Jedes Jahr mehr Besucher

Mathildenplatzfest bringt Bewohner des Viertels zusammen

Der Verein „Bulgaren in Offenbach“ zeigt eine lebensfrohe Darbietung landestypischer Volkstänze.  (c)Foto: Georg

Offenbach - Zum elften Mal veranstalteten der Runde Tisch und das Quartiersmanagement Mathildenviertel ihr Mathildenplatzfest. Bereits vor offiziellem Beginn sind bei sommerlichen Temperaturen hunderte Besucher gekommen, im Laufe des Tages werden es an die 1000. Von Tonia Hysky 

Schon von Weitem weht der Duft von deftigem Grillgut in die Nase, über den Baumwipfeln sieht man die Spitzen der großen Hüpfburg wackeln. Auf dem Mathildenplatz sind Pavillons aufgebaut. Quartiersmanager Marcus Schenk schaut prüfend über den Platz. Er zog 2009 nach Offenbach und wohnt selbst im Mathildenviertel. Er mag „das Gemischte, die Diversität“, das Zusammenleben im Viertel klappe.

Zwar gebe es Probleme und die ein oder andere nächtliche Ruhestörung. Aber: „Verglichen mit anderen Städten ist es in Offenbachs Innenstadt sehr ruhig“, findet er. Es gebe keine Monokulturen, an denen einzelne Nationalitäten auf einem Fleck zusammenwohnten. „Das ist die typische Offenbacher Vernetztheit in der Vielfalt. Das Fest gibt den Bewohnern ein Gefühl der Zusammengehörigkeit“, lobt Bürgermeister Peter Schneider. Auch Matthias Schulze-Böing, Leiter des kommunalen Jobcenters Mainarbeit, ist sich sicher: „Das Fest ist eine Institution in diesem Viertel.“ Es würde mit jedem Jahr besser angenommen, selbst bei schlechtem Wetter.

Offenbacher Woche 2015: Fotos

Das Ziel ist laut Schenk, einmal im Jahr alle aus dem Viertel zusammenzubringen: „Ein Fest vom Viertel für das Viertel.“ Wenn alle an einem Strang ziehen, könnten auch die Kosten minimiert werden. „Die Musikanlage ausgenommen haben wir für die Organisation keine 100 Euro ausgegeben“, ist Schenk stolz. Alle Beteiligten tragen etwas bei, sei es kulinarisch oder kulturell. Der Familienverein Zion gibt mit Groß und Klein ein Trommelkonzert, die Mexikaner verkaufen pikante Teigtaschen. Der Verein „Bulgaren in Offenbach“ , der die Räume des Stadtteilbüros nutzt, hat beides im Angebot: Am Stand versorgen Mitglieder die Besucher mit Kebaptscheta – gegrillten Hackfleischwürstchen – und anderen Spezialitäten. Auf Bühne und Wiese tanzen Männer und Frauen des Vereins zu Musik und Livegesang bulgarische Folkloretänze in ihren rot-weißen Trachten.

Künstlermarkt auf dem Wilhelmsplatz

Der Verein sei sehr wichtig für die Bulgaren in Offenbach, sagt Eleonora Hristova. „Wenn sie hier ihre Kultur leben können und Freunde treffen, ist das Leben einfach erfüllter.“ Die Öffnung nach außen sei wichtig und werde von allen Seiten gut angenommen. Auch alte Offenbacher sind dabei, wie die Seniorin Jahrgang 1932. Schon 1965 wohnte sie am Mathildenplatz, ihre Tochter lernte auf dem Pflaster des Viertels das Laufen. „Da gab es noch die Straßenbahn und den O-Bus“, schwelgt sie in Erinnerungen an diese Zeit.

Den pakistanischen Stand betreut Nazli Quereshi. Zwar wohnt sie nicht im Viertel, aber „als Offenbacher hat man ja überall Bezug.“ Am Stand können sich Besucher die Haut mit kunstvollen Henna-Tattoos verzieren lassen. „Aber das macht meine Tochter, die hat eine ruhige Hand. Ich bin da nicht so geübt.“, schmunzelt Quereshi. Für Schenk ist das FestSinnbild dafür, was das Viertel und die Stadt Offenbach ausmacht. Die Welt sei zwar nicht immer in Ordnung, aber das Zusammenleben klappe. Eben dies zu fördern, hat er sich mit seinem Team auf die Fahne geschrieben.

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