Polarisierendes Thema

Nach heftigen Debatten: Stadtverordnete beschließen Leinenzwang für Hunde im Wald

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Alle an die Leine: In Offenbacher Waldgebieten dürfen Hunde ab kommendem Jahr nicht mehr frei laufen.

Hundehalter in der Stadt müssen sich auf eine erhebliche Veränderung einstellen: Von 2020 an wird es nicht mehr gestattet sein, seinen Hund ohne Leine im Wald auszuführen.

Offenbach –  Die Tansania-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern hat am Donnerstag gegen die Stimmen der übrigen Fraktionen beschlossen, dass der Magistrat 2020 eine entsprechende Satzung vorlegen muss.

Das Thema polarisiert, nicht nur in Offenbach: Auch in den Kommunen des Kreises gab es in den vergangenen Jahren teils heftige Auseinandersetzungen unter den Parteien über die Einführung einer Leinenpflicht. In elf der 13 Kreiskommunen gilt inzwischen per entsprechender Satzung ein Leinenzwang in den jeweiligen Waldgebieten. Bundesweit gibt es keine einheitliche Regelung, so dürfen in Bayern und Baden-Württemberg Hunde ohne Leine durch Wälder geführt werden, in Thüringen dagegen nicht. In Hessen obliegt es den jeweiligen Kommunen, einen Leinenzwang zu erlassen.

Offenbach: Leinenpflicht für Hunde im Wald nur in der Brut- und Setzzeit

In Offenbach dürfen Hunde bisher „auf ausgewiesenen Wegen im Mainbogen, in der Feld- und Wiesenflur sowie im Wald, außer in Naturschutzgebieten“ frei laufen. Lediglich während der Brut- und Setzzeit, die vom 15. März bis 31. Juli dauert, gilt eine grundsätzliche Leinenpflicht.

Die Koalition begründet ihren Vorstoß damit, den „Wildbestand im Offenbacher Stadtwald“ besser schützen zu wollen. Allerdings, das führten Oppositionsvertreter genüsslich an, ist der Begriff verwirrend, da er sich nur auf einen Teil der Waldgebiete bezieht. „Wir hätten besser ‘die Waldfläche Offenbachs’ in den Antrag hineinschreiben sollen“, räumt Grünen-Fraktionschefin Ursula Richter ein.

Die Gegner der neuen Regelung, darunter SPD und Linke, sehen in dem Koalitionsvorhaben eine Reglementierungswut und eine Verletzung des Naturschutzes, da Hunde die Möglichkeit zum freien Auslauf bräuchten. Auch habe die Koalition nicht beweisen können, dass es in der Stadt in der Vergangenheit zu einer so hohen Anzahl von getöteten Wildtieren gekommen sei, um den Leinenzwang zu rechtfertigen. 23 getötete Wildtiere seien im Jagdjahr 2018/19 gezählt worden – allerdings seien da auch Autounfälle mit Wildtieren eingerechnet, betont die Opposition.

Offenbach mit Leinenpflicht für Hunde im Wald: Wildtierbestand muss sich erholen

Konkrete Zahlen seien schwer zu erhalten, muss Andreas Bruszynski (CDU) einräumen. Dennoch sei ein Leinenzwang für Hunde in Offenbach notwendig, damit der Wildtierbestand sich erholen könne. Das Jagdgesetz sehe zudem vor, dass Jäger freilaufende Hunde erschießen dürften – um so etwas zu vermeiden, sei der Leinenzwang ebenfalls sinnvoll.

Die bestehende Regelung, dass Hunde abrufbar sein müssen, seien völlig ausreichend, argumentiert etwa Christian Grünewald von der SPD und zieht eine Parallele zu einem anderen Thema des Abends: Während die Tansania-Koalition Hundehalter mit neuen Vorschriften und Verboten überziehen möchte, lehne sie eine stärkere Kontrolle des Senefelderquartier zur Vermeidung von Vandalismus und Kriminalität ab und tue nichts.

Marion Guth (Linke) plädiert für Schilder im Wald, die auf die bestehende Regelung hinweisen. Ohnehin sei es so, dass „wer sich an Regeln hält, seinen Hund nur laufen lässt, wenn er abrufbar ist.“ Der Vorschlag für Hinweisschilder findet jedoch keine Unterstützer im Stadtparlament.

VON FRANK SOMMER

Ein ähnlich polarisierendes Thema in Offenbach ist derzeit die Debatte um die Anschaffung einer neuen Kantine und Gastronomie im Polizeiladen. Voraussichtliche Kosten: Eine Million Euro.

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