Lieber andere Warteplätze

Lokale Taxi-Unternehmer äußern Wünsche zur Diesel-Debatte

Schlechtes Image? Taxis gelten als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs, die Sprecher der lokalen Unternehmen fühlen sich allerdings nicht ausreichend gehört. Foto: dpa
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Schlechtes Image? Taxis gelten als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs, die Sprecher der lokalen Unternehmen fühlen sich allerdings nicht ausreichend gehört. Foto: dpa

Grund für die Luftbelastung in Offenbach sind in etwa zu Zweidritteln Autos.  Sprecher der lokalen Taxi-Unternehmen haben Ideen und fühlen sich nicht ausreichend gehört.

Offenbach – Die Luftbelastung (insbesondere die Stickstoffdioxidbelastung) wird in Offenbach zu etwa zwei Drittel durch den Autoverkehr verursacht. Dieselfahrzeuge sind dabei die Hauptemittenten. In der 2. Fortschreibung zum Luftreinhalteplan, die 2014 vom Land verabschiedet wurde, sind diese Fakten festgestellt. Und jetzt?

Offenbach: Stadt versucht mit allen Mitteln ein Diesel-Fahrverbot zu verhindern

Jetzt versucht die Stadt mit allen Mitteln, ein Diesel-Fahrverbot zu umgehen. Diskutiert werden ein gesamtstädtisches Durchfahrtsverbot für Lastwagen, ein intelligentes Verkehrsmanagement und natürlich die Elektrifizierung der kommunalen Busflotte.  Die „Stinker“ der OVB sollen für teures Geld verbannt werden, lautet ein Ziel der lokalen Politik. Trifft der „Diesel-Bann“ bald auch Taxi-Betreiber, die im Ruf stehen, überwiegend auf kilometerfressende Diesel zu setzen?

Ein Allgemeinplatz, der Addy Wehner hart trifft. Ja, der Offenbacher, seit Jahrzehnten das Gesicht der lokalen Taxi-Unternehmer, ist geradezu entsetzt und setzt den Autor dieser Zeilen sofort ins Bild: „Addy Wehner fährt Hybrid!“ Oha, mit dem Vorwurf, dass Taxis eine gewisse Mitschuld an der diesel-schwangeren Luft in der Stadt haben, liegt man bei Familie Wehner daneben.

Offenbach: Hybrid-Wagen für Taxi-Unternehmen als Maßnahme im Stadtverkehr?

Um das zu betonen, zitiert das Urgestein der lokalen Droschken-Zunft eine alte Weisheit der Branche: „Du kannst nur am Kilometer sparen.“ Heißt: Es ist auch ein wirtschaftlicher Faktor, der zum Umstieg von Diesel- auf Hybrid-Aggregate bewegte.

Bedeutet in der Praxis: Die Hybrid-Wagen bewegen sich im Stadtgebiet häufig im Elektromodus. „Bis zu 60 Prozent kann man rein elektrisch fahren;  nicht am Stück, doch durch automatisiertes An- und Abschalten des Motors addiert sich das.“

Drei Warteplätze für Taxis gibt es am Friedrichsring vis-à-vis der AOK. Die Offenbacher Taxi-Unternehmer sind freilich nicht immer einverstanden mit diesen Standorten. Sie wollen deutlich mehr an zentralen Schnittpunkten mit dem ÖPNV – etwa den lokalen S-Bahn-Stationen. 

Das spare Benzin, Kosten und letztlich auch Schadstoffausstoß, zudem falle beim Hybrid das zeitraubende Aufladen an der Steckdose weg. Jetzt mag man darüber sicher streiten, ob ein Gesamtumstieg nach Wehner-Vorbild die Offenbacher Luftwerte ein wenig verbessern würde – systemrelevant dürften die Taxis aber allemal sein bei einer jährlichen Laufleistung von etwa 60 000 Kilometer pro Fahrzeug.

Offenbach: Nahezu 1,2 Millionen Fahrgäste in Taxis

Mit weiteren Zahlen helfen gern die „Fledermäuse“ weiter; jener Zusammenschluss von seinerzeit fünf Unternehmern, der Taxi-Fahrten vermittelt. Das leisten die Fledermäuse aktuell für 59 der 96 in Offenbach konzessionierten Fahrzeuge. In diesem Jahr haben die Fledermäuse gut 220 000 Aufträge vermittelt – den Spitzenwert liefert der ÖPNV-bestreikte November mit mehr als 25 000.

