Luftmessstation

Argumente aus der Luft greifen

+
Die neue, vom Land Hessen finanzierte Station sammelt kontinuierlich Messdaten. Diese sind dauerhaft abrufbar im hr-Videotext und auf www.hlug.de.

Offenbach - Seit Jahren herrscht dicke Luft nicht nur an stark befahrenen Offenbacher Straßen, sondern auch zwischen Stadt und hessischem Verkehrsministerium. Von Fabian El Cheikh

2011 kippte das von der FDP geführte Ministerium den ein Jahr zuvor von den Stadtverordneten beschlossenen Luftreinhalteplan der Stadt. Er sah unter anderem die Einführung einer Umweltzone und Lkw-Fahrverbote vor.

Seither gammelt der Maßnahmenkatalog in den Amtsschubladen herum, den maßgeblich das Umweltamt der Stadt erarbeitet hat. Nun nimmt die Stadt einen neuen Anlauf und will überzeugende Argumente sammeln – mithilfe von Messwerten, die die Belastung der Luft durch Stickstoffdioxide (NO2), Feinstaub, Benzol und Kohlenmonoxid untermauern sollen. Zu diesem Zweck nahmen Umweltdezernent Peter Schneider (Grüne), Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach und Dr. Stefan Jacobi vom Landesamt für Umwelt und Geologie eine Luftmessstation an der Unteren Grenzstraße offiziell in Betrieb.

Schadstoffbelastung in der Luft

Schneider betonte, dass sich die Station an einem von drei sogenannten Hotspots in der Stadt befinde, die durch den Straßenverkehr eine besonders hohe Schadstoffbelastung in der Luft aufwiesen. „Wir hoffen, mit den gesammelten Werten, die dringende Notwendigkeit von Umweltzone, Tempo 30 und Durchfahrverboten für Lkw unterstreichen zu können.“ Ein Vorwurf seitens des Landes habe stets gelautet, die Stadt könne die Luftbelastung nicht durch handfeste Daten nachweisen. 2004 hatte die Stadt eine Messstation aus Kostengründen stillgelegt und seitdem über keine relevanten Daten mehr verfügt. Das änderte sich erst, als vor vier Jahren drei passive Messstellen an der Unteren Grenzstraße, an Main- und Bieberer Straße installiert wurden.

Dr. Stefan Jacobi gibt einen Einblick in den Messcontainer.

Die Blockadehaltung ärgert Umweltamt und -dezernat nicht nur, weil laut Diktat der Europäischen Union bis spätestens 2015 Maßnahmen ergriffen sein müssen, um die Schadstoffe unter die europaweiten Grenzwerte zu drücken. „Es ist auch deshalb verwunderlich, weil das Land die Pläne für andere Städte wie Darmstadt oder Frankfurt längst genehmigt hat“, sagt Hollerbach. Und Schneider mahnte erneut, eine gemeinsame Strategie für das Rhein-Main-Gebiet zu verfolgen, „alles andere ergibt überhaupt keinen Sinn“. Er setze auf die noch zu bildende Landesregierung, in der aller Voraussicht nach keine Liberalen mehr Verantwortung tragen werden.

Besonderes Augenmerk legen die Wissenschaftler auf die Stickstoffdioxide, die durch den Straßenverkehr emittiert werden. Die langfristige Belastung darf im Jahresmittel 40 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschreiten. An den drei Passivsammlern in Offenbach lagen die Werte jedoch seit 2009 jedes Jahr zum Teil deutlich höher als zugelassen. Vorteil der neuen Station: „Da können wir auch die kurzfristige Belastung erheben“, so Stefan Jacobi, Leiter des Luftmessnetzes Hessen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare