Militärische Geräte 

Mann schmuggelte Kampfjet-Teile von Offenbach aus – Gericht fällt Urteil

Ein Mann aus Offenbach soll mit seiner Firma militärische Geräte gehandelt haben, die auch in Kampfjets verbaut werden können. Ein Gerichte verurteilte ihn nun zu einer Haftstrafe. (Symbolbild)
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Ein Mann aus Offenbach soll mit seiner Firma militärische Geräte gehandelt haben, die auch in Kampfjets verbaut werden können. Ein Gerichte verurteilte ihn nun zu einer Haftstrafe. (Symbolbild)

Ein Mann aus Offenbach soll Teile, die in Kampfjets verbaut werden, nach Deutschland geschmuggelt haben. Jetzt wurde ihm der Prozess gemacht. 

Offenbach – Überraschend schnell ging diese Woche ein Prozess wegen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz nach sieben Verhandlungstagen zu Ende.

Die 18. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt brummte dem nicht vorbestraften Masoud B. dreieinhalb Jahre Haft auf. Nach wochenlangem Schweigen hatte sich der 47-jährige Offenbacher doch noch kurz vor dem Urteil über seine Verteidiger zum Tatvorwurf geäußert – was allerdings nicht zur Aufklärung beitrug.

B. war einer der beiden Geschäftsführer einer Import-Export-Firma in Bieber, die zwischen November 2006 und September 2008 mit Ersatzteilen für militärische Flugkörper gehandelt haben soll. Sein Vater, der zweite Kopf des Unternehmens, bleibt weiterhin abgetaucht, er wird im Nahen Osten vermutet. Dorthin lieferte man per Spedition auch die meist in Malaysia hergestellten, hochwertigen Produkte. Gesamtwert: 760 000 Euro.

Offenbach: „Wusste nicht, dass unsere Waren für Militär bestimmt waren“

„Ich wusste nicht, dass ein Teil unsere Waren für das Militär bestimmt war“, behauptete B. Wenig glaubhaft, fand der Vorsitzende Richter Dr. Mathis Dreher in seiner Urteilsbegründung. Viel zu sehr ins Tagesgeschäft involviert gewesen sei der Angeklagte, als dass diese Menge an Waren unerkannt an ihm vorbei geliefert worden sein könnte. Zeugnis eines Fabels für Technik ist zudem ein abgebrochenes Physikstudium, das der Iraner in seinem Heimatland begonnen hatte. Den ehemaligen Mitarbeitern – zwei Sekretärinnen und ein Lagerist – schenkte die Kammer da weitaus mehr Vertrauen: Diese Zeugen behaupteten ebenfalls, nichts bemerkt zu haben. Was in ihrem Arbeitsfeld aber auch durchaus möglich war.

Von den ursprünglich 23 angeklagten Fällen wurden 16 eingestellt, um das Verfahren nicht ausufern zu lassen. Für die Verurteilung konzentrierte man sich auf die sieben teuersten Lieferungen, für die der sauberste Tatnachweis möglich war. Aufgeflogen war die Schmuggelei am Frankfurter Flughafen. Dort packte der Zoll am 10. September 2008 zehn Alu-Profile im Wert von 10 000 Euro aus – und staunte nicht schlecht: Die Teile konnten ohne Weiteres in Trägersysteme für Atomwaffen verbaut werden.

Offenbach: Teile für Überschall-Kampfjet unter harmlosen Namen verschifft

Um die Teile mit den harmlosen englischen Namen „Oil Press Indicator“, „Wire Rope Assemblies“, „Nose Landing Gear“ oder „Converter Liquid“ als militärtauglich zu bestimmen, wurde ein Mitarbeiter des Bundesamts für Ausfuhrkontrolle (BAFA) und ein Bundeswehrexperte zur Aussage geladen. Deren Ergebnis: Ein eindeutiges Ja. Die 256 Produkte passen tatsächlich in den Transportflieger Lockheed C-130, die Boeing C-135 Stratolifter, den Kranhubschrauber Sikorsky S64 oder in Überschallkampfjets wie die Grumman F-14 Tomcat oder die McDonnell F-4 Phantom.

Staatsanwalt Sebastian Müller hatte für den Iraner eine geringfügig höhere Haftstrafe von vier Jahren gefordert. Die Verteidigung forderte Freispruch – sie berief sich auf das „keine Ahnung“ ihres Mandanten. Ob sie in Revision geht, ist noch nicht entschieden.

Dass der Prozess erst über zehn Jahre nach der letzten Straftat begann, hat B. seiner bis letztes Jahr erfolgreichen Flucht zu verdanken. Erst im Dezember 2018 wurde der per internationalem Haftbefehl Gesuchte in Rom festgenommen.

VON SILKE GELHAUSEN

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