Imagewandel

Gewerbe im Offenbacher Hafenviertel: Jetzt wird's teuer

Das ehemalige Mercedesgelände in der Daimlerstraße (oben) hat eine Nachnutzung erfahren. In der Innenstadt ist der Leerstand nahezu unverändert, etwa am westlichen Eingang zur Fußgängerzone. FotoS: Sommer

Der Hafen ist bebaut, das Areal am Kaiserlei erhält international Aufmerksamkeit. Der jüngste Flächenreport der Stadt weist steigende Mieten für Büro- und Gewerbeflächen aus. „Es geht aufwärts“, attestiert Oberbürgermeister Felix Schwenke.

Offenbach – Die Stadt wächst, für immer mehr Menschen wird Offenbach als Wohnort beliebt. Doch auch als Wirtschaftsstandort gewinnt die Stadt wieder an Bedeutung, wie ein Blick in den am Mittwoch von Oberbürgermeister und Wirtschaftsförderungsdezernent Felix Schwenke (SPD) vorgelegten Flächenreport zeigt.

Der Strukturwandel hatte der Stadt lange zugesetzt, große Industrieunternehmen wanderten bereits vor Jahrzehnten ab. Mit ihnen verschwanden nicht nur wertvolle Arbeitsplätze, sondern auch die dringend benötigten Gewerbesteuereinnahmen.

Offenbach: Mieten steigen jetzt auch fürs Gewerbe

Für lauten Jubel gebe es noch keinen Anlass, sagt Schwenke, aber dennoch zeige der Flächenreport, dass Offenbachs Bedeutung als Gewerbestandort wachse. Wichtigster Indikator dafür ist der Mietpreis: Während im Bereich Wohnen steigende Mietpreise inzwischen gesellschaftlich eine negative Beurteilung erfahren, gelten steigende Quadratmeterpreise im Büro- und Gewerbesektor als wichtiges Indiz für die Beliebtheit eines Standorts.

Lagen die Mieten für Büroflächen im Bereich Kaiserlei und Innenstadt im Jahr 2013 noch durchschnittlich bei neun beziehungsweise acht Euro pro Quadratmeter, beträgt die Durchschnittsmiete am Kaiserlei in diesem Jahr 11,50 Euro (Innenstadt: 10,50 Euro) pro Quadratmeter. Am günstigsten ist die Büromiete im Durchschnitt in Bieber und Waldhof mit sieben Euro pro Quadratmeter (2013 noch sechs Euro).

Offenbach: Gestiegene Mieten wirken sich positiv aus

„Am Kaiserlei wird allerdings aktuell viel gebaut – im kommenden Jahr werden dann verschiedene Unternehmen dort eröffnen. Und dann sprechen wir von deutlich höheren Durchschnittsmieten als 11,50 Euro“, sagt Schwenke. So würden etwa für den Neubau der Axa-Gruppe wesentlich höhere Preise fällig. Preise, die sich nicht nur bezogen auf den Standort Kaiserlei positiv für Offenbachs Image als Wirtschaftsstandort auswirken.

Im Flächenreport heißt es dazu: „Auch die bereits stattgefunden Eigentümerwechsel einiger hochwertiger Objekte im Kaiserlei tragen dazu bei, dass der Kaiserlei weiterhin an Qualität und Attraktivität gewinnt. Die neuen Eigentümer führen die hochwertige Vermarktung der Objekte fort.“

Erst kürzlich haben die Stadtverordneten in ihrer Septembersitzung einen Bebauungsplan für einen Teil des Kaiserlei-Areals beschlossen, um so den Bau neuer Bürogebäude zu fördern. Bis zu fünf Hochhausstandorte von je 110 Metern Höhe sind am Kaiserlei laut Plan gestattet, außerdem weitere Gebäude mit bis zu 60 Metern Höhe. Eine Wohnbebauung des Areals , wie sie einzig die Linke in der Stadtverordnetenversammlung forderte, wurde ausgeschlossen, ebenso die Bebauung mit Hotels. „Neben Wohnen braucht Offenbach dringend Gewerbeflächen, um Unternehmen anzusiedeln, die Gewerbesteuer zahlen“, hatte Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) den Bebauungsplan verteidigt. Auch OB Schwenke betont, dass die Stadt am Kaiserlei den Bau von möglichst vielen Büroräumen forcieren möchte.

