Die Balance gewahrt

Kuhmühlgraben hat gleich mehrere Funktionen zu erfüllen

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Neu und alt (unten): Der Kuhmühlgraben wurde auf einer Länge von etwa 800 Metern ausgebaggert.

Bürgel – Es ist eigentlich irre: Auf dem Weg zurück zur Natur mussten zunächst Bagger rollen. Heißt: Im Kuhmühlgraben – die lokale Verwaltung spricht gern vom Kuhmühltal – wurde zwischen Kettelerstraße und Karl-Herdt-Weg kräftig geschaufelt, um diese Landschaftsschutzzone und Kaltluftschneise aufzuwerten. Das Ergebnis darf der geneigte Laie zumindest als geordnet betrachten.

Die sogenannte Gewässerpflege auf rund 800 Meter Länge wurde im vergangenen Jahr notwendig, damit der Kuhmühlgraben nicht verlandet und seine Abflussfunktion weiterhin erfüllen kann. Sicher spielte auch das extreme Wetter eine kleine Rolle: 2018 erreichte laut Deutschem Wetterdienst mit rund 590 Litern pro Quadratmeter (l/m²) nur 75 Prozent seines Klimawertes von 789 l/m². Damit gehört es zu den niederschlagsärmsten seit Beginn regelmäßiger Messungen 1881. Von Februar bis November blieben zehn Monate in Folge zu trocken.

Dabei erfüllt das Kuhmühltal – ein ehemaliger Altarm des Mains – mit seinen artenreichen Feuchtwiesen gleich mehrere Funktionen: Es ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für Spaziergänger und Radfahrer. Es dient sowohl als Überflutungsfläche bei Hochwasser als auch als Wasserspeicher bei Dürre. Gerade der letzte Punkt ist ein heikler: Es musste eine Balance zwischen Durchfeuchtung des Gebiets und dem erforderlichen Wasserabfluss bei Starkregen gefunden werden.

Da die Sohle des Kuhmühlgrabens inzwischen stark verschlammt war, wurde im Spätherbst zwischen Stadtservice und Umweltamt eine größere Pflegemaßnahme abgestimmt. Neben der Mahd des Schilfes am Ufer erfolgte auch eine „Sohlräumung“, das heißt, der Schlamm wurde bis zur Grabensohle ausgehoben. Allerdings war nicht allein der trockene Sommer verantwortlich, dass dort das Wasser nicht mehr richtig fließen konnte. Neben den von der oberen Wasserbehörde genehmigten Mischwasserüberläufen bei Starkregen, die über den Kuhmühlgraben abgeleitet werden, lagern sich auch Laub, Sand und abgestorbene Teile des Bewuchses auf dem Grund des Grabens ab. Das beeinträchtigte seine Funktion.

In niederschlagsarmen Zeiten ist dies kein Problem, kann allerdings bei anhaltenden Regenfällen dazu führen, dass die angrenzenden Grundstücke versumpfen und nur erschwert bewirtschaftet werden können. Diese Flächen sind entweder in privatem Besitz oder in dem der Stadt. Diese hat ihre Flurstücke verpachtet. Die meisten Grundstücke werden von landwirtschaftlichen Betrieben genutzt.

Warum uns die Natur so gut tut

Das Umweltamt beobachtet die Schlammentwicklung im Kuhmühlgraben übrigens regelmäßig, ist er doch Teil des sogenannten Freiraumentwicklungskonzepts Bürgel-Rumpenheim. Ziel ist es, bestehende Lücken des „attraktiven Wiesentals“ zu schließen und den Talraum zu verbreitern. Nicht standortgerechte Nutzungen sollen verlagert werden und eine Nutzungsextensivierung möglichst artenreiche Grünlandbestände entwickeln. Und: „Der Kuhmühlgraben selbst soll mehr Spielraum für eine ungestörte Gewässerentwicklung erhalten.“ Auch wenn es zunächst maschineller Hilfe bedarf... (mk)

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