Krisenstab appelliert an Offenbacher, sich an die Hygiene-Regeln zu halten

Offenbach kündigt verstärkte Corona-Kontrollen an

Gaststätten werden künftig noch strenger auf Einhaltung der Corona-Regeln von der Stadt kontrolliert.
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Gaststätten werden künftig noch strenger auf Einhaltung der Corona-Regeln von der Stadt kontrolliert.

Sperrstunde für Gaststätten, Obergrenzen für Besucher privater Feiern - mit umfangreichen Regeln für den Aufenthalt im öffentlichen wie im privaten Raum versucht die Stadt Offenbach, den gestiegenen Corona-Neuinfektionen Herr zu werden. Nachdem die Stadt am Donnerstag erneut die dritte Eskalationsstufe des Corona-Warnkonzeptes des Landes erreicht hatte, wurde am gestrigen Freitag mit 52 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen die vierte, die „rote“, Eskalationsstufe erreicht.

Offenbach - Auch wenn die in Absprache mit Hessens Gesundheitsminister Kai Klose verhängten Maßnahmen hart sind – es hätte weitaus schlimmer kommen können. Von Geschäftsschließungen oder der Einstellung des öffentlichen Nahverkehrs wie während der ersten Pandemie-Welle habe man noch abgesehen, heißt es aus dem Krisenstab. „Der Busverkehr ist noch nicht ausgelastet, daher ist es vertretbar, die Busse weiter fahren zu lassen“, sagt Gesundheitsdezernentin Sabine Groß. Allerdings sei auf die Einhaltung der Masken- und Abstandspflicht im ÖPNV zu achten.

„Unsere Linie war es von Anfang an, Maßnahmen abzuwägen und sie möglichst genau der Problemlage anzupassen“, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke. Wirtschaft, Kultur und Sport wolle man, so weit es vertretbar sei, wenig einschränken – allerdings seien auch dort wieder härtere Maßnahmen möglich, sollten die jetzt verkündeten Regeln nicht den gewünscht Effekt haben.

Bayerisches Test-Desaster hat Auswirkung auf Offenbach

67 neue Corona-Fälle zählt die Stadt innerhalb der vergangenen Woche, in 64 Fällen ist die Infektionsquelle bekannt. Ein Viertel der Fälle hängt zudem mit dem bayerischen Test-Desaster zusammen: Positiv getestete Personen erhielten erst mit tagelanger Verspätung ihr Untersuchungsergebnis und konnten seitdem viele Menschen anstecken.

Für das Gesundheitsamt, das sämtliche Infektionsketten nachverfolgt, eine gewaltige Aufgabe. „Zu Beginn, als sich die Leute noch an die Abstands- und Hygiene-Regeln hielten, gab es maximal drei Kontaktpersonen“, sagt Gesundheitsamtsleiter Dr. Bernhard Bornhofen, „jetzt sind es rund 80 – das bringt uns an den Rand des Leistbaren.“

Studenten unterstützen das Gesundheitsamt

Minister Klose kündigt an, dem Offenbacher Gesundheitsamt personelle Unterstützung durch zehn Medizinstudenten zukommen zu lassen. Das Land hatte bereits seit Monaten Aufrufe getätigt, um Studenten als freiwillige Helfer anzuwerben, nun hätten sich genügend gemeldet. Gesundheitsdezernentin Groß hofft, dass die Studenten in den kommenden Wochen nach Offenbach kommen. Bereits im März hätten zwei Medizinstudentinnen das Gesundheitsamt bei den Nachverfolgungen unterstützt, sagt Bornhofen.

Da mindestens 49 der 67 Neuinfizierten Reiserückkehrer sind, appellieren Klose und Schwenke an diese Gruppe, sich testen zu lassen. Eine allgemeine Testpflicht für sämtliche Urlauber sei rechtlich nicht umsetzbar, sagt Klose, da eine Untersuchung ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit darstelle. „Wir müssen aber damit rechnen, dass es Urlauber gibt, die sich nicht testen lassen mussten und die infiziert zurückkehrten“, sagt Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß, „auf diese Schwachstelle haben wir gestern mit der Ausweitung der Maskenpflicht im Unterricht reagiert.“

Hohe Geldbußen bei Nichteinhaltung der Quarantäne

Sowohl die Magistratsvertreter als auch Minister Klose betonen, dass es nun an jedem Einzelnen liege, durch sein Verhalten einen weiteren Anstieg der Infektionen abzuwenden – wie auch härtere Einschnitte für den Alltag. Ordnungsdezernent Peter Freier kündigt zudem an, dass das Ordnungsamt noch strenger die Einhaltung der Regeln kontrollieren werde. Nun rücken auch die Menschen in häuslicher Quarantäne – Freitag waren es 651 an der Zahl – ins Blickfeld der Stadtpolizei. Durch Kontrollen werde sichergestellt, dass sich diese auch an die Quarantäne-Regeln hielten. „Das ist kein Kavaliersdelikt, da werden 500 bis 10 000 Euro Strafe fällig – und wir werden nicht bei 500 Euro anfangen“, sagt Freier.

Auch die Einhaltung der Sperrstunde für Gaststätten sowie deren Dokumentationspflicht soll überprüft werden. „Ich appelliere an alle Gaststättenbesucher, die Besucherbögen korrekt auszufüllen“, sagt Minister Klose, „sie erschweren andernfalls den Gesundheitsämtern die Arbeit.“

Allerdings gibt es für die Kontrollen der Stadtpolizei keine Verstärkung durch das Land: Freier sagt, dass die Streifen jetzt schon ausgelastet sind.

Von Frank Sommer

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