Bildung

Schulklasse entscheidet sich für Masken im Unterricht – Lehrerin kritisiert den Entschluss

Ob dieser Oberstufenkurs in Offenbach auch nach dem ersten Schultag weiter Maske im Unterricht tragen wird, entscheiden die Schüler.
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Ob dieser Oberstufenkurs in Offenbach auch nach dem ersten Schultag weiter Maske im Unterricht tragen wird, entscheiden die Schüler.

An der Albert-Schweitzer-Schule in Offenbach dürfen Klassen sich aussuchen, ob sie auch im Unterricht eine Maske tragen. Eine Lehrerin hält nichts von Masken im Unterricht.

  • Eine Schule in Offenbach überlässt Klassen die Entscheidung zum Tragen von Masken im Unterricht.
  • Eine Lehrerin der Schule spricht sich gegen Masken im Unterricht aus.
  • Die Corona-Maßnahmen machen den Unterricht in Fächern wie Biologie schwierig.

Offenbach – Die jüngeren Schüler kann auch der Regen nicht davon abhalten, sich während einer kurzen Pause auf dem Schulhof voreinander zu verstecken und hintereinander herzurennen. Es scheint so, als würden die Schüler gar nicht merken, dass sie eine Maske tragen. Seit Beginn des neuen Schuljahres muss auf dem Gelände der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) in Offenbach, wie in allen hessischen Schulen auch, eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

Die älteren Schüler des städtischen Gymnasiums beschäftigen sich ausführlicher mit dem Thema. In den ersten beiden Stunden diskutieren die Oberstufen-Schüler im Tutorenunterricht darüber, ob sie für sich selbst beschließen sollten, auch im Unterricht die Masken aufzusetzen. Für den ersten Schultag war es vorgeschrieben, für danach hat weder das Kultusministerium noch der Verwaltungsstab der Stadt eine Pflicht während des Unterrichts verhängt. Die Schulleitung darf nichts verordnen. An der Schweitzer-Schule sind Klassen und Kurse angeregt, Mund-Nasen-Bedeckungen freiwillig im Unterricht zu tragen. Ganz nach dem temporären Motto der ASS: „Maske tragen schützt uns alle“.

Schule in Offenbach: Klasse entscheidet sich einstimmig für Masken im Unterricht

Cans Kurs hat sich einstimmig dafür entschieden. Can ist stellvertretender Schulsprecher und hat sein letztes Schuljahr vor sich. „Wenn wir alle eine Maske tragen, ist das Ansteckungsrisiko geringer, also tragen wir sie auch im Unterricht“, erläutert der 20-Jährige, was die Meinung seines Kurses ist. Weil wieder alle Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen und kaum Abstand in den Räumen einzuhalten ist, wird viel übers Thema gesprochen. „Die Maske so lange zu tragen, kann irgendwann bedrückend sein, aber ich denke nicht, dass sie den Unterricht verändert“, sagt Can.

Anders bewertet das eine ASS-Lehrerin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Ihr haben Kollegen erzählt, dass sie Probleme haben, die Schüler zu verstehen, wenn deren Mund bedeckt ist. Auch das laute und lange Sprechen mit Stoff vor Mund und Nase sei eine Herausforderung.

Offenbach: Gruppenarbeit ist mit Masken in der Schule möglich

Nicht nur die Maske verändert den Schulalltag. Damit sich die Klassen nicht vermischen, bleibt jede in einem Raum. Das bedeutet zum Beispiel für den Biologie-Unterricht, dass das selbstständige Mikroskopieren durch ein Video über das Mikroskopieren ersetzt werden muss. Immerhin: Das Sezieren eines Schweineauges sei mit der entsprechenden Vorbereitung aber in jedem Raum möglich, heißt es.

Genauso wie die Aufhebung der Abstandsregel im Klassenraum auch Gruppenarbeit wieder ermöglicht. „Es liegt im Ermessen jedes Lehrers, wie er das handhabt“, sagt die Lehrerin. „Wenn es Gruppenarbeit geben wird, werden die Schüler vermutlich Masken tragen, wenn sie nahe zusammen arbeiten“, ergänzt sie. Aus pädagogischer Sicht sei eine Abwechslung zum Frontalunterricht genauso förderlich wie der Präsenzunterricht für die gesamte Klasse.

Offenbach: Lehrer müssen Eltern über Urlaub befragen

Die Lehrerin übernimmt eine frisch eingeschulte fünfte Klasse. Die Eltern der Kinder hat sie auf eine sicherlich einmalige Art kennengelernt: Sie musste, wie jeder Klassenlehrer, alle Eltern vor Schuljahresbeginn anrufen und nach einem Urlaub im Ausland fragen. „Ich kannte die Eltern gar nicht, aber es waren alle sehr nett, verständnisvoll und dankbar über die Aufklärung“, sagt die Lehrerin und schmunzelt über die vor einem Jahr kaum denkbare Situation.

Der kommissarische Leiterin der ASS, Barbara Lorz, war nicht zum Lachen zumute, als sie vergangenen Donnerstag von dieser zusätzlichen Aufgabe hörte: „Ich bin immer noch verärgert, dass es so lange gedauert hat, bis man sich des Problems der Reiserückkehrer bewusst geworden ist“, sagt sie und ergänzt: „Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar, aber die Anweisung an die Schule kam zu kurzfristig.“ (Von Theresa Ricke)

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