Große Kreativ-Fusion

„Klingsporinstitut für Schriftgestaltung“ unterrichtet HfG-Studenten

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Klingspor-Leiter Dr. Stefan Soltek, Prof. Sascha Lobe, Studentin Leonie Martin, Dozent Marc Schütz, Studentin Laura Brunner und OB Dr. Felix Schwenke (SPD) feiern die neue Einrichtung.

Offenbach - Das Klingspormuseum und die Hochschule für Gestaltung (HfG) haben zusammen ein Institut gegründet, das es HfG-Studenten ermöglicht, auf das umfangreiche Museumsarchiv zurückzugreifen, um sich zu eigenen Schriftentwürfen inspirieren zu lassen. Von Marian Meidel

In einer Ausstellung präsentieren die Studenten erste Resultate. Klammheimlich, nahezu im Verborgenen, haben die HfG und das Klingspormuseum sich im Herbst vergangenen Jahres zusammengetan und das gemeinsame „Klingsporinstitut für Schriftgestaltung“ aus der Taufe gehoben. An die Öffentlichkeit sind sie damit erst am gestrigen Mittwoch gegangen – jetzt, wo bereits 14 HfG-Studenten das erste Semester im Dachgeschoss des Museums hinter sich haben und erste eigene Schriftwerke präsentieren können.

„Es hat immer Verbindungen zwischen den beiden Einrichtungen gegeben“, sagt Museumsleiter Dr. Stefan Soltek. „Aber sie sind unterschiedlich in ihren Profilen und Zielsetzungen. In der Hochschule geht es um die Lehre, im Museum ums Bewahren der Sammlung, die sich im Wesentlichen aus den Tätigkeiten der früheren Schriftgießerei Klingspor ergeben hat.“ Das gemeinsame Institut soll eine Schnittstelle dieser Funktionen darstellen. Einerseits können HfG-Studenten das umfangreiche Schriftprobenarchiv des Klingspormuseums nutzen, um sich für die Entwicklung eigener Schriftarten inspirieren zu lassen. Während des Semesters findet alle zwei Wochen am Montagvormittag ein entsprechendes Seminar im Dachgeschoss des Museums statt.

Andererseits dient das neue Institut nicht nur der Lehre – es hat auch eine archivarische Aufgabe. Mehrere tausend Schriftproben befinden sich im Besitz des Klingspormuseums. In der Regel handelt es sich dabei um historische Dokumente im Schulheft-Format, die bis zu 40 Seiten umfassen. Abgebildet sind darin unzusammenhängende Wort- und Buchstabenfolgen, die die Charakteristik bestimmter Schriftarten verdeutlichen sollen. Mithilfe von speziellen Scannern der HfG werden diese Schriftproben im Laufe der nächsten Jahre hochauflösend digitalisiert und archiviert. Dadurch sollen die raren Stücke unabhängig von ihrem materiellen Zustand erhalten bleiben.

Verantwortlich für Inhalte, Organisation und Weiterentwicklung des frisch gebackenen Instituts sind neben Museumsleiter Stefan Soltek Prof. Sascha Lobe, Lehrstuhlinhaber für Typografie an der HfG, und Marc Schütz, Dozent für Schriftgestaltung. Unterstützt werden sie von ihren Studentinnen Laura Brunner und Leonie Martin, die sich unter anderem um die Unterrichtsvorbereitung kümmern. Das Klingspormuseum hat ihnen dafür einen eigenen Arbeitsraum zur Verfügung gestellt. Finanziert wird das Institut komplett von der HfG, im Gegenzug bietet das Museum dafür Räume und Zugang zu seinen Beständen – auch außerhalb des Unterrichts. Die Schirmherrschaft teilen sich HfG-Präsident Prof. Bernd Kracke und Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke (SPD).

Impressionen von der „Nacht der Museen“ 2016

Bei der offiziellen Vorstellung des Instituts gestern betont Schwenke, wie eng die HfG und das Klingspormuseum historisch miteinander verknüpft sind. „Rudolf Koch ist da eine verbindende Person“, so der OB, „weil er einerseits Leiter der Schriftgießerei Klingspor und zum anderen an der HfG als Lehrer tätig war.“ Der 1934 in Offenbach verstorbene Schriftkünstler Koch entwarf unter anderem stilprägende Schriftarten wie „Kabel“.

Es sind also große Fußstapfen, in die die Studenten zu treten beabsichtigen. Dass für neue Schriftarten noch heute ein Markt besteht, da ist sich Dozent Marc Schütz sicher. „Es gibt heute immer mehr auch mittelständische Unternehmen, die so etwas in Auftrag geben.“

Die Entwürfe, die während des ersten Semesters im Klingsporinstitut für Schriftgestaltung entstanden sind, können ab dem heutigen Donnerstag bis kommenden Sonntag, 25. Februar, in der Ausstellung „Offf-line“ im Klingspormuseum, Herrnstraße 80, bewundert werden. Sie sind dort neben historischen Schriftproben aus dem Archiv zu sehen. Die Ausstellung ist unter der Woche von 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Vernissage ist am heutigen Donnerstagabend um 19 Uhr.

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