Offenbach

Operation ohne Krankenkarte: Malteser bieten Notfallpraxis für Menschen ohne Versicherung

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Oberarzt Matthias Zimmer bietet in der Sprechstunde der Malteser ärztliche Beratung für Menschen ohne Krankenversicherung an. 

In Offenbach bietet der Malteser Hilfsdienst eine Notfallpraxis für Menschen ohne Versicherung an.

Offenbach – Die Frage nach der Versicherungskarte gehört normalerweise zum ersten, was Patienten in Arztpraxen nach der Begrüßung hören. Doch was, wenn man über keine Versicherung verfügt? 

Die Schätzungen, wie viele Menschen in Deutschland ohne Krankenversicherungsschutz leben, gehen weit auseinander: Von unter 100. 000 Menschen geht man beim Statistischen Bundesamt aus, der Malteser Hilfsdienst rechnet dagegen vor, dass knapp eine halbe Million Menschen in Deutschland in der Illegalität leben und daher über keine Krankenversicherung verfügen.

Offenbach: Malteser bieten Praxis für Menschen ohne Versicherung

Der Malteser Hilfsdienst ist es auch, der sich bundesweit in Großstädten um diese Menschen kümmert. In insgesamt 20 Großstädten existiert eine Notfallpraxis aus dem Programm „Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ (MMM). In der Region sind dies etwa Frankfurt und Darmstadt, seit April gibt es das Angebot auch in Offenbach.

Mit dem Ketteler-Krankenhaus fand sich ein lokaler Partner, dort werden Räumlichkeiten für die Notfallpraxis zur Verfügung gestellt. Fast ein Jahr Vorarbeit war nötig, um die Praxis zu eröffnen, finanziert sich doch die Hilfe aus Spenden. Sogar Operationen sind durch Spenden und Kooperation unterschiedlicher Praxen und medizinischer Dienstleister möglich.

Offenbach: Viele Patienten ohne Versicherung nehmen das Angebot der Malteser wahr 

Knapp 70 Patienten haben bisher das Angebot der Malteser im Ketteler-Krankenhaus in Offenbach wahrgenommen. Laut Oberarzt Matthias Zimmer sind es zwischen drei und fünf pro Sprechstunde. Frauen würden diese seiner Erfahrung nach öfter aufsuchen als Männer. Wundversorgung, Atemwegs- oder Kreislauferkrankungen seien am häufigsten behandelt worden. Die schwerwiegendsten Fälle seien bisher eine Notoperation an einem Bein durch Arterienverschluss und eine Leukämieerkrankung gewesen. 

Aus anderen Notfallpraxen im Bundesgebiet ist aber bekannt, dass auch gerade Schwangere, die keine Krankernversicherung besitzen, sich an die Ehrenamtlichen wenden. Deren Räume sind im Ketteler klein, aber gut ausgerüstet. „Urige Basismedizin“, sagt Zimmer mit einem Augenzwinkern.

Bischof Peter Kohlgraf weiht die Praxisräume im Ketteler-Krankenhaus. 

Am Freitag (25.10.2019) hat der katholische Bischof Peter Kohlgraf vom Bistum Mainz die Räumlichkeiten der Malteser-Notfallpraxis in Offenbach besichtigt und gesegnet. Für Gabriele Türmer, Koordinatorin der Notfallpraxis, ein wichtiges Zeichen, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen Anerkennung erfährt. Denn Ärzte, Pfleger, Helfer der Notfallpraxis, sie alle versehen ihren Dienst ehrenamtlich. „Ihre Anerkennung gibt uns Kraft und Schwung, in unserer Arbeit weiterzumachen“, sagt Türmer.

Offenbach: Malteser bieten Notfallpraxis für Menschen ohne Versicherung an

Bischof Kohlgraf ebenso wie Koordinatorin Türmer dankten auch allen Unterstützern der Praxis in Offenbach für ihr Engagement: Der Malteser Hilfsdienst kooperiert mit Caritas, Diakonie oder Arbeiterwohlfahrt und der Sozialberatung, um den Menschen aus ihrer prekären Situation zu helfen.

Einen besonderen Dank richten Türmer und Oberbürgermeister Felix Schwenke, der als Schirmherr des Projektes fungiert, an alle Spender. „Ihre Spenden sind für uns mehr als nur materielle Zuwendung. Sie zeigen, dass jeder Einzelne hinter dem Projekt steht.“

Offenbach: Praxis der Malteser für Menschen ohne Versicherung finanziert sich durch Spenden

Auch die im Jahr 2000 von Verleger Dirk Ippen gegründete gemeinnützige Ippen-Stiftung unterstützt die Notfallpraxis: Drei Jahre lang erhält die Praxis jeweils 30 .000 Euro, wodurch der Betrieb gesichert wird.

Wie wichtig die Spenden sind, zeigt eine Rechnung, die das Praxisteam am Freitag aufmacht: So kostet eine stationäre Entbindung in der Regel rund 1500 Euro, eine Operation knapp 600 Euro. Durchschnittlich liegen die Behandlungskosten pro Patient bei ungefähr 100 Euro.

VON FRANK SOMMER UND MARIAN MEIDEL

Mitten im Offenbacher Stadtteil Bürgel entstehen Wohnungen und ein Kulturcafé. Eine weitere Initiative plant in Offenbach ein Wohnprojekt für Kreative.

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