Wie die Stadt auf die Salafisten-Gefahr reagieren will

Aussteiger sollen in Offenbachs Schulen berichten

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Stadtrat Felix Schwenke: Mit den gefährdeten Jugendlichen ins Gespräch kommen.

Offenbach - Erfolgreiche Rezepte werden dringend gesucht: Während die Sicherheitsbehörden versuchen, politisch aktive und gewaltbereite Salafisten im Blick zu halten und potenzielle Syrienkrieger an der Ausreise zu hindern, sind die Verantwortlichen in Offenbach bemüht, mit Präventionsprogrammen der Salafisten-Gruppe etwas entgegenzusetzen. Von Peter Schulte-Holtey

Für Stadtrat Felix Schwenke steht fest, dass die Jugendhilfe die Hauptlast bei den Abwehr- bzw. Präventionsmaßmaßnahmen trägt. „Wenn es in der Altersphase bis zehn Jahren gelingt, Kindern Selbstbewusstsein, Neugierde, Kritikfähigkeit und Entwicklungsbereitschaft zu vermitteln, sind diese in ihrem weiteren Leben sehr viel weniger anfällig für extremistische oder ideologische Ideen“, meint Schwenke und verweist auf zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen des Jugendamtes für Pädagoginnen und Pädagogen in Kindertagesstätten und Horten in Offenbach. Derzeit werden Angebote und Inhalte überarbeitet. Der Stadtrat: „Hierbei spielen neue Problemlagen wie Extremismus - unter anderem der Salafismus - eine zentrale Rolle.“

Die Erfahrung lehre jedoch, erläutert der SPD-Politiker, dass das Problem nicht eine bestimmte Form von Extremismus sei, „sondern das generelle Problem der Attraktivität ideologisch radikaler Positionen.“ Erfolgreiche Prävention müsse genau dort ansetzen. Die entscheidende Frage dabei: Welche Lebenslagen und Denkmuster fördern die Aneignung radikaler Positionen und schlimmstenfalls deren Verwirklichung?

Mitarbeiter des Jugendamtes setzen sich mit Salafismus auseinander

Eine weitere Erkenntnis, die für den Stadtrat von größter Bedeutung ist: Für Prävention im pädagogischen Feld braucht man immer Zeit, sie ist im wesentlichen Bildungsarbeit. Schwenke: „Dies wiederum setzt eine tiefe Kenntnis radikalen, religiösen oder ideologischen Gedankengutes voraus. Genau deshalb setzen sich die Mitarbeiter des Jugendamtes mit den Ideen und religiösen Zusammenhängen des Salafismus intensiv auseinander.“ Eine uneingeschränkte Distanzierung von Ideen der Gewalt und des religiösen Radikalismus’ sei notwendig, doch dafür müsse man mit den betreffenden Jugendlichen ins Gespräch kommen: „Nur dann haben wir eine wirkliche Chance.“

Braucht Offenbach mit seinem hohen Anteil muslimischer Bürger nicht auch eine Beratungsstelle vor Ort? Schwenke weist auf die neue Einrichtung in Frankfurt hin. Es ergebe Sinn, die Aktivitäten und das Know-how zu bündeln, sagt er, Parallelstrukturen müssten vermieden werden: „Das Land muss hier eine koordinierende Rolle übernehmen.“

Kooperation mit muslimischen Gemeinden

Da Frankfurt der Polizei als Zentrum salafistischer Aktivitäten in Hessen gelte, sei es schlüssig, dass dort das Hessische Präventionsnetzwerk gegen Salafismus eine zentrale Beratungsstelle einrichte. Der Stadtrat kündigte eine enge Zusammenarbeit mit den Beratern in Frankfurt an: „In welcher Form das konkret wird, werde ich gemeinsam mit unserer Lenkungsgruppe Prävention besprechen. Ich beabsichtige, die Beratungsstelle zu einer Sitzung einzuladen.“

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Eine weitere Idee soll möglichst bald in die Tat umgesetzt werden: Aussteiger aus der Salafistenszene können in Offenbacher Schulen über ihre Erfahrungen berichten. Noch fehlt es an Kontakten. Schwenke: „Die Stadt hat aber bei der Landeskoordinierungsstelle des Hessischen Kompetenzzentrums gegen Extremismus hierzu kürzlich um Unterstützung gebeten.“

Intensivieren will die Stadtspitze in Offenbach auch die Kooperation mit den muslimischen Gemeinden, von einem „gemeinsamen Prozess von Prävention und Aufklärung mit Blick auf den religiösen Radikalismus“ ist die Rede. Schwenke: „Die Moscheegemeinden können einen wichtigen Beitrag leisten. Die Stadt ist dabei zu jeder Kooperation und Hilfestellung bereit, und ich thematisiere das Problem regelmäßig beim Islamischen Runden Tisch. Dabei gilt in beide Richtungen: Kleinreden des Problems hilft ebenso wenig wie einseitige Schuldzuweisung. Jeder muss seiner Verantwortung gerecht werden.“

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