Identitäten auf der Wäscheleine

Kleidertausch-Aktion am Klingspormuseum

Die Aktion auf dem Museumsvorhof knüpft auf spielerische Weise an die aktuelle Ausstellung „Kleidung, Freiheit, Identität - gestern und heute“ an.
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Die Aktion auf dem Museumsvorhof knüpft auf spielerische Weise an die aktuelle Ausstellung „Kleidung, Freiheit, Identität - gestern und heute“ an.

Am Sonntag (06.08.2020) fand in Offenbach eine Kleidertausch-Aktion statt, bei der eine Wäscheleine zum Einsatz kam.

Offenbach - Wer am Sonntag am Klingspormuseum vorbeigelaufen ist, hat sich vielleicht über die auf dem Museumsvorplatz gespannten Wäscheleinen gewundert, auf denen kunterbunte Kleidungsstücke aufgereiht waren. Hierbei handelte es sich allerdings nicht um die „große Wäsche“, sondern um eine Kleidertauschaktion, bei der Besucher entbehrliche Klamotten aus ihrem Besitz auf die Leinen hängen und sich im Gegenzug von anderen Teilnehmern ausrangierte Anziehsachen mitnehmen durfte. Die kleine Tauschbörse war Teil des Begleitprogramms der Ausstellung „Bedeckt, unbedeckt. Körper und Identität“, die das Klingspormuseum seit Juni beherbergt.

Ursprünglich war die Aktion, mit der auch auf Nachhaltigkeit von Textilien aufmerksam gemacht werden sollte, als waschechter Tauschflohmarkt vorgesehen. Um den direkten Austausch und damit einhergehende Nähe zu vermeiden, wurde die Lösung mit dem selbstständigen Hängen und Aussuchen an den gespannten Leinen erdacht. Man habe recherchiert, „dass ein T-Shirt in Deutschland im Schnitt dreimal getragen und dann entsorgt wird“, erläutert Kuratorin Dorothee Ader den Hintergrund der Aktion.

Die Bekleidungsindustrie gehört zu den umweltschädlichsten Industriezweigen, Unmengen synthetischer Fasern landen jährlich als Mikroplastik im Meer: Um dagegen ein Zeichen zu setzen, bietet die Kleidertauschaktion eine Alternative zur bloßen Entsorgung. „Ich habe ein Kleidungsstück, das ich nicht mehr mag oder nicht mehr brauche - aber vielleicht mag es jemand anderes“, erklärt Ader das einfache Prinzip.

Gemeinsam mit ihren Kindern setzt sie am Sonntag Vormittag den Startschuss für die Aktion und hängt Kleidungsstücke aus ihrem eigenen Besitz als erste Tauschware auf. Noch bevor es offiziell losgeht, ziehen die ersten Besucher nach und bestückten die Leinen mit Hosen, Blusen, Pullis und Jacken. Der eigentliche Tausch kommt erst im Laufe der Aktion in Fahrt, zunächst wird noch mehr Kleidung hinzugefügt als mitgenommen.

Die Kleidertauschaktion fügt sich als Programmpunkt nahtlos der Ausstellung an, die noch bis kommenden Sonntag, 13. September, im Klingspormuseum in der Herrnstraße 80 besucht werden kann. In Kooperation mit der Kultur-Region Frankfurt-Rhein-Main unter deren Jahresthema „Kleidung, Freiheit, Identität - gestern und heute“ geht das Klingspormuseum mit der Ausstellung der Frage nach, was Kleidung und Tätowierungen für die Identität eines Menschen bedeuten. Ein wesentlicher Aspekt dabei sei die Verbindung von Kleidung mit dem Menschen, der sie trägt, so Dorothee Ader, und wie Kleidung beispielsweise für ihren Träger als „Erinnerungsspeicher“ funktionieren kann.

So ist ein Herzstück von „Bedeckt, unbedeckt“ eine Installation der Künstlerin Sandra Heinz, die getragene Kleidungsstücke von Freunden und Bekannten gesammelt und dazugehörige Geschichten aufgeschrieben hat.

Der Kleidertausch auf dem Vorplatz ist nicht die einzige Begleitaktion, mit denen sich das Klingspormuseum auch außerhalb der hauseigenen Räume präsentiert: So ist bis zum 18. September der „Mobile Kleiderschrank“ im Bürgerbüro zu sehen.

In dieser aus einem alten Schrank aus den 50er Jahren vom HfG-Absolventen Max Brück errichteten Installation werden Kleidungsstücke, Geschichten, Bilder, Texte und Fotos an Haken, Bügeln, Kleiderstangen und Schrankwänden aufgehängt - um einen Einblick über Kleidung und Identität, Geschichte und verschiedene kulturelle Hintergründe unserer Region zu gewähren (wir berichteten). (Jan Schuba)

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