Herzen öffnen mit Musik

Kultkonzert der Wiener Hof Allstar Band

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Rock, Funk, Soul und Chanson, auch improvisiert, bilden das musikalische Gerüst der Wiener Hof Allstar Band.

Offenbach - Was Fernseh-Nostalgikern zu Silvester das „Dinner for one“, ist vielen Musikfreunden am Vorabend des letzten Tags eines Jahres das Konzert der Wiener Hof Allstar Band im Saal der gleichnamigen Vergnügungsstätte. Von Harald H. Richter 

Erneut ist das Kultkonzert zur Freude von Gastronom und Organisator Reinhard „Blacky“ Prekel durch 200 Kartenerwerber ausverkauft. „Die Veranstaltung nicht auf Silvester gelegt, sondern einen Tag früher terminiert zu haben, war wohl unser bester Einfall“, glaubt Prekel. So blicken er und die anderen Musiker, fast 20 an der Zahl, von drangvoller Enge ihrer Bühne in die Gesichter eines erwartungsfrohen Publikums, das es sich in der Reihenbestuhlung oder an Stehtischen gemütlich gemacht hat. Bei Kerzenschein und mit süffigen Kaltgetränken versorgt, steht einer musikalischen Sause mit mancher Reminiszenz an die Sturm-und-Drang-Jugend nichts mehr im Weg.

Neu in den Reihen der Band ist der aus Nordrhein-Westfalen stammende Schlagzeuger Michael Nagel, vom Publikum freundlich begrüßt. Tasmin Archers Nummer-Eins-Hit „Sleeping Satellite“, von Frontfrau Christa Graf interpretiert, liefert den Einstieg ins bis nach Mitternacht dauernde Programm. Smokey Robinsons „Cruisin‘“ oder der von Chris Foreman und Carl Smyth für Madness geschriebene Ohrwurm „Our House“ belegen die Bandbreite, mit der die durch Bläser reich instrumentierte Band zu überzeugen vermag. Ohnehin verblüffen die Spielleute von Titel zu Titel und machen staunen, wie flink und unkompliziert ihre Besetzungswechsel funktionieren. Andere Bands benötigen längere Pausen – die Allstars bewerkstelligen sie in Windeseile und sind jedes Mal voll da.

Dass sich dieses Sessionprojekt, mit dem vor vielen Jahren im Bieberer Saalbau alles begann, zum vielbeachteten, geschätzten Bestandteil des Musikgeschehens im Rhein-Main-Gebiet entwickelt hat, verwundert nicht. Die Band ist bekannt dafür, dass sie alles gibt – ganz gleich in welcher Besetzung. Und das beweist sie auch bei der 17. Auflage.

Ein Blick ins Auditorium belegt, dass die meisten Zuhörer im Lauf der Jahre gewissermaßen mitgewachsen sind. Viele bekannte Gesichter sind auszumachen. „Wir kommen jedes Jahr“, erzählt Maria aus dem Main-Kinzig-Kreis. Diesmal hat sie mit ihrem Partner ein befreundetes Paar mitgebracht. Also füllt nicht nur Stammpublikum die Reihen.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Den Allstars gelingt es mit einer wiederum ausgewogenen Mischung aus Rock, Funk, Soul und Chanson, frech-frivolem Lied und gelegentlich mit dem Stilmittel der Improvisation, sich breit aufzustellen und generationsübergreifend Zuhörer zu erreichen. Obendrein erweisen sich Unterhalter-Qualitäten einzelner Mitglieder als stimmungssteigernd, etwa die von Sänger Harold Costas bei seiner Interpretation des Otis-Redding-Songs „Hard To Handle“. Einen Welthit wie „Summerwine“, mit dem Lee Hazlewood und an seiner Seite Nancy Sinatra im Duett die Musikfans verzauberte, interpretieren Evelyn Weiß und Klaus Spanuth neu.

Doch auch eigene Stücke fehlen nicht an diesem Abend. Songs, die von Liebe und Enttäuschung, Ängsten und Trennung („Wenn du weggehst, mach die Tür leise zu“), aber auch purem Lebensdurst handeln, wechseln einander ab und breiten einen geschickt verwobenen Klangteppich aus.

Wenn fröhlich aufspielende Menschen auf der Bühne jene davor anzustecken vermögen mit ihrem Zuversicht ausstrahlenden Habitus und mit der Faszination ihrer Musik: Dann ist ein solches Konzert allemal ein Erfolg. Und es bewirkt das, was den Allstars wichtig ist: Erinnerungen zu wecken, Herzen zu öffnen und durch die universellste aller Sprachen, die Musik, Lebensfreude zu schenken. In diesem Sinne also: Willkommen 2016!

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