Neubau auf 1000 Pfählen

Offenbach: Knapper Zeitplan für die neue Fröbelschule für Menschen mit Behinderung

Das bisherige Schulgebäude in der Goethestraße ist in die Jahre gekommen und baulich ungeeignet. 
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Das bisherige Schulgebäude in der Goethestraße ist in die Jahre gekommen und baulich ungeeignet. 

Seit Jahren wird über den Neubau der Fröbelschule diskutiert. Im kommenden Jahr soll die neue Schule für Menschen mit Behinderung an der Mühlheimer Straße eröffnet werden – allerdings ist das Bauvorhaben überaus kompliziert.

Offenbach – Besonders den Zeitplan bezeichnet Bürgermeister Peter Freier selbstkritisch als „äußerst sportlich“.

Zum Schuljahresbeginn 2021/22, im Sommer kommenden Jahres, soll die neue Schule eröffnet werden, die Bauarbeiten würden „bald“ beginnen. So hieß es bereits vor einem Jahr. Doch auf dem vorgesehenen Gelände herrschte Stillstand. Dass hinter den Kulissen dennoch hart an dem Konzept gearbeitet wurde und wird, darüber haben Stadt und GBO gestern informiert.

Am Eröffnungszeitpunkt hält Freier als für die GBO zuständiger Dezernent fest. Allerdings räumt er ein, dass dafür nichts Unvorhergesehenes geschehen dürfe. Der Zeitplan ist denkbar knapp bemessen – und an Herausforderungen mangelt es nicht, wie Projektleiter Markus Herdt von der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft berichtet.

Fröbelschule soll zum Schuljahresbeginn 2021/22 eröffnen - Zeitplan ist knapp aber machbar

„Spätestens nächsten Dienstag werden die europaweiten Ausschreibungen für die Erd- und Bodenplattenarbeiten erfolgen“, sagt er. Bis Anfang Juli will man sich für die Firmen entschieden haben, im August könnten diese dann ihre Arbeiten aufnehmen. Ende Juni wird das bisher als Lager genutzte Gelände geräumt, dann aber muss erst einmal der Boden hergerichtet werden: Der Untergrund des 10 000 Quadratmeter umfassenden Geländes ist momentan nämlich nicht tragfähig für das Schulgebäude. „Der Boden besteht aus schluffigem Sand, durchsetzt mit zwei Tonschichten und Grundwasser“, sagt Herdt.

So müssen 1 000 Pfähle mit Schotterfüllung in acht Meter Tiefe in den Boden gerammt werden, damit der Untergrund tragfähig wird. Durch die Stabilisierung werde sich der Boden voraussichtlich um zehn Zentimeter heben.

Allerdings muss das Gelände zuvor aufwendig auf Kampfmittelrückstände untersucht werden. „Im Zweiten Weltkrieg war dort eine Flak-Stellung“, sagt GBO-Chefin Daniela Matha, „wir wissen nicht, was im Boden lagert.“ Die Kampfmitteluntersuchung konnte bisher nicht vorgenommen werden, da seit Beginn der Corona-Beschränkungen im März hessenweit ein Sondierungsverbot besteht. „Wenn etwas im Boden gefunden wird, hätte man die Umgebung evakuieren müssen – doch das wäre mit den Kontaktbeschränkungen nicht vereinbar“, sagt Freier.

Fröbelschule Offenbach: Spätestens Anfang 2021 soll das Fundament errichtet werden

Da die bestehende Kanalisation das zusätzliche Abwasser aus der Schule nicht aufnehmen kann, muss zudem eine Rohrleitung zum Kuhmühlgraben gelegt werden. Ist das geschehen, soll spätestens Anfang 2021 das Fundament errichtet werden- sofern zuvor keine Kampfmittel entfernt werden müssen.

Bis 30. Juni will die GBO die Ausschreibung für die Baufirma veröffentlichen, die für den Neubau der Schule samt integriertem Schwimmbad verantwortlich ist. Der Außenbereich mit Grünanlage und Spielmöglichkeiten könne erst nach Vollendung des Gebäudes angegangen werden, sagt die GBO-Chefin Annette Schroeder-Rupp.

Gesucht wird auch noch ein Investor für das Projekt: Freier ist optimistisch, dass im Juni ein Geldgeber gefunden und der entsprechende Vertrag unterzeichnet werde. Erst dann, wenn auch die Kosten durch die Auftragsvergabe bekannt seien, werde das Vertragswerk der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt. Momentan rechnet Freier mit kosten „unterhalb von 30 Millionen Euro“, eine erste Schätzung vor Jahren ging von 24 Millionen Euro aus.

Die Verzögerungen im Zeitablauf seien den Herausforderungen eines Schulbaus für Menschen mit Behinderung geschuldet, betonen alle Beteiligten. So habe man die einzelnen Entwürfe immer wieder neu planen müssen, um etwa auf Wünsche der Schulleitung einzugehen oder um die Besonderheiten des Untergrunds zu berücksichtigen. Es sei kein normales Schulgebäude, sagt Matha, man wolle es passgenau für die Bedürfnisse der Fröbelschüler gestalten. An der Vergabe des Projektes an die GBO hält Freier fest: Hätte die Stadt den Neubau selbst geplant, wären die Abstimmungsprozesse noch aufwendiger, betont er.

Hintergrund: Die Fröbelschule 

Knapp 100 Menschen mit unterschiedlichsten und teils mehrfachen Behinderungen im Alter zwischen fünf und 21 Jahren besuchen aktuell die Fröbelschule in der Goethestraße.

Ihre offizielle Bezeichnung ist „Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und Abteilung für körperlich-motorische Entwicklung“. Unterrichtet werden sie dort von rund 100 Lehrern, Erziehern und Betreuern. Schon seit Jahren wird die nicht behindertengerechte räumliche Situation bemängelt: So wird das Fehlen von Therapie- oder Wickelräumen beklagt, auch sind nicht alle Räume ebenerdig erreichbar.

2016 wurde die Idee einer Sanierung am alten Standort verworfen, die Stadt entschied sich für einen Neubau. Als Gelände wurde das Areal zwischen Mühlheimer Straße und Am Eschig ausgemacht. Dort soll die Schule mit 5000 Quadratemeter Nutzfläche und 5000 Quadratmeter Außengelände entstehen. Der Neubau ist großzügig angelegt, bis zu 150 Schüler und ebensoviele Lehrer und Betreuer haben dort Platz.

Nur der westliche Verwaltungsteil der Schule wird über ein Obergeschoss verfügen, alle Klassenräume sind ebenerdig geplant. Um Ablenkung und Lärm von der viel befahrenen Mühlheimer Straße zu vermeiden, verfügen die rund 3,50 Meter hohen klassenräume über keine Außenfenster, nur über Oberlichter. Große Fenster gibt es zu den begrünten und mit Brunnen oder Sitzgelegenheiten ausgestatteten 13 Innenhöfen. Im Ostteil des gebäudes ist ein 15 mal sieben Meter großes Schwimmbecken vorgesehen, das auch für den Schwimmunterricht anderer Schulen genutzt werden soll.

VON FRANK SOMMER

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