„Auf dem Boden bleiben“

Koalition lehnt SPD-Antrag zu Spielplätzen auf Flachdächern ab

Jede Freizeitfläche in Offenbach – wie diese im Wäldchen am Gravenbruchweg – soll laut Spielplatzrahmenplan alle 15 Jahre überholt werden. Doch der Plan hinkt hinterher. Die Zielvorgabe ist nicht einzuhalten.
+
Jede Freizeitfläche in Offenbach – wie diese im Wäldchen am Gravenbruchweg – soll laut Spielplatzrahmenplan alle 15 Jahre überholt werden. Doch der Plan hinkt hinterher. Die Zielvorgabe ist nicht einzuhalten.

Offenbach - Gerade in der Innenstadt fehlen für Kinder Freizeitflächen. Um diesen Mangel zu beheben, wollte die SPD prüfen lassen, ob auf Flachdächern Spielplätze eingerichtet werden könnten. Von Steffen Müller

Um diesen Vorschlag entbrannte im Stadtparlament eine Grundsatzdiskussion über die finanzielle und personelle Lage der Stadt, an deren Ende der Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Die Vorstellung ist idyllisch: Auf einem Flachdach in Offenbach – im Idealfall mit Blick auf die Frankfurter Skyline – spielen Kinder vergnügt vor sich hin, werfen auf einem Basketballplatz ein paar Körbe, rutschen, bauen in Sandkästen kleine Burgen. Solch ein Bild schwebt der SPD vor. Doch daraus wird nichts, der Vorschlag der Sozialdemokraten wurde im Parlament mit großer Mehrheit abgelehnt.

Mit ihrem Antrag wollten die Sozialdemokraten prüfen lassen, bei welchen künftigen Bauprojekten – egal, ob städtische oder von privaten Investoren – die Umsetzung von Spielplätzen auf Flachdächern möglich wäre. Außerdem sollte geklärt werden, ob es bereits Häuser gibt, auf denen das nachträglich bewerkstellig werden könnte.

Alles zur Kommunalpolitik in Offenbach

Die SPD-Stadtverordnete Gertrud Marx ist gut vorbereitet. Auf der Skyline-Plaza in Frankfurt, auf dem Toys-R-Us-Gebäude an der Berliner Straße und auf dem I-Live-Haus im Hafenviertel existieren bereits Spielplätze für Kinder und Jugendliche, listet sie auf. Auch in New York seien solche Freizeitangebote über der Stadt gang und gäbe. „Es handelt sich hier um keine Utopie“, sagt Marx.

Unterstützung erhält sie von Dominik Imeraj, der den Verein Junges Offenbach im Ortsparlament vertritt. Er beruft sich auf ein Schreiben, das vor neun Jahren vom Parlament verfasst wurde und in dem der Mangel an Freizeitflächen für Kinder und Jugendliche kritisiert wird. „Das Thema hat nicht an Aktualität verloren“, meint Imeraj. Es müsse etwas getan werden.

Dieser Aussage will und kann die Tansania-Koalition gar nicht widersprechen. „Wir hinken seit Jahren bei den Spielplätzen hinterher“, pflichtet Zijad Dolicanin von den Grünen bei. Nur müsse man Prioritäten setzen. „Wir sollten schön auf dem Boden bleiben.“ Heißt: den aktuellen Bestand sanieren und modernisieren. Das sieht Stadtplanungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) genauso. Derzeit könne nicht einmal der Spielplatzrahmenplan umgesetzt werden.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Offenbach (Teil 2)

Die Kirche St. Konrad am Morgen, aufgenommen von unserem Leser Norbert Kircher.
Schönste Orte Offenbachs
Leserbilder: Die schönsten Plätze in Offenbach (Teil 2)

2010 wurde im Parlament eine Bestandsaufnahme der etwa 60 Spiel- und Bolzplätze in der Stadt veranlasst. Die Freizeitflächen sollten überprüft werden, ob sie noch zeitgemäß und sicher sind; pro Jahr wären drei bis vier Spiel- und ein bis zwei Bolzplätze neu zu gestalten gewesen. Ziel war es, dass jedes Angebot alle 15 Jahre einmal überarbeitet wird. Dafür wurden 4,1 Millionen Euro bereitgestellt. Doch das ist nicht einzuhalten, gesteht Weiß. „Wir sind im Rückstand.“

Wie weit, kann der neue Stadtplanungsdezernent derzeit noch nicht sagen. Grund ist die dünne Personaldecke im Stadtplanungs- und Bauamt. Mit der aktuellen Anzahl an Mitarbeitern können die vielen Aufträge nicht erledigt werden. Deshalb gibt es von Weiß ein deutliches Nein zum für ihn „absurden“ SPD-Vorschlag. Viel wichtiger sei es, die aktuellen Probleme zu lösen. Die gibt es beispielsweise beim Spielplatz an der Johannes-Morhart-Straße im Nordend. Die Freizeitfläche ist derzeit gesperrt, als Ausgleich wurden auf dem Goethe-Platz mobile Spielgeräte aufgestellt. Da unter der Johannes-Morhart-Straße alte Gewölbekeller und im Boden Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurden, verzögert sich die für 2015 geplante Fertigstellung weiter und auch die Kosten steigen. Bei der nächsten Parlamentssitzung im April soll über das weitere Vorgehen mit dem größten Spielplatz im Nordend abgestimmt werden. An der Johannes-Morhart-Straße steht also eine erfolgreiche Sanierung in Aussicht.

Spielplatz für Jung und Alt eröffnet

Ein Spielplatz für alle Generationen ist gestern in der Dietzenbacher Friedensstraße eröffnet worden.
Ein Spielplatz für alle Generationen ist gestern in der Dietzenbacher Friedensstraße eröffnet worden.
Ein Spielplatz für alle Generationen ist gestern in der Dietzenbacher Friedensstraße eröffnet worden.
Ein Spielplatz für alle Generationen ist gestern in der Dietzenbacher Friedensstraße eröffnet worden.
Spielplatz für Jung und Alt eröffnet

Eine erfolgreiche Perspektive für die Umsetzung des SPD-Antrags sieht die CDU nicht. Tobias Grün schätzt, dass es Probleme mit der Sicherheit und der Praktikabilität bei der Installierung von Spielplätzen auf Dächern geben werde. Außerdem könne man die freien Flächen auf den Häusern Offenbachs ganz anders nutzen. Er schlägt Dachbegrünung oder Solaranlagen vor.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare