„Desolater Zustand“

Offenbach: Landesregierung soll zum Isenburger Schloss Stellung beziehen

Verschandelt: Auch die dem Main zugewandte Seite des Schlosses ist völlig verschmiert.
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Verschandelt: Auch die dem Main zugewandte Seite des Schlosses ist völlig verschmiert.

Der Bericht in unserer Zeitung über den beklagenswerten Zustand von Isenburger Schloss und der weiteren Gebäude der Hochschule für Gestaltung (HfG) hat viele Reaktionen ausgelöst: Leser meldeten sich und mahnten eine rasche Beseitigung der Mängel an, andere verwiesen auf andere Verschandelungen am Areal.

Offenbach - Nun wird sich auch der Hessische Landtag mit dem Schloss beschäftigen müssen: Oliver Stirböck, Offenbacher Stadtverordneter und FDP-Landtagsabgeordneter, hat den Bericht zum Anlass genommen, eine entsprechende Anfrage an die Landesregierung zu stellen. Das im 16. Jahrhundert erbaute Schloss gelte unter Kunsthistorikern als „bemerkenswerter Renaissancebau“, schreibt er, doch „seit einigen Jahren befindet sich das Schloss insbesondere äußerlich in einem desolaten Zustand.“ Vor allem die zahlreichen Schmierereien an Wänden, Türen und Hinweistafeln werden moniert.

Die FDP will daher vom Land wissen, wie hoch das Budget für die Instandhaltung des denkmalgeschützten Bauwerks ist – das Land stellt laut eigener Aussage der Hochschule als Nutzerin einen nicht weiter bezifferten jährlichen Betrag dafür zur Verfügung. Von der Hochschule hieß es bereits, dass bereits die denkmalschützerischen Aufgaben das Budget völlig einnehmen würden. Zudem fordern die Liberalen eine Stellungnahme, ob die Landesregierung die Auffassung teile, „dass der derzeitige Zustand des Isenburger Schlosses dessen Bedeutung nicht gerecht“ werde. Auch soll das Land erklären, ob es sinnvoll sei, dass die Hochschule allein für den Erhalt des Bauwerks zuständig sei.

Anfragen unserer Zeitung beim Land hatten ergeben, dass dort der derzeitige verdreckte Zustand des Schlosses unbekannt ist. Das zuständige Ministerium hatte für sämtliche Belange auf die Hochschule verwiesen. Tatsächlich wird damit eine Haltung weiter verfolgt, die dem Land schon vor Jahren heftige Kritik einbrachte: So etwa, als die Zerstörung eines historischen Kreuzgewölbes im Schloss genehmigt wurde, um einen Aufzug in das denkmalgeschützte Gebäude einzubauen.

Die Stadt Offenbach bemängelt das aktuelle Erscheinungsbild des gesamten Geländes zwar, hat aber keinen Handlungsspielraum, da es eben Landeseigentum ist. Dennoch will die Stabstelle Sauberkeit das Gespräch mit Land und HfG suchen, heißt es von der Stadt.

Allerdings scheinen sowohl Land wie HfG sich uneins, was alles auf dem Gelände überhaupt im Landeseigentum ist: Besonders beim Ludo-Mayer-Brunnen kam die Frage auf, ob dieser nicht im städtischen Besitz sei. Die Stadt verweist jedoch darauf, dass das gesamte Areal, somit auch der denkmalgeschützte Brunnen, dem Land gehört. Leser hatten vermutet, dass solche Kompetenzstreitigkeiten mit dazu geführt haben, dass sich das Gelände in dem heutigen kritikwürdigen Zustand präsentiert.

Von Frank Sommer

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