestehend aus Oberbürgermeister Felix Schwenke, Bürgermeister Peter Freier, Gesundheitsdezernentin Sabine Groß und Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß, haben nun in einem Schreiben ihr Handeln nochmals erläutert.

Coronavirus: 33 Kinder unter sechs Jahren haben sich in Offenbach seit Ende März infiziert

Dabei betonen sie, dass das Gesundheitsamt nach dem offenen Brief die Infektionszahlen erneut überprüft habe. Das Ergebnis: Seit dem 29. März haben sich 33 Kinder unter sechs Jahren in der Stadt infiziert – mit der britischen Virusmutation. „Diese gilt vor allem bei Kindern und Jugendlichen als besonders ansteckend, was die Neuinfektionen in Offenbach bestätigen“, heißt es in dem Schreiben.

Bereits vor Wochen habe die Stadt angeordnet, dass alle Fachkräfte in den Kitas medizinische Masken zu tragen hätten, um die Möglichkeit der Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. „Dennoch steigt der Anteil von Kindern unter den Neuinfektionen in Offenbach und die damit verbundene Gefahr neuer Infektionsketten mit weiteren Übertragungen des Virus“, schreibt der Magistrat. Zugleich würden auch bei Kindern deutschlandweit vermehrt schwere Krankheitsverläufe gemeldet, das hiesige Sana-Klinikum warne täglich vor der dramatischen Lage auf der Intensivstation – hessenweit waren am gestrigen Dienstag nur noch zehn Prozent der Intensivbetten frei.

Offenbach: Notbetreuung als eine Maßnahme zur Bekämpfung der Corona-Pandemie

„Wir sind mit Ihnen einer Meinung, dass Maßnahmen mit negativen Folgen für die Kinder nur das letzte Mittel sein können“, schreiben Schwenke, Freier, Groß und Weiß. Und betonen ausdrücklich, dass die Entscheidung zum Betretungsverbot und der Notbetreuung weder leichtfertig noch willkürlich erfolgt sei. Sie sei eingebettet in eine ganze Reihe von Handlungen zur Pandemieeindämmung, wie die Besucherregelung in Seniorenheimen oder die nächtliche Ausgangssperre. Auch die Notbetreuung sei nicht willkürlich ausgedacht, sondern stünde im Einklang mit dem Hessischen Eskalationskonzept für die Pandemie.

Nicht nur die Unterzeichner des offenen Briefes, auch etwa die Eltern der katholischen Kita St. Nikolaus oder SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Gersberg haben regelmäßige Corona-Tests für Kinder angemahnt, um so Kita-Schließungen zu vermeiden. Allerdings, so schreibt Gersberg: „Die Kosten für die Tests sind aber keine Aufgabe von Kommune oder Eltern. Das Land Hessen muss sich umgehend für eine Klarstellung der Testverordnung einsetzen.“

Coronatests für Kita-Kinder auf Kosten der Stadt Offenbach keine Option

Dass Tests auf Kosten der Stadt keine Option für Offenbach sind, unterstreichen auch die Magistratsmitglieder. „Die Dimension der Durchführung solcher Tests wäre beachtlich. Denn wir haben rund 7 000 Kinder in Offenbach, wenn diese zweimal wöchentlich getestet würden, müssten rund 56 000 Tests im Monat durchgeführt werden“, heißt es. Bei geschätzten Kosten pro Test von fünf Euro wären das wöchentlich knapp 280 000 Euro, ohne Personalkosten. Die kämen noch hinzu, da die Kinder die Tests nicht selbst durchführen könnten. Und weiter: „Würde für die Durchführung der Tests der gleiche Betrag wie für die Bürgertests, die derzeit kostenlos für Jedermann angeboten werden, angesetzt, dann kämen pro Test zwölf Euro dazu. Die Gesamtsumme zur Durchführung der Tests würde sich damit auf 952 000 Euro monatlich erhöhen.“

Laut Vereinbarung von Bund und Ländern seien Kita-Tests Angelegenheit der Länder – über den hessischen Städtetag als auch über das Sozialministerium habe die Stadt daher beim Land die Einführung von Corona-Tests für Kinder angeregt. Ein finanzieller Alleingang der Stadt ist nicht nur angesichts der Corona-Lage undenkbar. Unklar ist auch, wie ausreichend Tests garantiert werden sollen, wenn sämtliche Kommunen diese anbieten. (Frank Sommer)

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