„Großes Glück“

Geldregen für das Ledermuseum: Land Hessen verdoppelt Förderung

„Step by Step“ heißt die aktuelle Ausstellung im Deutschen Ledermuseum (links Plateauschuhe der Firma Buffalo, rechts venezianische Chopine, um 1600). Schritt für Schritt geht’s auch im Haus voran. Foto: Laura Brichta/p
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„Step by Step“ heißt die aktuelle Ausstellung im Deutschen Ledermuseum (links Plateauschuhe der Firma Buffalo, rechts venezianische Chopine, um 1600). Schritt für Schritt geht’s auch im Haus voran. Foto: Laura Brichta/p

Für das Deutsche Ledermuseum läuft das neue Jahr gut an: Das Land Hessen hat eine Verdoppelung der Finanzierung in Aussicht gestellt, und der Kulturfonds fördert das Ausstellungsprojekt „Tierisch schön“. Nur die Sanierung des Hauses lässt auf sich warten.

  • Ledermuseum in Offenbach im Glück
  • Geldregen: Land Hessen verdoppelt Förderung
  • Sanierung lässt auf sich warten

Offenbach – Es ist eine erfreuliche Nachricht für das Deutsche Ledermuseum in Offenbach: In diesem Jahr soll die institutionelle Förderung vom Land Hessen mehr als verdoppelt werden; von jährlichen 220 000 Euro steigt sie auf 452 000 Euro, darin enthalten sei auch ein Betrag zum Ausgleich der Tarifsteigerung, wie das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst mitteilte. Der Haushaltsentwurf ist noch nicht im Landtag beschlossen, das werde voraussichtlich im März geschehen.

Offenbach Ledermuseum: Direktorin freut sich über Geldregen

„Das ist ein großes Glück“, sagt Inez Florschütz, Direktorin des Deutschen Ledermuseums. Sie freut sich über die Absichtserklärungen im Koalitionsvertrag von CDU und Grünen, zu denen außerdem gehöre, eine Generalsanierung zu ermöglichen. Darüber allerdings würden derzeit noch „intensive Gespräche geführt“. Auch die Idee einer baulichen Erweiterung steht offenbar im Raum.

Dass es im Ledermuseum finanziell und personell an allen Ecken und Kanten fehlt, hatte Inez Florschütz gegenüber dieser Zeitung mehrfach betont. Es werde immer nur notdürftig geflickt, klagte sie vergangenes Jahr. Das Geld, das jetzt vom Land Hessen in Aussicht gestellt wird, hat die Institution seit Jahren dringend nötig.

Nur acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für den laufenden Betrieb im Museum und für die Organisation von Ausstellungen. Mit dem Zuschuss möchte die Museumsleiterin nun unter anderem drei weitere Stellen schaffen: eine für wissenschaftliche Mitarbeit, eine für die Restaurierung und eine für die Digitalisierung. Die Bewerbungsphase läuft bereits.

Ledermuseum in Offenbach: Neue Mitarbeiter sollen bei Projekten helfen

Die drei Neuen sollen vor allem in der Sammlung und bei der Vorbereitung von Projekten helfen. Besonders die digitale Inventarisierung ist ein schon lange angestrebtes Vorhaben; rund 30 000 Exponate besitzt das Museum. Momentan arbeite man lediglich mit altmodischen Karteikarten ohne Abbildungen von den Sammlungsobjekten. „Sie können sich vorstellen, was das für ein Kraftakt ist, so eine Ausstellung zu organisieren, ohne dass wir auf eine digitale Datenbank zurückgreifen können“, sagt die Direktorin.

In den rund fünf Jahren, in denen Florschütz am Haus ist, hat sie nach und nach viele der dunklen Räume in helle, moderne Ausstellungsflächen verwandelt – mit bescheidenem Budget, da musste zum Beispiel der nackte Estrich als Bodenbelag reichen. Ausstellungsprojekte, LED-Licht, neue Vitrinen, ein Ausstellungskatalog zur aktuellen, sehr erfolgreichen Schuh-Ausstellung „Step by Step“ – solche Vorhaben können immer nur mit Drittmitteln gestemmt werden.

Offenbach: Ausstellungsprojekt „Tierisch schön“ im Ledermuseum wird gefördert

Auch für ein großes Ausstellungsprojekt in diesem Herbst konnte das Museum eine Förderung sichern: Die Schau „Tierisch schön“ ist eine Kooperation mit den Opelvillen Rüsselsheim und dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden. Die Idee sei gewesen, „kleinere“ Kulturstätten an der S-Bahn-Linie 8 miteinander zu vernetzen, erläutert Florschütz. Der Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main fördert das Projekt mit 100 000 Euro. Am Konzept arbeiten die Museen noch. Inhaltlich soll es um den Umgang des Menschen mit dem Tier gehen, wobei das Ledermuseum die Nutzbarmachung von Tieren kritisch beleuchten will.

Die Aufstockung des Personals, die Digitalisierung der Bestände, eine stärkere Vernetzung in die Region – die Zeichen stehen auf Veränderung. Die To-Do-Liste ist damit allerdings noch lange nicht abgehakt: Die ethnologische Sammlung müsste nach neuen Maßstäben auf Raubkunst aus der Kolonialzeit erforscht, die Ausstellungsbereiche Afrika und Amerika modernisiert und neu konzipiert werden. Im Depot unterm Dach herrschen nach wie vor unzumutbare Zustände; aufgrund einer schlechten Isolierung sei es „im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt“, so Florschütz.

Ledermuseum in Offenbach: Nur die Sanierung lässt auf sich warten

Und dann ist da noch die Frage nach einer Generalsanierung und einem eventuellen Erweiterungsbau. Da seien Stadt, Land und Bund gefragt. „Wenn hier etwas möglich ist, dann nur gemeinsam“, sagt der Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). „Alle verfolgen engagiert das Ziel, eine solche Generalsanierung zu ermöglichen.“ Es liege bereits eine Studie vor, eine vertiefende stehe an, außerdem sollen die Kosten ermittelt werden. Einen hohen Millionenbetrag könne die Stadt, die mit 548 600 Euro auch in diesem Jahr der größte Geldgeber des Ledermuseums ist, allerdings nicht aufbringen.

Die Gespräche und die Vorbereitungen für eine Sanierung erfordern eine „Mischung aus Hartnäckigkeit und Geduld“, so Schwenke. „Es wird kein schnelles Wunder geben.“

VON LISA BERINS

In Neu-Isenburg sind die beiden Museen* auf Erfolgskurs. Erstmals kamen mit 10 356 mehr als 10  000 Besucher.

Für die einen sind sie Schandflecke, für die anderen schützenswerte Denkmäler: An brutalistischen Gebäuden scheiden sich in Offenbach* die Geister.

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