Neue „Corona-Normalität“ 

Magistrat zieht erste Bilanz der Krise und stellt sich Leserfragen

+
Die Abstandsregeln werden noch für lange Zeit das öffentliche Leben dominieren.

„Es gibt nichts Brutaleres, als sein übliches Verhalten ändern zu müssen – aber Corona zwingt uns dazu. Corona ist eben nicht nach drei Wochen vorüber. “ Es sind deutliche Worte, mit denen Oberbürgermeister Felix Schwenke die aktuelle Lage beschreibt.

Offenbach – Erstmals seit März stellte sich gestern der hauptamtliche Magistrat, bestehend aus OB Schwenke, Bürgermeister Peter Freier und den Stadträten Sabine Groß und Paul-Gerhard Weiß, den Fragen der Presse - natürlich unter Einhaltung des Abstandsgebots.

Das Virus, das betonen die Dezernenten unisono, werde noch lange den Alltag bestimmen. „Im März hatten wir alle die Bilder aus dem Elsass oder Italien mit den vielen Toten vor Augen“, sagt Gesundheitsdezernentin Groß, „den Zusammenbruch unseres Gesundheitssystems konnten wir verhindern. Nun ist es an der Zeit, schrittweise eine neue ‘Corona-Normalität’ wahrzunehmen.“

Zu dieser gehören Abstandsgebot und Hygieneregeln. Bürgermeister Freier lobt, dass sich viele Bürger an die Regeln gehalten haben. Nur vereinzelt und eher zu Beginn der Krise habe das Ordnungsamt etwa bei uneinsichtigen Gastwirten einschreiten müssen.

Finanziell sind die Auswirkungen der Krise kaum abzusehen: Nach der jüngsten Prognose werden statt 77 Millionen Euro nur 53 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen erwartet. „Wir müssen bei den Ausgaben nun vor allem auf den Sozialbereich schauen“, sagt Freier, andere Positionen, etwa im Straßenbau, seien bereits im vergangenen Jahr „heruntergespart“ worden.

Auch für den Schulalltag kündigt sich eine neue Corona-Normalität an: Auf die Schuleingangsuntersuchung werde in diesem Jahr in Offenbach verzichtet, sagt Groß, „andere Kommunen handeln da ähnlich.“

Die Klassen werden noch lange Zeit nur schicht- und tageweise unterrichtet werden können, sagt Schuldezernent Weiß. „Das wird auch nach den Sommerferien so sein“, ergänzt Schwenke. Es gelte nun, sich mit dem neuen Alltag zu arrangieren. Die Öffnung der Schulen erachten die Stadträte für richtig, die Ausbildung der Kinder müsse nun wieder vorankommen.

Auch unsere Leser konnten Fragen an den Magistrat formulieren. Etwa, wer für die Erteilung eines Attests zur Befreiung von der Gesichtsmaskenpflicht zuständig ist. „Mit dem Ministerium wurde eigens vereinbart, dass dafür die Hausärzte zuständig sind“, sagt Groß. Die Gesundheitsämter bieten dies nicht an, ein vom Hausarzt erstelltes Attest habe Gültigkeit.

Viele Leser beschäftigte vor allem die Frage, ob man nun wieder Freunde treffen und was man mit diesen unternehmen dürfe. „In Hessen war im Gegensatz zu anderen Bundesländern immer erlaubt, dass man sich mit einer Person aus einem anderen Haushalt treffen durfte“, sagt Schwenke. Die neue Regelung der Landesregierung sieht vor, dass sich Personen aus zwei unterschiedlichen Haushalten treffen dürfen – ob privat, bei der gemeinsamen Autofahrt oder für eine Fahrradtour. „Sie dürfen auch im Restaurant zusammensitzen, da gilt die Abstandsregel nicht“, sagt er.

Gesundheitsamtschef Bernhard Bornhofen appelliert an die Vernunft der Bürger, die Regelung nicht auszureizen. „Sich mehrfach am Tag mit Leuten aus unterschiedlichen Haushalten zu treffen, wäre kontraproduktiv und erhöht wieder das Ansteckungsrisiko.“

Andere Leser fragten sich, ob alle Gäste in Quarantäne müssen, wenn nach dem Besuch eines Restaurants oder Hotels eine Covid-19-Infektion bei einem Mitarbeiter oder Gast festgestellt wird. „Das Gesundheitsamt fragt sehr genau nach, wer wie lange wie engen Kontakt mit wem hatte“, sagt Bornhofen, „daraus erfolgen dann eine Kategorisierung und später die Entscheidung, wer in Quarantäne muss.“ Einen Automatismus gebe es nicht.

VON FRANK SOMMER

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare