Schwenke wirft Alt-Genossen „unsäglichen Ego-Trip“ vor

SPD lässt Erich Strüb nicht auf die Kandidatenliste

+
Erich Strübs ehrenamtliches Engagement beschränkt sich nicht auf die Kommunalpolitik. Er führt auch den Förderverein des Tennisclubs Rosenhöhe. Zu dessen Neujahrsempfängen holt er gern Prominenz als Gastredner – wie 2012 den Sparkassenpräsidenten und Ex-Oberbürgermeister Gerhard Grandke. Foto: Archiv (bg)

Offenbach - SPD-Veteran Erich Strüb hat gestern Abend im Else-Herrmann-Haus seine Truppen mobilisiert.

Mit einer Bestandsaufnahme seiner Arbeit in den vergangenen fünf Jahre und einem Ausblick auf das, was er noch zu tun gedenkt, musste er die Anwesenden kaum motivieren: Sie unterstützen ohnehin den 79-jährigen aus Tempelsee, der eine weitere Periode im Stadtparlament absolvieren möchte. Der Wiedereinzug ins Rathaus wird ihm nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge aber kaum gelingen, die Rückendeckung etwa durch die SPD-Arbeitsgemeinschaften 60plus und für Arbeiternehmerfragen reicht nicht aus.

Die Spitze seiner Partei und wohl auch die Mehrheit der Fraktion ist nicht gewillt, ihm noch einmal die Gelegenheit von 2011 zu bieten: Da hatten ihn die Genossen auf den aussichtslosen Platz 40 gesetzt, er sich aber durch einen persönlichen Wahlkampf so viele Stimmen gesichert, dass er mit einem Sensationsergebnis Platz 6 und den Wiedereinzug in die Stadtverordnetenversammlung erreichte.

Diese Chance wird Erich Strüb 2016 kaum haben. Der Vorstand nimmt ihn erst gar nicht auf die Vorschlagsliste. Parteivorsitzender Felix Schwenke hat Strüb in Absprache mit seinen Stellvertretern Maria Böttcher und Stephan Färber in einem vertraulichen Gespräch mitgeteilt, dass man auf seine Nominierung verzichten werde.

Alles zur Kommunalpolitik in Offenbach lesen Sie hier

„Diese Position ist keine Meinung der Parteispitze, sondern dringender Wunsch der breiten Basis der Offenbacher Genossinnen und Genossen“, erklärt Schwenke. Das sei auch in der Listenkommission, an der alle fünf Ortsvereinsvorsitzenden teil-nehmen, deutlich geworden. Ziel des Gespräches war, ihm einen ehrenvollen Ausstieg zu ermöglichen. Erich Strüb sei aber an die Öffentlichkeit getreten.

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

Schwenke findet ungewöhnlich deutliche Worte: Grund für den Verzicht auf seine Mitarbeit sei Strübs mangelnde Teamfähigkeit und Verlässlichkeit. Der Parteichef erinnert an einen „skandalösen Datenmissbrauch von Erich Strüb“, der vor zehn Jahren einen Mitarbeiter der EVO in größte Schwierigkeiten gebracht habe: „Man kann nicht einfach Adressdaten der Stadtwerke beziehungsweise der EVO im Wahlkampf verwenden.“ Bei der folgenden Wahl rutschte Strüb dann um drei Plätze nach unten. Die Partei reagierte vor fünf Jahren auf Skandal und Ergebnis mit dem schlechten Listenplatz. „Statt Einsicht in die eigenen Fehler folgte aber ein unsäglicher Ego-Trip im Wahlkampf, der der breiten Basis der Offenbacher SPD bis heute übel aufstößt“, schießt Schwenke weiter.

Strüb habe nicht einfach Werbung für sich gemacht, sondern immer wieder betont, er sei der „Querdenker“, die anderen seien die „Abnicker“. Für Schwenke ein grobes Foul, ein respektloser Umgang mit anderen SPD-Kandidaten: „Da kann ich auch gleich sagen, ich bin toll und alle anderen sind Idioten.“ Im Laufe der Wahlperiode sei dann auch keine Einsicht erfolgt, vielmehr habe sich Genosse Erich weitere Alleingänge geleistet, zuverlässige Absprachen über den gemeinsamen Auftritt nach außen seien nicht möglich gewesen.

tk

Kommentare