Madhat in Offenbach baut Installationen

Ideen als Treibstoff für den Erfolg

Offenbach - Das Offenbacher Unternehmen Madhat ist mit Installationen für Messen oder in Verkaufsräumen auf der ganzen Welt auf Erfolgskurs. Es setzt vor allem auf die Automobilbranche. Von Axel Wölk 

Beim Kommunikations-Unternehmen Madhat mit Sitz in der Offenbacher Heyne-Fabrik sind Ideen Treibstoff für den Firmenerfolg. Kein Projekt der Jungunternehmer gleicht völlig dem anderen. Der eigentliche Unternehmenswert lässt sich nicht in der Bilanz, sondern höchstens an den Köpfen der Mitarbeiter ablesen. Grob gesagt verkauft die Firma Installationen – für Messen, Sonderveranstaltungen, aber auch Verkaufsräume von Kunden. Diese sollen Messepublikum, Konsumenten oder VIPs gleichsam fesseln. Vorzeigeprojekt von Madhat war ein Herz aus über 100 Bildschirmen, das insgesamt sechs mal sechs Meter umfasste. In dieser digitalen Erlebniswelt ließ der Kamerahersteller Nikon von Madhat am Computer generierte Animationen abspielen. Als Sahnehäubchen konnten Besucher Fotos von sich schießen und diese später auf das Herz projizieren lassen. Zuerst präsentierte Nikon das Herz auf der weltgrößten Fotomesse Photokina 2012 in Köln. Bald darauf verluden die Japaner den Koloss nach Dubai, wo er in einem Einkaufszentrum die Kunden für Kameras begeistern sollte.

„Madhat arbeitet an der Schnittstelle zwischen Programmierung und Design. Wir haben von beiden Welten etwas“, erläutert Geschäftsführer Mikko Weihrauch. Im Gegensatz zu reiner Kunst, die oft in höheren Sphären schwebt, betont der Jungmanager, dass sein Unternehmen relativ gut die Machbarkeit für eine geplante Installation einschätzen könne. Ein Großteil der Kundschaft kommt aus der Automobilbranche. Für Ferrari schuf die 15 Mitarbeiter große Firma extra eine Installation zur Einführung einer neuen Nobelkarosse. Zu der VIP-Veranstaltung war ein erlesener Kreis von nicht mehr als 100 Multimillionären geladen. Die meist leger gekleideten Offenbacher arbeiten zudem auch für den Premium-Hersteller Audi, für Volkswagen und für Infiniti aus Hongkong.

Autos sind für Madhat so etwas wie eine Paradedisziplin. Fahrzeuge mit ihren zahlreichen Einzelteilen sowie aufwändiger Elektronik und Mechanik sind höchst komplex. Gerade hier setzt die Aufgabe der Offenbacher ein. Das Unternehmen versucht auf spielerische Art und Weise mit seinen Installationen zu zeigen, woraus ein Produkt besteht und was es kann. „Das ist bei der zunehmenden Vernetzung von Autos und der beeindruckenden Technik immer wichtiger.“ Madhat will Autokäufern unter anderem verdeutlichen, dass Internet und Auto zusammenpassen. Regelmäßig ist die Firma auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt vertreten. Auch beim Genfer Automobilsalon war das Offenbacher Team mit sechs Installationen dabei. Doch Weihrauch versichert: „Von klein bis riesig halten sich bei uns Projekte aller Größenordnung die Waage.“ Beispielsweise erzeugt das Unternehmen auch Infoterminals – etwa für Banken.

Geburtsstunde von Madhat war die Expo 2000 in Hannover. Hier schufen die Offenbacher für den Computertechnik-Riesen IBM die Vorzeige-Installation „Planet of Visions“. Seither wuchs das Unternehmen beständig und fährt inzwischen jährlich einen siebenstelligen Eurobetrag Umsatz ein. Die Firma schreibt schwarze Zahlen. Alles andere wäre auch verwunderlich: „Wir bekommen durch Empfehlungen so viele Anfragen, dass wir nicht auf Kundensuche gehen müssen.“ Weihrauch fühlt sich in der Heyne-Fabrik fast in Sichtweise des Hafenviertels sichtlich wohl: „Der Standort hat viel Charme. Es ist nicht so steif hier.“ Das zieht bereits eine Vielzahl anderer Kreativfirmen an. In dieser Hinsicht ist der studierte Medienwissenschaftler mit der Stadt Offenbach und deren Wirtschaftsförderung voll und ganz zufrieden. Vielversprechend findet der Geschäftsführer auch die Nähe zur Hochschule für Gestaltung (HfG). „Für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter ist das sehr gut.“ Mehrere Madhat-Beschäftigte haben einen Abschluss der HfG in der Tasche.

Lederwaren-Messe in Offenbach

Das noch relativ junge Unternehmen mischt in der ganzen Welt mit. Auf allen fünf Kontinenten laufen schließlich Messen – und häufig ist Madhat dabei. Weihrauchs Terminkalender ist entsprechend gut gefüllt. Mitunter geht es bei den Offenbachern turbulent zu, insbesondere vor dem Abschluss von Projekten. „Da gibt es schon stramme letzte Tage.“ Ein Messestart etwa lässt sich nicht verschieben. Da muss das Unternehmen die Frist strikt einhalten. Überhaupt besteht das Gros von Madhats Arbeit aus Projekten. Aber Weihrauch denkt schon weiter: „In Zukunft könnte es auch mehr selbst entwickelte Produkte geben.“ Beispielsweise nutzt das Unternehmen neben klassischen Programmiersprachen mitunter auch hauseigene Software.

Eine Perspektive mit Offenbacher Lokalesprit hat Weihrauch in petto. Das Unternehmen bastelte für den VfL Wolfsburg an einer interaktiven Animation, bei der ein Fan virtuell direkt in der Mannschaftskabine seines Lieblingsvereins sitzt. Spieler kommen rein und gehen, der Fan selbst wird in der Animation förmlich Teil des Mannschaftsgeschehens. Zum Schluss kann der Fan die Aufzeichnung des interaktiven Tricks für sich selbst mit nach Hause nehmen und immer wieder anschauen, wie neben ihm die Fußballstars über Schiedsrichter, den Gegner und zu wenig eigene Tore schimpften. Für Fans der Offenbacher Kickers wäre das ein absoluter Knaller. Was denkt Weihrauch darüber? „Wir wären bereit.“

Rubriklistenbild: © dpa

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