Konkurrenz befürchtet

Linke scheitert mit Vorstoß nach weiteren Wochenmärkten in den Stadtteilen

Wichtiger Versorger und beliebter Treffpunkt: Der Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz. 
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Wichtiger Versorger und beliebter Treffpunkt: Der Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz.

Der Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz gehört zu den großen Aktivposten Offenbachs: Er ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt, sorgt für ein anderes, ein freundliches Bild der Stadt.

Offenbach – Seit September 2015 gibt es einen weiteren Erzeugermarkt in der Stadt, auf dem Goetheplatz im Nordend öffnet der jeden Donnerstag. In Größe und Angebot lässt er sich in keiner Weise mit dem Markt auf dem Wilhelmsplatz vergleichen – und doch ist das „Märktchen“ ein Erfolg und inzwischen nicht mehr aus dem Nordend wegzudenken.

Kein Wunder, dass auch in  anderen Stadtteilen der Wunsch nach ähnlichem laut wird. Die Fraktion der Linken hat sich dieses Wunsches angenommen und in der Stadtverordnetenversammlung beantragt, dass der Magistrat ein Konzept entwickeln solle, um auch in Rumpenheim, Bürgel, Bieber, Lauterborn und Tempelsee Wochenmärkte zu etablieren.

„Die Märkte sind nicht als Konkurrenz zum Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz gedacht, eher als soziale Belebung der Stadtteile“, sagt Sven Malsy von den Linken. Zudem sei es in manchen Außengebieten der Stadt nicht gut um Einkaufsmöglichkeiten bestellt, die Fahrt zum Wochenmarkt auf den Wilhelmsplatz für ältere Menschen teils schwierig.

Offenbach: „Die Situation ist inzwischen eine andere“

Dass vor knapp drei Jahrzehnten schon einmal der Versuch scheiterte, in Rumpenheim einen kleinen Erzeugermarkt anzusiedeln, sei kein Beleg dafür, es nicht erneut zu versuchen. „Die Situation ist inzwischen eine andere, die Stadt hat sich weiterentwickelt“, sagt Malsy.

Das Ansinnen der Linken, durch Wochenmärkte die Stadtteile zu stärken, wird zwar grundsätzlich von den übrigen Fraktionen geteilt, doch Zustimmung dafür gibt es keine: Erfolgreiche Märkte ließen sich nicht einfach am Tisch planen, wird etwa eingewendet.

Vor allem fehle es von Seiten der Beschicker an Nachfrage nach weiteren Märkten in der Stadt. Gleichzeitig würde mit weiteren Märkten dem Wilhelmsplatz eine erhebliche Konkurrenz erwachsen und Kaufkraft abziehen. Der Markt auf dem Goetheplatz sei nur deshalb erfolgreich, da er von der Stadt gefördert wurde, wenden etwa CDU oder SPD ein.

Tatsächlich ist der kleine Markt im Nordend durch die Kooperation des Quartiersmanagements mit dem städtischen Projekt „Besser leben in Offenbach“ entstanden, wie die zuständige Projektkoordinatorin Sabine Süßmann auf Nachfrage  berichtet. „Einfach fünf Stände auf einen Platz hinzustellen, damit ist es nicht getan“, sagt sie. Zumal längst nicht jeder Platz geeignet sei: Er müsse über gewachsene Laufwege verfügen, über die die Kundschaft den Markt ansteuert, außerdem brauche es eine Infrastruktur mit Toiletten, Strom- und Wasseranschluss. „Auf den Goetheplatz traf das alles zu, da konnte auf die Infrastruktur des Stadtteilbüros zurückgegriffen werden.“ Gleichzeitig werde der Markt vom Projekt gefördert, die Standgebühr von zehn Euro decke nur den Stromverbrauch.

Offenbach: Organisation gar nicht so einfach

Einen weiteren Markt zu organisieren, sei zudem gar nicht so einfach, wie es zunächst erscheinen möge. „Es ist nicht so, dass wir einen Fundus von Beschickern haben, die nur darauf warten, einen Stand zu eröffnen“, sagt Süßmann. Dem Goetheplatz seien umfangreiche Verhandlungen vorausgegangen.

„Die Beschicker sind ja noch auf anderen Märkten unterwegs, also muss ein Tag gefunden werden, der den meisten passt.“ Dann sei noch zu beachten, dass etwaigen ansässigen Geschäften in der Nähe keine Konkurrenz durch einen Erzeugermarkt entstehe.

„Für den Goetheplatz einigten wir uns auf einen Nachmittags- und Abendmarkt – allerdings ist das wiederum für manche Beschicker problematisch.“ Diese seien dann etwa donnerstags bis 20 Uhr auf dem Abendmarkt vertreten, müssten aber freitags frühmorgens schon den nächsten Wochenmarkt ansteuern. „Das ist für viele Beschicker personell sehr schwierig“, sagt Süßmann.

VON FRANK SOMMER

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