OP-Leser spenden für Augenkranken

Siar Azizi (12) sieht wieder: „Es ist ein Wunder“

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Zarmina Azizi und ihr mittlerweile zwölfjähriger Sohn Siar. Eine Welle der Spendenbereitschaft unserer Leser strömte ihnen vor vier Jahren entgegen, als er die Schockdiagnose „Morbus Best“ bekam. Nun kann Siar wieder sehen – ein medizinisches Wunder.

Offenbach - Vor vier Jahren spendeten unsere Leser für Siar Azizi, dem die Erblindung drohte: Er hat wieder volle Sehkraft. Von Veronika Schade 

Ein Junge, der an einer als unheilbar geltenden Augenerkrankung leidet und zu erblinden droht. Eine Mutter, die dieses Schicksal nicht akzeptiert. Sich an den letzten Strohhalm klammert, der ihr bleibt – eine Behandlung in einer Spezialklinik in Moskau. Vor vier Jahren berichtete unsere Zeitung vom damals achtjährigen Siar Azizi. Nun gibt es gute Neuigkeiten: Seine Sehkraft ist wiederhergestellt. Zu 100 Prozent.

Lesen Sie dazu auch den Artikel vor vier Jahren:

Letzter Strohhalm Moskau

Eine Welle der Hilfsbereitschaft strömte Familie Azizi nach dem Bericht der Offenbach-Post im Mai 2010 entgegen. Der Achtjährigen war an der seltenen Augenkrankheit „Morbus Best“ erkrankt, die als unheilbar gilt und zur Erblindung führen kann. Siars Sehkraft betrug nur noch 40 Prozent. „Man riet mir, ihn schon mal in eine Blindenschule zu schicken, damit er frühzeitig die Blindenschrift lernen kann“, blickt Mutter Zarmina Morsal Azizi zurück. In ihrer Verzweiflung klammerte sie sich an das Gerücht, dass es in Moskau eine Klinik gebe, in der „Morbus Best“ geheilt werden könne. Obwohl deutsche Ärzte ihr wenig Hoffnung machten, wollte sie nichts unversucht lassen – egal, was es koste.

Durch spontane Spendenbereitschaft unserer Leser kamen kamen mehr als 6000 Euro zusammen. Ein Ehepaar aus Mühlheim spendete großzügig und hält bis heute Kontakt zu Azizi, eine Freundin wünschte sich statt Geburtstagsgeschenken Geld für die Familie, die Käthe-Kollwitz-Schule stiftete ihr die vollen Einnahmen aus einem Schulfest, und ein Schweizer Ehepaar, das in unserer Internet-Ausgabe von dem Fall gelesen hatte und betroffen ist, spendete ebenfalls. Hinzu kamen mehrere kleine Spenden von Lesern.

Gerührt und dankbar

Zarmina Azizi ist immer noch gerührt und dankbar: „Was fremde Menschen in der Not für einen leisten, ist unglaublich. Und das in der heutigen Zeit. Sie haben mir Kraft, Hoffnung und Glauben an das Gute zurückgegeben.“ Zwei Mal innerhalb eines Jahres war sie mit Siar für mehrere Wochen zur Behandlung in Moskau. Ohne Betäubung bekam er Spritzen direkt ins Auge. Trotz der Schmerzen blieb er tapfer, wollte die Behandlung durchziehen. „Eines Tages hat er vor der Klinik meine Hand genommen und gesagt: Mama, versprich mir, dass ich nie wieder solche Schmerzen erleiden muss“, erinnert sich die 31-Jährige. Dieses Versprechen sollte sie halten.

Auf Empfehlung suchte sie den Chef der Universitäts-Augenklinik in Mainz auf, Professor Norbert Pfeiffer. „Er kannte die Behandlungsmethode, hatte aber keine Zulassung“, berichtet sie. „Er hat uns sehr unterstützt, glaubte daran, wollte unbedingt etwas für uns tun.“ Nach einigen Wochen meldete er sich tatsächlich zurück, dass er behandeln dürfe. Die Freude bei Azizi war groß. Doch die Krankenkasse wollte zunächst die Kosten nicht übernehmen. „Mein Kundenberater hat sich für uns eingesetzt, bis schließlich die Kosten übernommen wurden“, erzählt sie freudestrahlend.

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Nach und nach bekam Siar in Mainz unter Vollnarkose sechs Spritzen für jeweils 1500 Euro, ging regelmäßig zur Kontrolle. Sein Sehvermögen besserte sich kontinuierlich. Vor kurzem stand die abschließende Untersuchung an. „Als der Professor uns die Ergebnisse verkündete, hat er Siar umarmt. Seine Sehkraft liegt wieder bei 100 Prozent!“, so Azizi, die ihr Glück kaum fassen kann. „Mit so einem Erfolg hat niemand gerechnet. Es ist ein Wunder!“

Ob die Werte so bleiben, kann niemand sagen. „Aber falls es wieder schlechter wird, wissen wir jetzt, welchen Weg wir nehmen müssen“, so die alleinerziehende Mutter. Es ist ihr eine Herzensangelegenheit, sich bei den Menschen zu bedanken, die sie in den vergangenen vier Jahren unterstützt haben. Und allen Betroffenen Mut zu machen: „Niemals die Hoffnung verlieren, immer wieder aufstehen und weiterkämpfen!“

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