Offenbacher Kulturszene

Zimmertheater t-raum: Aus Leidenschaft zur Bühne

Ein Paar, das sich gefunden hat – auf der Bhne und im Leben. Sarah C. Baumann und Frank Geisler haben sich in der lokalen Kulturlandschaft beinahe unverzichtbar gemacht. Allerdings sind sie aktuell auch etwas ausgebremst. Bis die Corona-Krise überwunden ist und der T-Raum wieder öffnen kann, bittet sie die (lokalen) Theaterfreunde um etwas Geduld. 
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Ein Paar, das sich gefunden hat – auf der Bühne und im Leben. Sarah C. Baumann und Frank Geisler haben sich in der lokalen Kulturlandschaft beinahe unverzichtbar gemacht. Allerdings sind sie aktuell auch etwas ausgebremst. Bis die Corona-Krise überwunden ist und der T-Raum wieder öffnen kann, bittet sie die (lokalen) Theaterfreunde um etwas Geduld.

Sarah C. Baumann ist aus der Offenbacher Kulturszene nicht wegzudenken. Das Zimmertheater t-raum, das sie mit ihrem Mann Frank Geisler betreibt, ist seit 15 Jahren ein Magnet für Freunde der darstellenden Künste. Vor 40 Jahren stand Baumann zum ersten Mal als Schauspielerin auf der Bühne.

Offenbach – Im Hinterhof der Wilhelmstraße 13 gibt es etwas zu entdecken: Hinter einer unscheinbaren Tür verbirgt sich ein besonderes Theater. Nur 40 Leute passen in den kleinen Raum, dann ist das Schauspielhaus voll. Nun ist der „t-raum“ aber bei weitem kein Geheimtipp mehr. In Offenbach dürfte es kaum einen Theaterfreund geben, der noch nicht von der Bühne gehört hat. Oder ihren Betreibern, den Schauspielern Sarah C. Baumann und Frank Geisler.

Bis zu ihrer heutigen Position als feste Größe der Offenbacher Kulturszene war es jedoch ein weiter Weg. Vor 40 Jahren stand Sarah Baumann erstmals als Schauspielschülerin in Karlsruhe auf einer großen Bühne. Im Gespräch mit unserer Zeitung lässt sie die Dekaden Revue passieren – im Schnelldurchlauf.

„Eigentlich, wenn ich ganz genau hingucke, bin ich sogar seit 45 Jahren auf der Bühne“, korrigiert sich die gebürtige Schweizerin gleich zu Beginn und lacht. „Meine allererste Rolle war mit 13 Jahren in dem Stück ‘Janusz Korczak und die Kinder’.“ Ein tragischer Stoff, erzählt er doch die ware Geschichte des polnischen Pädagogen Korczak, der im Zweiten Weltkrieg die Kinder eines Waisenhauses nicht alleine ließ, als sie deportiert wurden, und mit ihnen in einem deutschen Vernichtungslager starb. Eine Geschichte, die eine gerade mal 13-jährige Schauspielerin durchaus vor emotionale Herausforderungen stellen kann. „Ich habe damals jeden Abend auf der Bühne geheult“, erinnert Baumann sich.

Wie sie als junges Mädchen zu ihrer kleinen, aber intensiven Rolle kam? „Meine Mutter ist auch Schauspielerin, sie hat damals in einem kleinen Zimmertheater mitgespielt“, berichtet Baumann. Es handelte sich um das „Theater in der Westentasche“ in Laupheim bei Ulm. „Die suchten damals ein Kind für diese Rolle, und das war dann ich.“

Dass Baumann ihren kreativen Anfang in einem Zimmertheater, wie sie es heute leitet, gefunden hat, ist nur folgerichtig. Das „Theater in der Westentasche“ zog wenig später nach Ulm. Sarah Baumann ging mit. Sie machte dort ihre Ausbildung zur Schauspielerin, die damals noch unter dem Begriff „Eleventum“ lief. „Man hat am Theater alle möglichen Dienste geleistet, von Technik über Regieassistenz und Dramaturgie bis hin zur Buchhaltung.“ All diese Dinge habe sie gelernt, sogar das Kostümenähen. „Die Prüfung habe ich dann in Karlsruhe am Staatstheater gemacht.“ Diesen Ausbildungsweg gebe es heute gar nicht mehr, so Baumann. „Aber es war spannend, weil du einfach eine ganz andere Sichtweise auf das Theatermachen bekommst. „Es war nicht nur eine Schauspielschule, sondern viel breiter gestreut. Deshalb kann ich das heute im t-raum auch alles so machen.“

Nach ihrer bestandenen Theaterprüfung holte sie das Abitur nach und zog nach Offenbach. „Ich wollte in Frankfurt studieren“, begründet sie die Entscheidung. Theaterwissenschaften und Sozialpädagogik reizten sie. In Offenbach, unweit ihres heutigen Theaters, lernte sie dann auch ihren Mann und kreativen Mitstreiter Frank Geisler kennen. „Er half damals im Buchladen am Markt aus“, erinnert Baumann sich. Als sie auf der Suche nach einem Buch den Laden am Wilhelmsplatz betrat, funkte es zwischen den beiden.

Die Jahre danach verliefen zunächst nicht ganz geradlinig. Sarah Baumann brachte ihren Sohn Lukas zur Welt und beschloss, sich einen festen Job zu suchen, während sie nebenbei noch eine Ausbildung zur systemischen Therapeutin machte. Dabei handelt es sich um eine Form der Psychotherapie, bei der der Schwerpunkt auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen liegt.

Aber ein Leben ganz ohne Theater ist Sarah Baumann nicht möglich. „Frank und ich haben damals schon einmal pro Woche eine Amateurtheatergruppe geleitet“, räumt sie ein. Dabei sollte es nicht bleiben. Ein eigenes Theater, merkten die beiden, war ein Traum, den sie sich erfüllen wollten. „Wir haben lange gesucht“, so Baumann. Mit der Begeisterung für die Idee sei auch die Akzeptanz einhergegangen, dass der Weg zum Ziel ein langer sein könnte. Eines Tages entdeckte sie in der Wilhelmstraße ein Schild: „Büroräume zu vermieten“. Geisler und sie gingen zu einer Besichtigung, und obwohl der Raum ihnen „versifft und heruntergekommen“ erschien, erkannten sie auch das Potenzial, das in ihm steckte. Nun ist die Wilhelmstraße 13 seit 15 Jahren die Heimat des „t-raum“.

Ein erfüllter Traum, wie der Name schon sagt. Welche Wünsche sind bei Sarah C. Baumann da noch offen? „Ich möchte gar nicht viel mehr“, sagt sie. „Ich möchte einfach weiter hier sein dürfen und gesehen werden.“ Nach kurzem Überlegen fällt ihr aber doch noch etwas ein: „Mein allergrößter Traum wäre ja, wenn wir von der Stadt als richtiges Stadttheater anerkannt werden könnten“, sagt sie und strahlt.

Bis die Corona-Krise überwunden ist und der t-raum wieder öffnen kann, bittet sie Theaterfreunde um Geduld. „Wir bekommen zur Zeit viele Anfragen, ob wir nicht unsere Stücke als Livestream im Internet zeigen wollen.“ Davon sehe sie allerdings bewusst ab. „Es gibt keinen Ersatz für dreidimensionales, atmosphärisches Live-Theater. Wartet lieber und entdeckt dann das Theater für euch neu.“

Infos im Internet gibt es auf of-t-raum.de.

VON MARIAN MEIDEL

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