Kunst verschenkt 

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Über die Schenkung von Ursula Goldau (Zweite von rechts) an die städtische Kunstsammlung freuen sich Oberbürgermeister Horst Schneider, Museumsleiter Dr. Jürgen Eichenauer und die kunstsinnige SPD-Politikerin Grete Steiner (von links).

Offenbach - Kunst ist ein Geschenk an die Menschheit. Sie lässt sich aber auch so verschenken. Ursula Goldau ist da Wiederholungstäterin. In New York hat die Künstlerin ihre Werke Passanten auf der Straße in die Hand gedrückt – und interessiert deren Reaktionen studiert. Von Markus Terharn

In Offenbach hat sie mit Michaela Haas Kunst an Bäume am Mainufer gehängt – und sich gefreut, wenn sie „geklaut“ wurde.

Schon 2011 gab Goldau ans Haus der Stadtgeschichte 30 Zeichnungen. Nun ließ sie 30 Gemälde folgen: Stillleben, Interieurs, Schriftbilder, ein Kopfkissenbild. Für nächstes Jahr stellt sie eine Kiste mit Performance- und Ritualzubehör zusammen. „Damit aller guten Dinge drei sind.“

Warum die 62-Jährige Bilder verschenkt, weiß sie zu begründen: „Künstlerisch zu arbeiten heißt für mich sowieso zu schenken, damit es da ist, wo es hingehört, nämlich bei den Betrachtern.“ Da aber viele Menschen nicht wüssten, dass es Kunst gebe, und sie in ihrem Leben auch nicht vermissten, verschenke sie ab und zu etwas.

Und dies durchaus ohne Rücksicht auf die Sammler, die für ihre Arbeiten Bares hinblättern. Denn für Goldau liegt der Wert eines Werks nicht darin, „dass jemand viel Geld dafür ausgegeben hat, wie für Pelz oder Perlen“.

Bilder spenden Kranken Trost

So hingen einige der jetzt dem historischen Museum vermachten Bilder zuletzt in der Palliativstation des Klinikums, wo sie schwerkranken Menschen Trost spendeten. Alle entstanden sie in Offenbach, entweder aktuelle Projekte der Urheberin begleitend oder frühere in Städten wie Moskau („Die Kunst ist 1 Schrank“) oder New York („Flow“) neu bewertend.

Bis 2008 betrieb Goldau den „Kunstraum im OFF“ in der Cinemaxx-Passage, mit Islamcafé, Lesungen, Diskussionen und Künstlervorstellungen. Die schönste Aktion war für sie „Luftblumen“, bei der Lev Berinsky vor muslimischen Besuchern seine jiddische Liebeslyrik vortrug. Bis heute schwärmt sie von dieser Erfahrung. Sehr gern denkt Goldau auch an ihr Jahr als Schulkünstlerin der Schillerschule zurück.

Nach Offenbach kam die Künstlerin, als ihr Mann Dr. Christian Rathke Direktor des Ledermuseums wurde. Der „offene Bach“, wie die 1950 in Leutesdorf am Rhein Geborene den Main nennt, tat es ihr gleich an. Und nachdem sie 20 Jahre lang unter maulfaulen Schleswig-Holsteinern gelebt hatte, fiel der wortmächtigen, so humor- wie temperamentvollen Frau gleich angenehm auf: „Die Leute babbeln hier ja!“

Nächstes Jahr Einzelschau geplant

Was fängt das Stadtmuseum mit der Schenkung an? Leiter Dr. Jügen Eichenauerbedauert, dass er den größten Teil seiner Bestände gar nicht zeigen kann, und betont den Sammlungsauftrag des Hauses: „Bei Auktionen kaufen wir so viel und qualitätvoll wie möglich, was mit Offenbach zu tun hat. Aus diesem Fundus bestücken wir unsere Wechselausstellungen.“ Im Fall Goldau trifft es sich gut, dass für nächstes Jahr eine Einzelschau geplant ist.

Bis dahin seien Interessenten auf die 13. Offenbacher Kunstansichten verwiesen. Vom 25. bis 28. April beteiligt sich Ursula Goldau an dieser Leistungsschau der lokalen Kunstschaffenden. Wo? „Auf der Berliner Straße“, freut sie sich. Mal sehen, ob sie was zu verschenken hat...

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