Den Donut zum Kreppel machen

Masterplan Offenbach: Ein Campus, fünf Hochhäuser und neue Radwege

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Lebhaft diskutiert wurde ums Zukunftskonzept für die Innenstadt.

Auch vier Jahre nach Aufstellung des Masterplans ist das Interesse an den Leitplanken zur Stadtentwicklung bis 2030 ungebrochen.

Offenbach – Mehr als 100 Besucher waren am Mittwochabend einer Einladung in die Räume der IHK gefolgt, wo es die jährliche Übersicht zum Stand der Dinge gab.

Dass durch das rasante Wachstum der Stadt einige der einst formulierten Ziele so nicht mehr haltbar sind, machte Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß in seiner Begrüßung deutlich. Der Masterplan sei kein starres Gebilde, sondern ein dynamischer Prozess, in den der Bürger einbezogen werde, so Weiß, der zugleich die Anwesenden ermunterte: „Bleiben Sie dran“.

Offenbach: Stadt soll sich verändern

Als „Masterplan im Masterplan“ bezeichnete der Dezernent das Zukunftskonzept für die Innenstadt. Die Vorschläge, mit denen der Verödung der City entgegengewirkt werden soll, seien ambitioniert. Nachdem es mittlerweile zahlreiche Ideen gebe, stelle sich nun die Frage, wie das Ganze finanziert werden könne.

Tatsächlich lässt beim Zukunftskonzept die Phase der Umsetzung noch auf sich warten. Bei einer auf lebhaftes Interesse stoßenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass die beauftragten Konzeptmacher vom Planungsbüro Urbanista über die Ideensammlung noch nicht hinaus gekommen sind. Immerhin konnte verkündet werden, dass städtischerseits nun eine Art Trägergesellschaft gegründet werden müsse, die sich um die Umsetzung kümmert.

Offenbach: Mehr Wege für Fahrradfahrer

Fast ebenso so groß war die Resonanz auf ein weiteres Diskussionsthema: die Fahrradstraßen. Bemängelt wurde unter anderem, dass das Konzept nach wie vor von den Verkehrsteilnehmern nicht verstanden und von Autofahrern ignoriert werde, was Unfälle mit Radlern auf der Senefelder-Teststrecke belegten. Den städtischen Planern fiel dazu nicht mehr als das, was sie seit Monaten als Gegenrezept ankündigen: mehr Kontrollen.

Zuvor hatten Simon Valerius, Chef des Stadtplanungsamts, Birgitt Möbus von der Wirtschaftsförderung und Frank Achenbach vom IHK-Verein „Offenbach offensiv“ eine Übersicht über den Stand der Dinge bei den zehn Schlüsselprojekten zum Masterplan gegeben. Die wesentlichen Entwicklungen:

  • Für Vernetzung und Aufwertung der Grünräume stehen dank eines Förderprogramms für die nächsten zehn Jahre 19 Millionen Euro zur Verfügung. Insgesamt sind 20 Einzelmaßnahmen vorgesehen. Gestartet wurde bereits mit der Sanierung des Dreieichparks.
  • Bei der Aufwertung der Innenstadt setzt man auf das Zukunftskonzept mit einer Nutzungsmischung in der City, hybriden Orte als Keimzellen des Wandels und neuen Veranstaltungen und Zielgruppen. Offenbach, das derzeit mit seinen boomenden Rändern und einer wenig attraktiven Innenstadt einem Donut gleiche, müsse zum Kreppel gemacht werden, formulierte Achenbach.
  • Der Kaiserlei ist auf dem Weg zum Dienstleistungspark mit einem Nutzungsmix, der auch Freizeitflächen beinhalte. Es gibt zahlreiche Anfragen von Investoren. Es sollen fünf neue Hochhäuser entstehen.
  • Auf dem 21,5 Hektar großen Allessa-Areal, das die Stadt von Clariant kaufen will, soll bis 2030 und mit 15 Millionen Euro Fördergeld ein Innovationscampus (sechs verschiedene Gewerbe-, Dienstleistungs- und Büroquartiere) mit einer noch nicht genau festgelegten Anbindung der Mühlheimer Straße an die B 448 entstehen.
  • Bis 2021 werden neun Kilometer Fahrradstraßen und sechs Fahrradachsen auch in Umland geschaffen.
  • Insgesamt gibt es noch drei Baugebiete in unterschiedlichen Entwicklungsstadien: Bieber-Nord (920 Wohneinheiten auf 12,4 Hektar), Bürgel-Ost (430 WE auf 9,7 Hektar) und als „letzte Wohnbau-Reserve“, so Valerius, Bieber Waldhof-West (600 WE auf 12 Hektar).

VON MATTHIAS DAHMER

Auf dem ehemaligen Clariant-Gelände in Offenbach soll nun ein riesiges Gewerbegebiet entstehen. Bis die Stadt davon profitiert, wird aber noch Zeit vergehen.

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