Eine Ära geht zu Ende

Laden 26: Abschied von Stil und Design

+
Design hat Zukunft, besonders in der Kreativstadt Offenbach, sagen Anita und Hans Kohl. Für ihren Laden 26 ist jetzt aber Schluss. Sie ziehen in die Eifel.

Offenbach - Fast jeder Abschied fällt schwer. Erst recht nach 33 Jahren. Doch Hans und Anita Kohl haben ihren Entschluss wohlüberlegt getroffen: „Wir haben stets gemacht, was wir für richtig und gut befunden haben“, sagt die Inhaberin. Von Fabian El Cheikh

Fehlende Nachfolge, Altersgründe und nicht zuletzt die zunehmend schwieriger gewordene Situation im Einzelhandel haben die 63-Jährige und ihren 66-jährigen Mann dazu bewogen, ihren Laden 26 an der Kaiserstraße zum Jahresende zu schließen. Für die vielen Stammkunden, die von Kohls eigens angeschrieben wurden, kommt die Nachricht vom Ausverkauf völlig unerwartet. „Ich bin ja nicht von hier, Sie waren aber immer noch ein Weg nach Offenbach“, bedauert eine Dame an der Kasse, dass ein weiteres inhabergeführtes Fachgeschäft in Offenbach schließt. Es ist eines der wenigen verbliebenen, das noch Kundschaft aus dem Kreis, in diesem Fall gar aus Darmstadt, Frankfurt und dem Taunus in eine Stadt gelockt hat, die offenbar immer mehr im Schatten attraktiverer Einkaufsstandorte im Rhein-Main-Gebiet versinkt.

Die beiden Offenbacher gelten durchaus als Einzelkämpfer, den es immer gelang, das Beste aus ihrem Standort herauszuholen. „Irgendwann aber“, resümiert Anita Kohl, „muss auch der Steuerberater mit der Bilanz zufrieden sein.“ Seit Jahren seien die Umsätze kontinuierlich zurückgegangen, standen die Kohls immer häufiger alleine in ihrem Laden, wurden die Durststrecken länger, das Lager voller. „Es fehlt die Laufkundschaft, ohne funktioniert ein Geschäft nicht, zumal die Frequenz der Stammkunden nicht mehr hoch genug ist.“

Kunden kaufen aus Bequemlichkeit lieber im Internet

Hinzu kam ein Trend, der nicht mehr aufzuhalten ist und allen Einzelhändlern das Leben erheblich erschwert: die Bequemlichkeit des Kunden, der lieber übers Internet einkauft. „Das beobachten wir seit zehn Jahren nicht nur auf Messen, die immer kleiner werden, sondern auch bei unseren Waren, bei denen die Kaufentscheidung ja eigentlich von einem gewissen haptischen Erleben geprägt ist.“ Am Standort Kaiserstraße jedenfalls habe es weniger gelegen. „Ich glaube nicht, dass wir an einem anderen Standort in Offenbach besser aufgehoben gewesen wären, hier haben die Kunden wenigstens Parkplätze und in die Frankfurter Straße würden diese ohnehin nicht hinwollen, auch wegen der Parksituation.“ Doch ein qualitativ anspruchsvolles Geschäft könne allein kaum bestehen. „Es braucht mehrere Läden in kurzer Distanz. Früher, da haben wir noch von Goldpfeil profitiert, die Zielgruppe war in gewisser Weise deckungsgleich.“

Mit der Schließung zum 31. Dezember geht voraussichtlich auch eine Ära zu Ende, die 1871 mit dem Urgroßvater von Hans Kohl, einem Polstermeister, ihren Anfang genommen hatte. „Seither ist das Geschäft von Generation zu Generation übergegangen.“ Anita und Hans Kohl übernahmen 1981 das frühere Einrichtungshaus von den (Schwieger-)Eltern. „Unsere finanziellen Möglichkeiten erlaubten es damals nicht, es in dieser Art weiterzuführen.“ Und so entschieden sich die Beiden, Dinge feilzubieten, mit denen sie sich damals schon gerne selbst umgaben: Wohnaccessoires von der Kerze bis zur Deckenleuchte, von der Serviette bis zum Kochlöffel, vom Kaffeebecher bis zur Espressomaschine. Alles hochwertig. Dinge, an denen sich auch das Auge erfreuen soll, „die aber, und das war unser Anspruch, nicht auf einem Podest stehen, sondern benutzt werden sollten“. Auch wenn sie noch so außergewöhnlich seien.

Tipps für sicheres Online-Shopping

Tipps für sicheres Online-Shopping

Dank gezielter Werbemaßnahmen bauten sich die Kohls eine Kundschaft auf, der sie nun Lebewohl sagen. Offenbach wollen sie zwar nicht den Rücken kehren; ihre Wohnung an der Kaiserstraße werden sie behalten. Doch weil sie noch voller Tatendrang sind, haben sie auch schon Neues vorgenommen. Der Weg führt sie jetzt erstmal ins Grüne: Das Ehepaar hat ein ländliches Anwesen in der Eifel aus Familienbesitz übernommen, das kernsaniert werden muss. „Das ist unsere nächste Aufgabe, der wir uns voll und ganz widmen werden.“ Und Anita Kohl will sich noch einen weiteren Wunsch erfüllen: „Ich will wieder einen Hund haben.“ Der Ausverkauf im Laden 26 startet am 27. November.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare