„MännerMusik“ in der Offenbacher Panorama Lounge

Heiliges Blech und Heimatlieder

Offenbach - Zwar wurde in der unter dem Motto „MännerMusik“ stehenden Panorama Lounge im Offenbacher Capitol zuallererst männlicher Superkraft gehuldigt, repräsentiert durch den „Superman March“ von John Williams, doch folgten behaglichere Aspekte. Von Eva Schumann 

„Let Me Entertain You“ sang Bariton Patrick Ruyters in einem Arrangement des Hits von Robbie Williams. Dass der Mann sich gern mit Gleichgesinnten zum Chor verbindet, bezeugte das Ensemble Delicaton Freigericht unter der Leitung von Matthias Schmitt. Zusammen mit seinem Sangesgenossen Christoph Huth gab es William Wahls Song vom Lauch im Stil der Comedian Harmonists zum Besten, und es machte auch bei der Interpretation von Mendelssohns Chorlied „Der Jäger Abschied“ seinem Namen alle Ehre. Weniger idyllisch, aber umso zackiger war die Werbemusik „Automotive Brass“, geschaffen von Wolfgang Simm für eine IAA-Präsentation und nun uraufgeführt in einer symphonischen Version von Frank Heckel.

Nicht nur für das Auto, auch für Spirituosen zeigt der Mann Neigung. Wie schon die im Kloster Benediktbeuren gefundene Anthologie beweist, aus der Carl Orff eine Auswahl von „Carmina burana“ vertont hat. Ruyters mimte mit „Ego sum abbas“ trefflich den trunkenen Abt, Delicaton beschrieb so peppig wie deutlich artikuliert, was „In Taberna“ los war.

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Im zweiten Teil wurde es durchweg ernst und klassisch. „Wahn, Wahn, überall Wahn“ meditierte Ruyters als Hans Sachs im Anschluss ans Vorspiel zum dritten Akt von Wagners „Meistersinger“, unter der Leitung von Steven Lloyd Gonzalez gleichfalls packend dargeboten von der Neuen Philharmonie Frankfurt. Sie widmeten sich auch dem zweiten der von Frank Martin vertonten sechs Monologe aus Hofmannsthals „Jedermann“.

Zum Schluss wurde einem unbekannten Tonschöpfer Reverenz erwiesen: dem 1899 geborenen und 1970 in Frankfurt gestorbenen Albert Jung, der als Kapellmeister in Bad Orb und am Saarländischen Reichssender wirkte. Ein Spätromantiker, wie seine 1968 entstandene Heimatlied-Kantate „Im schönsten Wiesengrunde“ op. 17 zeigte. Wiederentdeckt von Ralph Ziegler, der über Jung seine Magisterarbeit und eine soeben erschienene Monographie schrieb, wurde das Werk nun uraufgeführt. Jung erliegt nicht der Gefahr, das Volkslied in gefühligem Männerchor-Ton zu verarbeiten. Die Strophen und eingefügten Texte sind mit origineller Harmonik komponiert. Ähnlich interessant hörten sich auch die Variationen für Horn und Streichorchester op. 4 an, die der Hornist Harald Pister und die Philharmonie der Kantate voranstellten. Auch in dem 1926 entstandenen Werk zeigte sich die Vorliebe für lebhafte harmonische Wechsel.

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