Dem roten Pferd eine Chance

Mallorca-Party zieht rund 350 Schlagerfans an den Schneckenberg

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Um echtes Mallorca- und Ballermann-Feeling zu erleben, darf selbstverständlich der Sangria-Eimer nicht fehlen. „Prost, ihr Säcke“, schallt es in den Rängen.  

Offenbach - Der Ballermann wurde kurzerhand an den Main verlegt – zur großen Mallorca-Party auf dem Schneckenberg. Organisator: der aus dem Offenen Kanal bekannte Filmemacher Andi Bohn. Von David Heisig 

Die einen lieben das Wandern im Frühjahr, die Kultur der Einheimischen, die anderen zieht es an den Ballermann zum hemmungslosen Party-Machen. So oder so: den Besuchern Mallorcas gefällt es auf der spanischen Insel. Da liegt es nicht fern, dass einige die vor allem um El Arenal bekannten Feten auch nach Deutschland exportieren. Oder re-importieren. Sind die Partyorganisatoren doch meistens Deutsche. Auch nach Offenbach soll diese Welle schwappen. Mit der „1. Mallorca Party Am Schneckenberg“. Gefeiert wird auf dem Freigelände des Jugend- und Kulturzentrums mit Bühne, Ständen und Zelten. Strandfeeling inklusive. Organisator ist Andi Bohn, ein breit aufgestellter Offenbacher: Reporter und Filmeschaffender beim Offenen Kanal, Losverkäufer und Manager. Auch beim Supertalent von RTL hat er es schon probiert.

Er ist an Klaus Keller vom Offenbacher Verwaltungs- und Organisationsverein herangetreten, der sich mit anderen Vereinen um das ehemalige Deponiegelände Am Schneckenberg kümmmert. Mit der Idee, eine Mallorca-Party zu machen. „Mein Wunsch ist, das Schneckenberg-Fest wieder zu beleben“, hat dieser zur Auflage gemacht, erzählt Bohn. In der gut dreimonatigen Vorbereitung mussten die auftretenden Stars organisiert werden. Auch eine finanzielle Aufgabe. Bekommt der Stargast des Abends doch mehr als zweitausend Euro Gage. Immerhin soll er Gäste ziehen.

Leute animieren ist ein hartes Brot

Patrick Himmel aus Frankfurt ist seit knapp drei Jahren Schlagerstar. Er tritt früher am Abend auf und liefert Hits zu treibenden Beats. Das Publikum klatscht begeistert und johlt enthusiastisch mit. „Klaus-Dieter, komm mal her“, brüllt Himmel. Der Angesprochene zögert keine Sekunde ob des ihm vorgehaltenen Mikros. „Nanana, schalalala“, singt er furchtlos den Refrain mit. Nicht gerade melodiesicher, das Publikum goutiert es aber mit Applaus. Man merkt es: Leute animieren ist ein hartes Brot. Nicht nur bei schwülem Sommerwetter. Da wird geschäkert und auf Biertischen getanzt. „Du singst nachher in meiner Garderobe“, sagt Patrick Himmel zu einer Dame, die ihm das Mikro entreißen will. Die Antwort auf diese Bemühungen? Das „Prost du Sack“ auf Himmels Zuruf „Prost, ihr Säcke“. Dass das Mikro übersteuert ist, stört im Festzelt niemanden. „I sing a Liad für di“ und „Die diebische Elster“ sind weitere Songs im Programm.

In einer ruhigeren Showminute offenbart Himmel dem Publikum sein Dilemma: Schlager auf Mallorca sei ein „schweres Geschäft“. Er habe seinen Job geschmissen, um auf der Insel Sänger zu werden. Wer da nicht andauernd gute Laune liefern kann, ist schnell weg von der Schlagerbühne. Daher gehe sein Dank an die Fans. Und an Bohn, dem „Usain Bolt von Offenbach“, der den Schlager hoch halte.

In der Tat flitzt Bohn von einem Ende des Geländes zum anderen und versucht, Herr der Party zu bleiben. Mit Hilfe der United Dancers, einer Damen-Tanzgruppe. Rund 320 Karten sind im Vorverkauf und an der Abendkasse weggegangen. 500 Gäste dürften auf das Gelände, betont Mitorganisatorin Jacqueline Froese. So sei es aber gut. Jeder habe Spaß. Partymission erfüllt. Die Bühne wird bespielt von weiteren Künstlern der Szene: Nancy Franck, Melanie und DJ Mike. Stargast des Abends ist Markus Becker. Fans des Genres gut bekannt: Er besingt hustende Regenwürmer, rote Pferde, die sich umdrehen und Bratkartoffeln, die in Dörfern blühen. Auch darf zu späterer Stunde der Song „Atemlos“ von Helene Fischer nicht fehlen. Gibt er doch das weitere Programm vor: durch die Nacht. In diesem Fall tanzen.

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