Verbesserungen geplant

Ärger mit der S-Bahn-Station Marktplatz: Nur auf den ersten Blick sauber

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Samstagabend eine Stunde vor Mitternacht: Ein letzter Rundgang zur Beseitigung der Hinterlassenschaften der Nachtschwärmer. 

Sie ist einer der am stärksten frequentierten Punkte der Stadt und sollte zugleich eine ihrer Visitenkarten sein: die S-Bahn-Station Marktplatz. Ärger gibt es regelmäßig über Sauberkeit und technische Mängel. Eine Bestandsaufnahme von Matthias Müller, Ex-Stadtsprecher und passionierter Bahnfahrer.

  • Die Haltestelle Offenbach Marktplatz sorgt immer wieder für Ärger
  • Grund sind mangelnde Sauberkeit und technische Mängel
  • An der S-Bahn-Station sind Verbesserungen geplant

Offenbach – Samstagabend, zwei Stunden vor Mitternacht, S-Bahn-Station Marktplatz: Auf dem Programm der meist jugendlichen Cliquen steht ein schnelles Vorglühen. Alkohol in den angesagten Frankfurter Szenetreffs ist teuer. Dank Dosenpfand und Flaschensammlern muss die Putzkolonne gegen 23 Uhr nur noch wenige achtlos weggeworfene Pizzakartons und Flachmänner aufpicken. Das Schmuddelwetter zwei Tage zuvor zur morgendlichen Rushhour war dagegen eine Herausforderung für die Bahnhofspfleger. 36 000 Menschen, soviel wie in einer Kleinstadt wohnen, nutzen täglich die Haltestelle Marktplatz. An ihren Schuhen klebt im Winter oft Matsch, im Sommer fast immer Staub.

Offenbach Marktplatz: Kontrollen werden dokumentiert

Verantwortlich für den täglichen Hausputz in den riesigen Hallen ist „Station und Service“, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG. Eine echte Mammutaufgabe: Jeweils 210 Meter lang sind Bahnsteige, an ihren Enden führen breite Treppen, Aufzüge und Rollsteige über ausladende Zwischenebenen ins Freie. Nicht nur die Fahrgäste sondern auch das Offenbacher Rathaus erwarten auf dem Areal von der Größe eines Fußballfeldes gefeudelte Fußböden, geleerte Papierkörbe und graffitifreie Wände. Bei der Ankunft zählt der erste Eindruck. S-Bahn-Stationen sind eine Visitenkarte für eine Stadt.

Anlass zur Kritik an der Pflege gab es in den vergangenen Jahren häufig. Die Stadt habe, so ihr Sprecher Fabian El Cheikh, die Deutsche Bahn immer wieder auf eine mangelhafte Reinigung hingewiesen. Die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) dokumentierten ihre vierteljährlichen Kontrollen. Die gesammelten Daten und Bilder sowie aktuelle Beschwerden von Bürgern und Hinweise aus dem Mängelmelder erhalte das Qualitätsmanagement des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), der selbst regelmäßig die Einhaltung der Standards kontrolliert. Häufige Beschwerden der Fahrgäste sind verstreute Essensreste und klebrige Dreckecken. Die Unterlagen reicht die Offenbacher Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) auch direkt an die Deutschen Bahn weiter.

Wo per Hand gereinigt wird, bleibt oft Dreck zurück. Rechts: Vermüllung an einem beliebten und zentralen Treffpunkt.

Um die Reaktion des Verkehrsunternehmens auf Missstände zu stimulieren und die Einhaltung von Reinheitsstandards zu verifizieren, hat Groß mit den OVB eine Gesprächsrunde mit der Bahn initiiert. Im kommenden Monat werden der RMV sowie das Ordnungs- und Bauamt der Stadt in die Besprechung einbezogen, um die „Abstimmungsstrukturen auf den Prüfstand zu stellen“, wie es heißt.

Offenbach Marktplatz: Bahn bemüht sich um Nachbesserungen

Die Bahn scheint um Nachbesserungen bemüht. Die Fußbodenplatten werden heute in den unterirdischen Stationen zweimal täglich gewienert, einmal sogar nass. Am Marktplatz hat die Bahn das Volumen der Papierkörbe verdoppelt. Zweimal in der Woche wischt die Kolonne die Schlieren von den Vitrinen, Graffiti auf den Wandverkleidungen sollen einmal im Monat entfernt werden. 

Die herabhängenden Lichtleisten und das Glasdach über dem Aufgang, jahrelang stiefmütterlich vernachlässigt, werden regelmäßig von Hinterlassenschaften der Tauben befreit. Mitarbeiter, so eine Sprecherin der Bahn, kontrollierten die Einhaltung der gesetzten Standards. 350 000 Euro jährlich lässt sich „Stationen und Service“ nach Angaben der Stadt Offenbach die Reinigung der Offenbacher S-Bahnhöfe kosten. Insgesamt, so die Bahnsprecherin, gibt das Unternehmen für die Sauberkeit der Stationen rund um Frankfurt zwei Millionen jährlich aus.

Das Ergebnis all der Anstrengungen: Offenbachs Bahnhöfe wirken heute auf den ersten Blick sauber, zumindest die Flächen, auf denen sogenannte Steuersaugmaschinen frei rangieren können. Überall dort wo Handarbeit gefragt ist, ist eine gewisse Großzügigkeit nicht zu übersehen.

Offenbach Marktplatz: Problemzone Treppen

Eine Problemzone sind die Treppen. In den Rinnen neben den Stufen klebt insbesondere an der Station Marktplatz tagelang der Schmutz. Darüber sind über den Boden zahllose Kippen verstreut. Unbeanstandet von wartenden Kontrolleuren hat sich hier eine inoffizielle Raucherecke etabliert. Unter den frei schwebenden Aufgängen lässt sich der Radius der Putzmaschinen an den Dreckrändern erkennen.

Werden am Marktplatz Graffiti noch regelmäßig beseitigt, prägen sie das Bild der Seitenausgänge der Stationen „Ledermuseum“ und „Kaiserlei“. Den Anlagen dort widmet die Bahn offenbar geringere Aufmerksamkeit. Die Aushänge, Werbetafeln und Verkaufsautomaten sind verschmiert, aus den Ritzen der Waschbetonplatten wächst Unkraut.

Partiell positiv ist dagegen die Entwicklung an den oberirdischen Stationen. Längst vorbei sind die Zeiten als rund um „Offenbach-Ost“ Papier und Dosen den Schotter verdeckten. Während sich die Bahnhöfe Bieber und Waldhof in einem durchaus ansehnlichem Zustand präsentieren, gibt es in Offenbach-Ost aber auch Handlungsbedarf für ein Mehr an Sauberkeit. Besonders ärgerlich: Eltern mit Kinderwägen, Menschen mit Behinderung oder Senioren mit Rollator müssen am Eingang zum Aufzug durch ein Gebirge en Miniature von Taubenkot balancieren.

Offenbach Marktplatz: Bauliche Aufwertung versprochen

Für die Station Offenbach Marktplatz verspricht die Bahn eine bauliche Aufwertung und Investitionen in Qualität und Sauberkeit. Neue Wartemöbel werden noch in diesem Jahr aufgestellt. „Damit sich die Reisenden wohler fühlen“, hängen jetzt auch Spiegel an der besser beleuchteten Decke. Über die Frage, ob die reflektierenden Scheiben vielleicht auch die Putzmänner beim Aufspüren von Dreckecken unterstützen sollen, kann der Reisende freilich nur spekulieren.

Von Matthias Müller

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