12,8 Meter lange Maschine

„Wunderschönes Bekenntnis“: Schweizer Lok namens Offenbach wird zum Foto-Hit

Schweizer Design, Offenbachs Name. Wappen, Skyline und Büsingpalais schmücken die Seitenbleche der Rangier-Lok Offenbach.
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Schweizer Design, Offenbachs Name. Wappen, Skyline und Büsingpalais schmücken die Seitenbleche.

Die Schweizer Bundesbahn entdeckt die Stadt als Namenspatin und nennt eine Lokomotive „Offenbach“. Oberbürgermeister Felix Schwenke ist voll des Lobs.

Offenbach – Für die Lufthansa fliegen schon seit vielen Jahrzehnten Jets namens Offenbach, seit 1998 ein Airbus A 340-313X. Nun haben auch die Schweizer Bundesbahnen die Stadt als Namenspatin entdeckt: Die moderne Rangierlok „Offenbach am Main“ verschiebt Waggons nicht nur auf dem örtlichen Rangierbahnhof.

Ihren Laufsteg schmücken weder rote Teppiche noch feiner Tüll, sondern grauer Stahl und grober Schotter. Aber kaum auf Tour, wird die Lokomotive „Offenbach am Main“ von SBB Cargo International, einer Tochter der Schweizerischen Bundesbahnen, zum begehrten Fotomodell. Sogar in Frankfurt. „Vor einer halben Stunde habe ich am Südbahnhof vor einem Signal gehalten“, erzählt Lokführer Nathanael Oestreich augenzwinkernd, „und schon zückten auf dem Bahnsteig gegenüber wartende Fahrgäste ihr Smartphone.“

Lok „Offenbach am Main“ ist fast 70 Tonnen schwer

Jetzt parkt die 12,8 Meter lange Maschine wieder daheim im Güterbahnhof am Prellbock. Sie ist seit Mitte 2020 in Offenbach stationiert. Unterwegs war sie gewesen, weil Techniker des Herstellers Alstrom sie über Nacht in Waibstadt bei einer Routinekontrolle inspiziert hatten.

Nathanael Oestreich leitet den Standort Karlsruhe / Freiburg von SBB Cargo Deutschland (SBB CD). Normalerweise. Die 200-Kilometer-Tour nach Baden Württemberg ist für ihn eine willkommene und notwendige Abwechslung. Der gelernte Lokführer muss für die Verlängerung seiner Fahrerlaubnis jährliche Praxisstunden nachweisen. Natürlich haben ihn auch die Kollegen in Waibstadt auf den Ort angesprochen, der mit Name, Palais, Wappen und Skyline die Seitenbleche der Zugmaschine ziert. Selbst auf den Gleisen der Frankfurter Hafenbahn sei das markante Offenbach-Design immer ein Gesprächsthema unter Kollegen, verrät Oestreich..

Die 67 Tonne schwere „Offenbach am Main“ ist eine dreiachsige Hybridlok mit einer Gesamtleistung von 555 Kilowatt, das sind 755 PS. Ihre 100 kWh Li-Ion-Batterie wird über Nacht und während der Ruhepausen aufgeladen. Die hohe Speicherkapazität ermöglicht im Alltag einen weitgehend emissionsfreien Betrieb. Der Diesel wird nur bei Bedarfsfall oder längeren Fahrten zugeschaltet.

Offenbach: OB Felix Schwenke ist voll des Lobs für das Engagement

Das Offenbach Dekor auf den Seitenblechen nebst der Silhouette von Feldberg und einigen Frankfurter Hochhäusern hat über 10.000 Euro gekostet und „viel Herzblut der Mitarbeiter“, so die Geschäftsleitung. Oberbürgermeister Felix Schwenke ist voll des Lobs für dieses Engagement: „Die Lokomotive ist ein wunderschönes Bekenntnis zu Offenbach, das wir von der ersten Sekunde an auch bei der Motivauswahl gerne begleitet haben. Mit ihrem wunderbaren Design ist die Maschine ein guter und sichtbarer Botschafter für unseren Standort.“

Die Schweizer können, so sagt der Volksmund, Uhren. Aber auch ihre Eisenbahnen gelten dank schlanker Strukturen in Fachkreisen als präzise und leistungsfähig. SBB Cargo Deutschland nutzt in Offenbach seit Dezember 2018 den ehemaligen Rangierbahnhof als Zentralhub für das internationale Linienzug-Angebot der ChemOil Logistics AG. Der Chemie-Link verbindet europäische Wirtschaftszentren.

Hauptsitz von SBB Cargo Deutschland mit insgesamt 350 Beschäftigten ist Duisburg. Offenbach ist einer von vier Regionalstandorten. Von hier werden beispielsweise Köln, Karlsruhe, Ludwigshafen, die Schweiz, Italien und Frankreich bedient. 11 716 Güterwagen, insgesamt 960 712 Bruttotonnen schwer, hat das Unternehmen 2020 zwischen der Laskabrücke und dem Neuen Friedhof umrangiert und abgefertigt. Die Züge Richtung Süden umfahren die Offenbacher Innenstadt via Hanau und vermeiden so das überlastete Netz in Frankfurt.

Offenbach laut Koordinator ein idealer Standort für Osteuropa-Märkte

Offenbach ist laut Koordinator Dieter Neidel dank zentraler Lage und vorhandener Infrastruktur ein idealer Standort auch für neue Märkte Richtung Osteuropa. Bei entsprechender Nachfrage sei das Unternehmen auch bereit, Kunden hier auf dem „letzten Kilometer“ Waggons zuzustellen. „Güter gehören von der Straße auf die Schiene“, sagt Neidel.

13 der 15 vorhandenen Gleise des Rangierbahnhofs hat SBB CD angemietet. Die Deutsche Bahn AG schloss im Jahr 2010 die Güterabfertigung in Offenbach, obwohl sie fünf Jahre zuvor Schienen und Schwellen hier aufwendig saniert hatte. Allenfalls ein paar Baustellenfahrzeuge überwinterten fortan auf dem Areal. Seinen westlichen Teil entwickelt die Stadt Offenbach zu einem Wohn- und Gewerbegebiet.

Steffen Volkmer, Mitglied der Geschäftsleitung von SBB CD: „Wir fühlen uns sehr wohl in Offenbach und sind der Stadtverwaltung für die unbürokratische Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie dankbar“.

SBB CD findet neue Niederlassung in Offenbach

Mithilfe der Wirtschaftsförderung, bestätigt Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke, habe das Unternehmen auf dem ehemaligen Mercedes-Gelände eine 220 Quadratmeter große Bürofläche für seine Niederlassung gefunden. Von dort werden die regionalen Aktivitäten koordiniert „Das ist gut für Offenbach“, so der OB, „wir wollen Unternehmen und Arbeitsplätze aus unterschiedlichen und zukunftssicheren Branchen ansiedeln“.

18 Beschäftigte, darunter zwölf Lokführer, sind in Offenbach stationiert. Die Schweizer, so Markus Gersberg-Werner, Mitglied der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), zählten zu den Guten auf einem hart umkämpften Markt. Die Gesellschaft halte sich an die hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards und bilde selbst aus.

Das Unternehmen entlohnt nach Tarif plus Arbeitsmarktzulage. Die Lokführer erhalten eine Bahncard-100. Bei einer 39-Stunden-Woche können sie neun Tage am Stück arbeiten und anschließend fünf Tage freinehmen. Ein Modell, das besonders Fernpendler schätzen, auch die die ihren Arbeitsplatz in Offenbach haben. (Matthias Müller)

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