Rumänisch-orthodoxe Kirche an ihren Grenzen

4000 Menschen und keine Toilette - Müll und Unrat nach dem Wahl-Chaos

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Am Morgen nach der Europawahl ist das Gelände an der Backstraße vermüllt und in einem wüsten Zustand.

Nach dem Wahl-Chaos vor der Rumänisch-orthodoxen Kirche macht die Backstraße in Offenbach einen verwüsteten Eindruck. 

Offenbach – Zigarettenkippen, Abfall und Urinpfützen – am Morgen nach der Europawahl macht das Gelände der Rumänisch-orthodoxen Gemeinde an der Backstraße einen verwüsteten Eindruck. 

Wie berichtet, haben dort am Sonntag mehrere Tausend in der Region lebende Rumänen gewartet, um im Wahllokal ihre Stimme abgeben zu können.

Dabei waren jedoch nicht nur Wahlkabinen eine Rarität – der zentrale Wahlausschuss in Bukarest hatte lediglich sechs genehmigt –, auch nach Toiletten sahen sich die insgesamt knapp 4000 Wartenden lange Zeit vergeblich um. Das Resultat fasst ein Nachbar am nächsten Morgen zusammen: „Der ganze Platz riecht wie eine Bahnhofstoilette.“

Feuerwehr und Rettungswagen standen bereit

Gegen 18.45 Uhr installiert die Feuerwehr, die sich vorher schon mit zwei Rettungswagen und einem Versorgungszug um die Wahlwilligen kümmert, am Sonntag eine Toilettenanlage. Bügelt sie damit eine Fehlplanung der Organisatoren aus?

„Wir haben in der Kirche ja eigentlich Toiletten“, erklärt Ionut Plenz, Geschäftsführer der Orthodoxen Diakonie und Mit-Organisator der Wahl. „Am Nachmittag hat die Polizei aber entschieden, die ganze Kirche zuzumachen, da immer mehr Leute drinnen auf die Toilette gegangen sind und dann nicht auf dem offiziellen Weg nach draußen kamen, sondern gleich drin geblieben sind.“ Die Verantwortung für Logistik und Organisation liege zudem nicht bei der Gemeinde, sondern beim rumänischen Konsulat.

„Wir haben im Grunde nur mit den Parteien und Kirchen zusammen ein Anforderungsschreiben für eine Wahlstation an die Botschaft gerichtet.“ Den Rest mache das Konsulat. „Sogar der Wahlleiter muss immer ein Konsul sein.“

Wahllokal hatte kurzfristig bis 21 Uhr auf

Nach der zwischenzeitlich geäußerten Absicht, das Wahllokal in der Kirche wegen des enormen Andrangs eine Stunde länger, also bis 22 Uhr, geöffnet zu lassen, entschied die Oberste Wahlkommission Plenz zufolge kurzfristig, doch bereits um 21 Uhr die Tore zu schließen. Etwa 1500 Personen habe die Polizei dann nach Hause schicken müssen. Etwa 50 Beamte seien dafür im Einsatz gewesen. „Die Leute waren sehr frustriert und haben auch etwas Stress gemacht, aber es gab keine Vorfälle.“ Lediglich einen Fall von Sachbeschädigung an einem Auto habe es gegeben.

Bei der Europa-Wahl stimmten die Rumänen auch über ein Referendum ab, das zum Ziel hatte, korrupte Amtspersonen konsequent zu bestrafen. Insgesamt waren in Offenbach Ionut Plenz zufolge 1812 gültige Wähler beteiligt. Sie stimmten mit einer überwältigenden Mehrheit von mehr als 95 Prozent für das Anti-Korruptions-Referendum.

VON MARIAN MEIDEL

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