1. Startseite
  2. Offenbach

Offenbach: Marode Gebäude auf dem Neuen Friedhof: Mehr als ein Sanierungsfall

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Matthias Dahmer

Kommentare

Ehemalige Sanitärräume für Mitarbeiter müssen als Abstellkammer genutzt werden (rechts). Auch die Technik im Keller, wo der Putz bröckelt, ist in die Jahre gekommen.
Ehemalige Sanitärräume für Mitarbeiter müssen als Abstellkammer genutzt werden (rechts). Auch die Technik im Keller, wo der Putz bröckelt, ist in die Jahre gekommen. © p

Nach der teils harrschen Kritik am geplanten Neubau der Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof gehen Stadt und ESO in die Offensive.

Offenbach – Bei einem Ortstermin machen sie gestern deutlich, wie marode die 1968 errichtete Halle ist und welche Veränderungen sich durch einen Neubau ergeben würden.

Ob Sozialräume, Technikbereich fürs Krematorium oder Trauerhalle – an allen Ecken und Enden des Gebäudeensembles am Eingang des Friedhofs zeigen sich Wasserschäden, schimmelt es, bröckelt der Putz von den Wänden, funktioniert vieles nicht mehr so, wie es einst gedacht war.

„Natürlich versuchen wir besonders im Trauerbereich, die jeweiligen Schäden so gut es geht zu beheben oder zu kaschieren“, sagt ESO-Chef Peter Walther. Doch das ändert für ihn nichts am Grundproblem: An der Immobilie hat der Zahn der Zeit genagt, die einzelnen Funktionsbereiche sind nicht klar getrennt, es mangelt an Barrierefreiheit.

Peter Walther und Dezernent Peter Freier: Sanierung der Trauerhalle eigentlich keine Option mehr

Eine Sanierung der Trauerhalle ist nach Einschätzung von Peter Walther und Dezernent Peter Freier deshalb eigentlich keine Option mehr. Das sei zwar durchgerechnet worden, komme mit veranschlagten 2,5 Millionen Euro auf den ersten Blick auch günstiger als die 3,3 Millionen, die ein Neubau samt Außenanlage kosten würde. Walther betont aber: „Doch wir hätten dabei das erhebliche Risiko unvorhersehbarer Kosten.“

null
© p

Für Kämmerer Peter Freier kommt hinzu: Die Benutzungsgebühren würden so oder so steigen. Er betont, auch die Kosten für einen Hallen-Neubau, der inklusive einer Sanierung des Krematoriums wie berichtet auf 4,6 Millionen Euro veranschlagt wird, würden letztlich durch die Gebühren gedeckelt. „Es darf auch künftig nicht teurer sein, als in den umliegenden Kommunen,“ so Freier. Nach den bisherigen Berechnungen steigt die Gebühr für die Nutzung der Trauerhalle (30 Minuten) von derzeit 194 Euro auf etwa 250 Euro.

Die Neubau-Pläne sehen eine ebenerdige Trauerhalle vor, die mit 140 Sitzplätzen wesentlich kleiner als die Bisherige wäre, die über 260 Plätze verfügt. Die Hallenfläche würde von 718 auf 206 Quadratmeter schrumpfen. „Die Trauerhalle ist mittlerweile für 95 Prozent der Feiern zu groß“, sagt Peter Walther.

Verfall an allen Ecken und Enden – Undichte Dächer, teure Beheizung

Gabriele Schreiber, Leiterin des 1939 angelegten Friedhofs an der Mühlheimer Straße, und Werner Hornof, technischer Leiter des Krematoriums, zeigen beim Rundgang Details des Verfalls: Von den vier Duschen für die Mitarbeiter funktioniert nur eine, ebenso wie in den Umkleiden zeigen sich Feuchtigkeitsschäden. Sowohl im kleinen Trauerraum als auch in der großen Trauerhalle ist das Dach undicht. „Das Wasser läuft bei starkem Regen in Strömen die Wände herunter“, berichtet Hornof. Er deutet zudem auf den Notausgang, der zu einer schmalen Wendeltreppe führt, die im Fall des Falles für Ältere nur schwer nutzbar wäre.

Gabriele Schreiber steht vor dem Aufzug, der die Särge bei einer Trauerfeier vom Erdgeschoss nach oben hievt. Mehr als 30000 Euro habe man da nach einem Defekt reinstecken müssen, der Hersteller existiere nicht mehr. Jährlich 10000 Euro Energiekosten verschlingt die elektrische Beheizung der Rampe am hinteren Eingang der Trauerhalle. Bei 16 Prozent Gefälle sei das ab fünf Grad Celsius und kälter Pflicht, Salzstreuung verbiete sich wegen der Stahlbetonkonstruktion, erläutert Hornof. Bei einer ebenerdigen neuen Trauerhalle wären alle diese Kosten kein Thema.

Lesen Sie auch: Auf einem Friedhof in Offenbach sind die Gräber von acht Opfer des Ersten Weltkriegs geschändet worden

Sonderproblematik: Glasfenster des Offenbacher Künstlers Bernd Rosenheim

Eine Sonderproblematik stellen die Glasfenster des Offenbacher Künstlers Bernd Rosenheim dar, welche nicht nur die große Tür zur Rampe und den Eingangsbereich zieren, sondern auch als umlaufendes Band unterhalb das Daches die gesamte Halle schmücken. Was mit ihnen geschehen soll, ist noch nicht klar. Sicher ist nur: In einen Neubau wären sie nicht zu integrieren. „Wir wollten das in einem Gespräch mit Bernd Rosenheim klären, leider ist uns die SPD zuvorgekommen“, bedauert Walther. Die Sozialdemokraten hatten im Zuge der vehementen Ablehnung eines Neubaus Rosenheim mobilisiert, der nun androht, gerichtlich gegen eine mögliche Deinstallation seiner Kunstwerke vorzugehen.

null
© p

Verwundert und überrascht zeigen sich Freier und Walther darüber, wie die SPD bei dem Thema agiert. In der ESO-Betriebskommission, in der auch drei Vertreter der SPD sitzen, sei das bisherige Konzept, wonach ein Neubau geplant ist, einstimmig gut geheißen worden. Allen Kommissionsmitgliedern sei klar, dass Handlungsbedarf bestehe.

Was den Zeitplan für das Vorhaben angeht, soll Ende des Sommers eine Art Bürgerbeteiligung stattfinden. Bis dahin will man konkretere Pläne für das Aussehen des Neubaus vorlegen, die zur Diskussion gestellt würden. „Unser Ziel ist eine Trauerhalle für alle Offenbacher, die auch angenommen wird“, sagt Peter Walther.

VON MATTHIAS DAHMER

Auch interessant

Kommentare