Der Versuchung erlegen

Reges Treiben in der Kneipe - Anwohner beobachten Ausschank trotz Bewirtungsverbot

In einer Kneipe wird ein Bier gezapft.
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In manchen Kneipen ist der Zapfhahn hinter geschlossen Rollläden noch immer in Betrieb. Nach Angaben der Stadtpolizei beschränkt sich das aber auf wenige Fälle, in denen auch schon Bußgelder verhängt worden seien. (Symbolbild)

Eigentlich herrscht Bewirtungsverbot: Einige Wirte nehmen das laut Anwohnern nicht so genau. Gezecht werde in Offenbach trotz Corona bei geschlossenen Rollläden nach Lust und Laune.

Offenbach – Ein frisch gezapftes Pils in der Stammkneipe, dazu ein bisschen Gebabbel mit Bekannten und Freunden an der Theke – wer sehnt sich dieses Szenario nicht zurück? Doch Corona sorgt dafür, dass Gaststätten wohl noch für einige Zeit ein Sehnsuchtsort bleiben. Offenbar kann so mancher der Versuchung aber nicht widerstehen: So erreichten die Redaktion in den vergangenen Wochen mehrfach bislang unbestätigte Meldungen, wonach es einige Wirte nicht so genau nehmen mit den Corona-Regeln.

Hinter runtergelassenen Rollläden werde weiterhin beinahe jeden Abend eifrig gezecht, heißt es. Teilweise hätten vertrauenswürdige Stammgäste sogar einen Schlüssel für die Hintertür, um auch ohne den Gastronomen an die Tränke zu kommen. Inwieweit das dazu beträgt, dass die Inzidenzwerte in Offenbach nicht nach unten gehen, lässt sich nur vermuten.

In einer Gaststätte in Offenbach herrscht laut Anwohnerin reger Betrieb

Konkretes zum Kneipengeschehen kann Caroline S. beisteuern. Die Anwohnerin der Bahnhofstraße, deren Namen wir geändert haben, berichtet davon, dass in einer Gaststätte in ihrer Nachbarschaft seit Monaten schon reger Betrieb herrsche. So sei etwa Anfang März mehrere Tage von morgens bis 22 Uhr offen gewesen. „Teilweise saßen da mindestens zehn Gäste – männlich wie weiblich – ohne Maske und mit Kaffeetassen in den Händen, ein Herr hat einen Kasten Bier hereingetragen“, berichtet die Anwohnerin.

Seit Dezember habe sie die Vorfälle der Stadtpolizei regelmäßig gemeldet, erst in den letzten Wochen werde ihren Beobachtungen nach tatsächlich kontrolliert. „Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber das kann doch nicht wahr sein. Da halten sich so viele Menschen in einem so kleinen Raum auf, ohne Masken und trinkend, das kann doch nicht toleriert werden“, heißt es in einer Mail von Caroline S. an die Stadtpolizei.

Corona-Kontrollen in Offenbacher Gaststätten seien laut Polizei erfolgt

Deren Chef will das so nicht stehen lassen: „Dass trotz monatelanger Beschwerden keine Reaktion von uns erfolgt sein soll, halte ich für ausgeschlossen“, sagt Lothar Haack. Die Stadtpolizei sei rund um die Uhr im Einsatz und natürlich gehe man solchen Meldungen nach. Für die Gaststätte in der Bahnhofstraße bestehe mittlerweile bei der Stadtpolizei ein „Dauerkontrollauftrag“. Zuletzt sei das Lokal vor wenigen Tagen überprüft worden, wobei sich keine Auffälligkeiten ergeben hätten.

Dass Kneipen trotz Verbots geöffnet haben, beschränke sich in Offenbach auf Einzelfälle, betont Haack. Natürlich seien deswegen bereits Bußgelder verhängt worden, wie etwa zuletzt für den Betreiber einer Sisha-Bar. Zugleich gibt der Leiter der Stadtpolizei aber zu bedenken: „Viele Gaststätten bieten derzeit auch einen Abholservice an. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich einige Wartende im Vorraum eines Lokals oder davor aufhalten.“

Gegen Verstöße der Corona-Auflagen in Gaststätten geht auch Frankfurt vor

Mit Verstößen der Gastronomie gegen die Corona-Auflagen müssen sich auch Ordnungsämter anderer Kommunen beschäftigen. So zählt Frankfurt wie berichtet seit Schließung der Kneipen Anfang November bislang 75 Verfahren wegen Verstößen gegen das Bewirtungsverbot. Die meisten laufen gegen die Betreiber von Trinkhallen, nur 13 unter den schwarzen Schafen betreffen Gaststätten.

Bei allem Unmut über die mitunter fehlende Intensität der Kontrollen wirbt Lothar Haack um Verständnis: „Corona bindet derzeit 90 Prozent unserer Einsatzkraft. Das betrifft sowohl die Ahndung von Verstößen als auch die Kontrolle der sich ständig wandelnden Regelungen. So sind wir beispielsweise auch dafür zuständig, die Einhaltung der Quarantäne zu überprüfen.“

Bewirtungsverbot bringt Gastronomen in der Corona-Krise in Not

Die Stadtpolizei schiebt Dienst rund um die Uhr. Jede der vier Dienstgruppen besteht aus neun Einsatzkräften, zwei davon sind immer im Innendienst. (Matthias Dahmer)

Wegen des anhaltenden Bewirtungsverbots im Corona-Lockdown stehen auch einige Gastronomen in Hanau vor der Pleite. Einige Hanauer sehen jedoch nicht tatenlos zu, wie die Gäste der „Patrontasch“. Um ihr Lieblingslokal zu retten, reagieren die Stammgäste mit einer rührenden Geste.

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