ASB schließt Sozialstation

ASB-Sozialstation: Aussichten auf externe Übernahme haben sich kurzfristig zerschlagen

Ab März werden die zahlreichen Fahrzeuge der ASB-Altenpfleger nicht mehr zum Straßenbild in der südlichen Waldstraße gehören. Fotos: Kirstein
+
Ab März werden die zahlreichen Fahrzeuge der ASB-Altenpfleger nicht mehr zum Straßenbild in der südlichen Waldstraße gehören.

Überraschend hat die Darmstädter Mission Leben ihr Angebot für die Übernahme der Sozialstation Offenbach zurückgezogen. Mit fatalen Folgen für die Mitarbeiter. 

  • Übernahme der Sozialstation Offenbach gescheitert
  • 28 Mitarbeiter müssen sich umorientieren
  • Erst 2019 hatte die ASB neue Räumlichkeiten bezogen

Offenbach – Zuletzt ist die Hoffnung gestorben. Für den Vorstand des Regionalverbands Mittelhessen des Arbeiter Samariter Bunds (ASB) überraschend hat die Darmstädter Mission Leben ihr Angebot für die Übernahme der Sozialstation Offenbach zurückgezogen. 

Laut ASB unvermeidliche Konsequenz: Das Pflegeangebot wird zum 29. Februar eingestellt. 28 Mitarbeiterinnen müssen sich umorientieren; rund 80 verbliebene Kunden benötigen eine neue Betreuung.

ASB Offenbach schreibt tiefrote Zahlen

Wie Ende August vergangenen Jahres berichtet, suchte der Mittelhessen-ASB als Teil eines im Juli beschlossenen „Restrukturierungsprozesses“ einen neuen Betreiber des für ihn defizitären Angebots in der häuslichen Pflege. Im Gegensatz zu den sich wenigstes selbst tragenden Pendants in Karben und Altenstadt schreibt die Offenbacher Station laut Vorstand seit Jahren tiefrote Zahlen. Freilich ohne, dass ihn frühzeitig davon Kenntnis erreicht hätte. Die Zeit zum rechtzeitigen Gegensteuern schien vorbei. Die verantwortliche Bereichsleitung Soziale Dienste hat den ASB inzwischen verlassen.

Im Herbst 2019 waren noch mehr als 400 alte Menschen in der Stadt Kunden der Hilfsorganisation. Verbandsvorsitzender Marcus Schönbach war damals guten Mutes, einen Partner zu finden, der ihnen die pflegenden Menschen erhalten würde, die sie gewohnt seien.

Offenbach: Zwei Interessenten im Rennen um die ASB-Sozialstation

Erst 2019 hat die ASB-Sozialstation neue Räumlichkeiten in einer ehemaligen Sparkassenfiliale gegenüber der Stadt halle bezogen.

Mit zwei Interessenten wurden Gespräche geführt. „Als Sozialdienstleister haben wir dabei hohe Priorität auf gleiche Arbeitsplatzbedingungen für unsere geschätzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die weitere Einhaltung unserer Qualitätsansprüche für diese und unsere Kundinnen und Kunden gesetzt“, heißt es in der Pressemitteilung zur bevorstehenden Schließung. Beide Perspektiven haben sich zerschlagen. Die eine schon früh. Es habe „enormen Widerstand der Mitarbeiter“ gegeben, sagt Vorsitzender Schönbach. Im Rennen blieb ein Unternehmen der evangelischen Kirche, die diakonische und gemeinnützige Mission Leben in Darmstadt. „Wir hatten einen guten Draht aufgebaut, das schien gut zu passen, das sah gut aus.“ Um so enttäuschter ist der von der Absage völlig überrumpelte Vorstand jetzt. „Wie man uns mitteilte, hat die Prüfung wohl ergeben, dass auch in drei Jahren noch keine schwarzen Zahlen geschrieben würden“, bedauert Marcus Schönbach, „es ist tragisch, wir hätten es gern anders gelöst.“

Offenbach: Kunden erhalten Kündigung zu Ende Februar

Die verbliebenen Kunden beziehungsweise deren Angehörige erhalten die schriftliche Kündigung zu Ende Februar. In der Regel springen andere örtliche Pflegedienste in die Bresche. „Es wird niemand unversorgt gelassen“, verspricht Marcus Schönbach; bei Bedarf berate und vermittele der gut vernetzte ASB gern.

Am Dienstag wurden die Beschäftigten, die längst von der aktuellen negativen Entwicklung Wind bekommen hatten, offiziell in Kenntnis gesetzt. Die Stimmung wird sich wenig von der im August unterschieden haben. Damals zeigten sich Pflegekräfte gegenüber unserer Zeitung „schockiert und stinksauer, dass nicht rechtzeitig was unternommen wurde“.

ASB Offenbach: Verhandlungen über Sozialplan

Der Vorstand wird mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan und Interessensausgleiche verhandeln. Zudem besteht für alle Mitarbeiter das Angebot, an anderen Standorten – etwa Karben – für den ASB tätig zu bleiben. Auch sonst stünden die Chancen nicht schlecht, ist sich Schönbach sicher: „Pflegekräfte werden überall händeringend gesucht.“

Es stellt sich allerdings die Frage, zu welchen Konditionen. Der ASB-Vorsitzende verhehlt nicht, dass die finanzielle Schieflage in Offenbach unter vielem anderem auch von einem Tarifvertrag herrührt, der von der Pflegekasse nicht gedeckt wird. Wer seine Mitarbeiter angemessener bezahle, bekomme das nicht refinanziert, macht Schönbach deutlich.

Der Betriebsrat des ASB Mittelhessen wird erst heute dazu und zu weiteren Aussichten für die Beschäftigten zu befragen sein.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare