Erhöhter Stromverbrauch

Klima-Ziel bislang verfehlt

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Bis auf wenige Ausnahmen wurde der Allessa-Industriepark platt gemacht. Zumindest auf die CO2-Bilanz der Stadt wirkt sich das positiv aus.

Offenbach - „Es bleibt eine herausfordernde Aufgabe.“ Heike Hollerbach, Leiterin des städtischen Umweltamts, beschönigt, was im Licht der Zahlen betrachtet ein Eingeständnis bisherigen Scheiterns sein müsste. Von Matthias Dahmer

Alle fünf Jahre zehn Prozent weniger CO2-Ausstoß - das hat man sich im Rathaus im Zuge des 66 Punkte umfassenden Integrierten Klimaschutzkonzepts für die Stadt Offenbach zum Ziel gesetzt. Aus der nun vorgelegten Fortschreibung der Energie- und CO2-Bilanz für die Jahre 2005 bis 2010 geht hervor, dass dieses Ziel zwar knapp erreicht wurde, letztlich aber nur einem nicht mehr wiederholbaren Umstand geschuldet ist – der Schließung des Allessa-Industrieparks.

Dessen Anteil am Energieverbrauch im industriellen Sektor betrug zu Beginn des Bilanzierungszeitraums satte 80 Prozent. Die Schließung der Produktion auf dem weitläufigen Gelände ist für einen Rückgang um 96 Prozent des Gesamtverbrauchs der Industrie in den Jahren 2005 bis 2010 verantwortlich.

Ansonsten kann dem Verhalten der Offenbacher kaum das Gütesiegel der Klimafreundlichkeit aufgedrückt werden. So ist denn auch in einer entsprechenden Magistratsvorlage zu lesen: Das Minderungsziel ist mit einer absoluten CO2-Reduzierung von 11,3 Prozent (von 1.260.000 auf 1.118.000 Tonnen) und einer Pro-Kopf-Verringerung von 12,3 Prozent (von 10,65 auf 9,34 Tonnen pro Einwohner) erreicht. Den Allessa-Faktor herausgerechnet, ist „eine Entwicklung hin zu mehr Energieeffizienz bis 2010 nur in Teilsegmenten zu erkennen“, heißt es.

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So gingen die heizungsbedingten Emissionen privater Haushalte zwar um 9,8 Prozent zurück, die Sanierung städtischer Gebäude macht sich positiv bemerkbar. Aufgefressen wird dies aber durch einen durchgängig erhöhten Stromverbrauch. Die strombedingten CO2-Emissionen sind für 47 Prozent der Gesamtemissionen im Jahr 2010 verantwortlich.

Was die Ursachen des steigenden Stromverbrauchs angeht, können die Fachleute im Rathaus nur rätseln. Möglicherweise sei das unter anderem darauf zurückzuführen, dass Unternehmen zunehmend ihre Rechenzentren aufrüsteten. Genaueres soll per Befragung rausgefunden werden.

Auch kein Aushängeschild in Sachen Klimaschutz: Der Zuwachs an erneuerbaren Energien ist so gering, dass sie keinen nennenswerten Einfluss auf die Bilanz haben. Hinzu kommt, dass in Offenbach immer noch zu viele Wege, insbesondere Kurzstrecken unter fünf Kilometern, mit dem Auto zurückgelegt werden.

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Haben also die ganzen Appelle, alle Anstrengungen, alle Beratungskampagnen des als gut ausgestattet geltenden Umweltamts bislang nichts gebracht? Bürgermeister und Umweldezernent Peter Schneider (Grüne) hat da seine eigene Interpretation: „Sicherlich hätten auch wir uns ein besseres Ergebnis gewünscht. Aber wo wären wir ohne die bisher eingeleiteten Maßnahmen?“

Im detailreichen Endbericht zur Energie- und CO2-Bilanz ist indes die unmissverständliche Aufforderung nachzulesen, die Stadt, private Haushalte und Firmen in Offenbach müssten ihre Anstrengungen deutlich verstärken, um das gesetzte Ziel auch in Zukunft erreichen zu können.

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