Dazu kommen die „Einsteiger“, also jene Fahrgäste, die sich ein Taxi an den Halteplätzen nehmen. „Da kommen locker 25 Prozent obendrauf“, schätzt Harry Schweitzer, der mit Wehner als Sprecher der Fledermäuse fungiert. Nach der internen Rechnung kommen sie auf nahezu 1,2 Millionen Fahrgäste in Offenbach.

„Und die sind erst Recht systemrelevant bei einer möglichen Mobilitäts-Diskussion“, findet Harry Schweitzer. Dabei möchten die Unternehmer jetzt nicht einen Streit entfachen contra Diesel beziehungsweise pro Hybrid. Sehr wohl haben sie bereits im Vorfeld Überlegungen angestellt, welchen Beitrag Taxis zur Luftreinhaltung leisten könnten.

Offenbach: Taxifahrer fühlen sich nicht ausreichend gehört

Wobei beide betonen, dass sie lediglich Taxis betreiben, die Konzessionen gehören der Stadt. „Und darauf hätten die Politiker Zugriff – wenn sie wollten“, sieht Schweitzer nicht allein die Chauffeure in der Pflicht. Er listet auf, was er sich wünscht: ausreichend zentrale Wartepositionen an den Schnittpunkten mit dem ÖPNV – etwa an Marktplatz, Ostbahnhof, Kaiserlei. „Einfach dort, wo die Kunden zusteigen. Das würde unsere Anfahrten reduzieren und somit den Schadstoffausstoß erheblich mindern.“

Was sie zumindest verwundert, gar ärgert: In Planungsverfahren für Wohngebiete seien sie überhaupt nicht eingebunden. Beispiel Hafenareal: 1000 neue Bewohner, Büroflächen und ein geplantes Hotel – aber kein einziger Warteplatz für Taxis. „Aber dort ist ganz sicher Bedarf, genauso wie im entstehenden Goethequartier.“

Im Dezernat von Stadtrat Paul-Gerhard Weiß irritieren die kritischen Worte: „Primär ist natürlich die Straßenverkehrsbehörde zuständig, aber wir stehen grundsätzlich allen Fragen der Taxi-Unternehmer offen gegenüber“, sagt Referent Jürgen Weil.

Offenbach: Ideen für eine besser Luft – Elektrotaxis aber aktuell keine Option

Was die Droschkenbranche ebenfalls vermisst: einen Taxitarif, der die Mitnahme von mehreren, nicht zusammen gehörenden Fahrgästen erlaubt. „Bei vorbestellten Touren wäre das ein attraktiver Service für die Kunden, und es würde einige Fahrten reduzieren“, schätzt Harry Schweitzer, „alle reden von Sharing-Modellen, sich eine Leistung zu teilen, wäre eins.“ Dazu müsste allerdings das bundesweit geltende Personenbeförderungsgesetz reformiert werden. Vielleicht bewirkt ja der US- Dienstleister Uber ein Umdenken...

In Offenbach haben sich die Taxi-Tarife geändert. Sowohl der Grundpreis, als auch die Kilometerpauschale sind teurer geworden.

Aber wären reine Elektro-Taxis nicht die beste Lösung zur Schadstoff-Reduzierung? „Aktuell nicht“, sagen Schweitzer und Wehner, ein Vergleich mit Stadtbussen sei unsinnig: „Feste Strecke, fester Fahrplan – da ist alles kalkulierbar. Beim Taxi nicht. Lange Standzeiten, Heizung im Winter, Funk, Navi – alles Stromfresser.“ Zudem mangele es an (Schnell-)Lade-Infrastruktur. Hier sehen sie die Stadt und Politik in der Pflicht und fordern neue Sichtweisen. Auch bei der generellen Frage der Mobilität: „Es ist eine Illusion zu glauben, dass der Individualverkehr künftig weiter so funktionieren wird wie heute“, ist sich Schweitzer sicher.

Von Martin Kuhn

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