Ende eines Schandflecks

Neubauprojekt mit Wohnanlage statt Brache

Offenbach - Hügel aus Erde und Schutt türmen sich auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Friedel. Die alten Firmengebäude an der Ecke Mathilden- und Gerberstraße sind abgerissen. Nach Jahren einer Brache im Zentrum Offenbachs geht es voran. Von Veronika Szeherova

Gestern war Spatenstich für den Neubau einer fünfgeschossigen Anlage mit 47 Wohnungen und einem Lebensmittelmarkt.

Die Schoofs Immobilien GmbH aus Neu-Isenburg erwarb das etwa 6000 Quadratmeter große Gelände in den vergangenen Jahren in mehreren Zügen. Lange Zeit waren die Besitzverhältnisse unklar, nachdem das Autohaus Friedel, das dort VW und Audi verkaufte, 1997 in Konkurs gegangen war. Das Gelände verwahrloste seitdem zusehends, wurde zum illegalen Altauto- und Mülllager. Auch Obdachlose nutzten die verfallenen Hallen als behelfsmäßige Unterkunft. „Es war viel Volk, das da genächtigt hat“, seufzt eine Nachbarin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die alteingesessene Offenbacherin wohnt an der Bieberer Straße mit Blick auf das Friedel-Gelände. „Der Schandfleck war nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar.“ Sie und ihre Familie sind zum Spatenstich gekommen, um zu erfahren, was dort geschieht: „Man ist ja auf alles gefasst. Wir erhoffen uns natürlich eine Aufwertung des Viertels.“

„Qualitätsverbesserung im Mathildenviertel“

Davon ist Oberbürgemeister Horst Schneider überzeugt. Er sieht in dem Projekt „eine Quartierentwicklung, wie sie besser gar nicht geht, eine große Qualitätsverbesserung im Mathildenviertel“. Wenn Offenbach in der Metropolregion zukunftsfähig bleiben wolle, müsse es sich aus dem Stadtkern heraus entwickeln. „Dazu gehört es, Brachen zu beseitigen.“ Er hoffe, dass die unansehnliche Brandmauer bald Vergangenheit sein werde.

Als „Karree 17“ vermarktet die Firma Schoofs die „generationsübergreifend“ und „multikulturell“ konzipierte Wohnanlage. Die Nähe zum Kindergarten, zur Schule und vielen Einkaufsmöglichkeiten soll Menschen ansprechen, die die Nähe zur Innenstadt schätzen – von Studenten und jungen Paaren über Familien mit Kindern bis zu Senioren. Alle Wohnungen sind barrierefrei, einige behindertengerecht, mit einer Größe zwischen 47 Quadratmetern fürs Ein-Zimmer-Apartment und knapp 150 Quadratmeter für eine Sechs-Zimmer-Wohnung. Jeder Typ ist nach einer Stadt benannt, wie Rio, Ankara oder Beirut. Die Preise pro Quadratmeter liegen bei 2700 bis 2800 Euro. Für den Vertrieb der Eigentumswohnungen ist die Höser und Peter GbR zuständig, die unter der Dachmarke LBS arbeitet. Finanzierungspartner ist die Sparkasse Langen-Seligenstadt.

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„Es ist eine gute Mischung aus Handel und Wohnen“, sagt Schoofs-Geschäftsführer Mohamed Younis und stellt klar: „Das Projekt war nur möglich durch die Ansiedelung von Rewe.“ Markt und Café sollen über gesonderte Eingänge verfügen. Zudem ist eine Tiefgarage mit mehr als 125 Stellplätzen vorgesehen, die mit vier Aufzügen erschlossen werden. Fertigstellung ist voraussichtlich im August 2014. Die Stadt hat eine Teilfläche des Geländes erworben und möchte diese als Parkanlage und Spielplatz für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Weitere Informationen: www.karree17.de

„Auf den Spielplatz freue ich mich“, sagt die Nachbarin, „ich habe ein zweijähriges Kind.“ Sie hoffe nur, dass es dort nicht wieder zu der nächtlichen Nutzung komme, wie sie auf dem Friedel-Gelände lange üblich war.

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