Finanzierung muss geklärt werden

KV-Vize plädiert für Corona-Tests beim Hausarzt für Schüler der Albert-Schweitzer-Schule Offenbach

Untersuchung auf Covid-19: Bisher müssen Menschen aus Stadt und Kreis dafür nach Frankfurt fahren.
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Untersuchung auf Covid-19: Bisher müssen Menschen aus Stadt und Kreis dafür nach Frankfurt fahren.

Rund 30 Schüler der Albert-Schweizer-Schule müssen in Quarantäne. Sie sollen getestet werden. Unklar ist, wer dafür zahlt.

  • 30 Schüler der Albert-Schweitzer-Schule sind in Quarantäne
  • Für Corona-Test müssen sie Offenbach verlassen
  • Es wird nach Lösungen für Tests gesucht

Offenbach – Fast 30 Schüler und Lehrer mussten zu Beginn der vergangenen Woche in Quarantäne, da an der Albert-Schweitzer-Schule ein Corona-Fall bekannt wurde. Am Montag (11.05.2020) stand für viele der in Quarantäne befindlichen Personen dann der Besuch eines Testcenters auf dem Programm.

Dafür mussten die Betroffenen ins benachbarte Frankfurt: Obwohl Offenbach – wie auch die Kommunen des Kreises – in den vergangenen Jahren einen starken Einwohneranstieg verzeichnen, gibt es hier keine eigene entsprechende Einrichtung. Oberbürgermeister Felix Schwenke betont, dass er dies gern ändern würde. „Landrat Oliver Quilling und ich haben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen angeboten, dass wir alles in unserer Kraft stehende tun würden, um entweder in Offenbach oder einer Kreiskommune ein Center zu etablieren.“

Albert-Schweizer-Schule: KV für Coronavirus-Teststelle in Offenbach zuständig

Denn für die Einrichtung einer Stelle, in der Abstriche zur Untersuchung auf Covid-19 genommen werden, ist die KV zuständig. Wie der Offenbacher Arzt und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Hessen, Dr. Eckhard Starke, gegenüber unserer Zeitung erklärt, ist dies der Konzeption der Untersuchung geschuldet.

 „Zu Beginn der Corona-Krise einigten wir uns mit dem Land darauf, dass es keine Massentests gibt, sondern nur die Personen überprüft werden, die Beschwerden aufweisen – so empfiehlt es auch das Robert-Koch-Institut.“ Für daher habe man für ganz Hessen 15 Testcenter und 60 Schwerpunktpraxen aufgebaut sowie fünf Fahrdienste für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt seien, eingerichtet.

Ausnahme für Corona-Tests bei der Albert-Schweitzer-Schule in Offenbach

Diese Vorgaben gelten immer noch – ein bloßer Verdacht auf Infektion mit dem Corona-Virus reicht nicht aus, um eine Untersuchung zu beantragen. Nur im Fall der Betroffenen der Albert-Schweitzer-Schule hat das Stadtgesundheitsamt eine Ausnahme gemacht: Obwohl bei ihnen keine Symptome vorliegen, werden die Schüler und Lehrer dennoch auf Covid-19 untersucht.

Mit dem Modell, dass nur getestet werde, wer Symptome aufzeigt, sei man gut gefahren bisher, sagt Starke, die Anzahl der Menschen, bei denen ein Abstrich genommen werde, sei rückläufig. „Inzwischen werden rund 700 Menschen täglich in Hessen auf Covid-19 getestet“, sagt er.

Corona-Tests beim Hausarzt für Schüler der Albert-Schweitzer-Schule Offenbach?

Nun aber käme etwa mit der Forderung nach zusätzlichen Centern immer öfter auch die Frage nach Massentests auf. „Dafür aber hat es der Gesetzgeber bisher versäumt zu klären, wer dafür bezahlen soll“, sagt Starke. Denn die Krankenkassen, die die Untersuchung bei Menschen mit Symptomen bisher zahlen, seien dafür laut Gesetz nicht verpflichtet. Würde die Stadt dennoch eine Untersuchung anordnen, müsste sie selbst die Tests zahlen. „Damit wäre jede Kommune finanziell ganz schnell überfordert“, sagt er.

Wenn der Gesetzgeber die Finanzierungsfrage klären würde, könnte auch ein Vorschlag Starkes umgesetzt werden: Der Mediziner plädiert dafür, anstatt neue Zentren zu schaffen, die Hausärzte selbst die Tests vornehmen zu lassen. „Wichtig wäre dabei eine Trennung zwischen Patienten mit Corona-Verdacht und denen mit anderen Beschwerden. Außerdem muss für genügend Schutzausrüstung gesorgt sein.“ Auch Oberbürgermeister Felix Schwenke würde dieses Modell einem eigenen Center vorziehen. „Wenn alle Hausärzte Tests anbieten dürften, wäre das natürlich die bessere Lösung“, sagt er.

Prozedere der Corona-Tests für Albert-Schweitzer-Schule sorgt für Unmut

Dass die Quarantäne-Fälle der Albert-Schweitzer-Schule erst eine Woche nach Beginn der Isolation untersucht werden, sorgte bei einigen Lesern für Verwunderung. Allerdings sei es üblich, dass man erst in der zweiten Hälfte der Inkubationszeit teste, sagt Mediziner Starke. Da das Virus erst nach einigen Tagen im Körper nachweisbar ist, könnte eine zu frühe Untersuchung ein fehlerhaftes Ergebnis liefern.

Dass die betroffenen Schüler auf eigene Faust nach Frankfurt zur Untersuchung müssen, sorgte bei einigen Eltern für Unmut. Eckhard Starke betont dagegen, dass, wenn die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten würden, eine Fahrt etwa mit öffentlichen Verkehrsmitteln keine Gefahr für andere darstelle. „Zu einer Krise gehört auch, dass man vielleicht einmal etwas weiter fahren muss.“ Abhilfe könnte das von ihm vorgeschlagene Hausarzt-Modell schaffen. Aber auch nur, wenn die Finanzierung geklärt und dennoch weiterhin die Abstandsregeln eingehalten würden.

VON FRANK SOMMER

Trotz des Falls an der Albert-SchweitzerSchule: In vielen anderen Teilen der Region Offenbach gehen die Corona-Fallzahlen zurück. Aufregung um eine Schule in Offenbach: Zwei Schüler sind mit dem Coronavirus infiziert. Am Freitag folgen die Ergebnisse weiterer Tests.

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