Offenbach hat Ausweichfunktion für das ausgelastete Frankfurt

Das benachbarte Frankfurt sei diesbezüglich an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen – für Offenbach die Chance, sich als gleichwertige Alternative zu empfehlen. „Der Markt lebt von der kurzfristigen Verfügbarkeit von Flächen“, sagt Schwenke. Dass er seit seinem Amtsantritt auf vier großen internationalen Immobilienmessen für den Standort Kaiserlei geworben habe, trage nun erste Früchte. „Zurücklehnen können wir uns aber nicht“, sagt er, für den Standort will er kontinuierlich die Trommel rühren.

Mit der steigenden Attraktivität einher geht auch ein allmählicher Rückgang des Leerstandes bei den Büroflächen im Stadtgebiet. Standen im Vorjahr noch 94 568 Quadratmeter leer, was einer Quote von 7,35 Prozent entsprach, sind es aktuell 91 922 Quadratmeter Bürofläche (7,15 Prozent).

Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Der City-Tower in bester Innenstadtlage steht weiterhin weitgehend leer. Wie mehrfach berichtet, möchte die Comer-Gruppe, der das 32 Stockwerke hohe Gebäude gehört, auf den Ausgang des Brexit-Verfahrens warten, um dann bisherigen Londoner Mietern in Offenbach Büroflächen anbieten zu können. „Wir sind aber weiter in Verhandlung mit der Gruppe“, sagt Schwenke.

Erfreulich, dass an anderer Stelle Leerstände in exponierter Lage beendet worden seien, sagt Jürgen Amberger, Leiter der Wirtschaftsförderung. Er verweist dabei auf die Gewerbeimmobilie in der Daimlerstraße: Diese stand seit dem Umzug der Mercedes-Niederlassung an den Kaiserlei leer und wird nun von dem Automobilzubehörunternehmen Felgendealer gemeinsam mit einem Partnerunternehmen geführt.

Auch was den Leerstand im Bereich Einzelhandel angehe, sei die Lage längst nicht so hoffnungslos, wie sie manchmal kommuniziert werde, sagt Amberger. Bei der letzten Komplettkartierung der Geschäfte im Jahr 2014 wurden 495 Lagengeschäfte und 27 Leerstände gezählt. In diesem Jahr seien es 478 Ladengeschäfte und 28 Leerstände. „Quantitativ sind wir also nicht auf dem Weg zur Geisterstadt“, sagt Schwenke.

Ehemaliger Güterbahnhof: Viel Platz

Mit insgesamt 60.5 007 Quadratmetern Fläche an potenziellen Gewerbegrundstücken sei die Stadt gut für die Zukunft gerüstet. Allerdings sind die Flächen sehr ungleichmäßig verteilt: Während es am Hafen und in der Innenstadt kein Entwicklungspotenzial mehr zu finden ist, gibt es gerade am ehemaligen Güterbahnhof und dem ehemaligen Clariant-Gelände viel Platz. Letzteres befindet sich jedoch nicht im Besitz der Stadt: Clariant und die Stadt streiten seit Jahren um einen angemessenen Verkaufspreis, ein Ende ist in den kommenden Jahren nicht absehbar. „Es ist nicht anständig, dass eine Aktiengesellschaft eine solche Fläche der Entwicklung entzieht“, sagt Schwenke.

Wie im Bereich Wohnbebauung wird auch im Gewerbesektor von Seiten der Stadt eine verdichtete Bebauung und Belegung favorisiert. „Wir müssen verstärkt über eine multifunktionale Nutzung nachdenken“, sagt Amberger, „frei werdende Flächen müssen zudem in Zukunft wesentlich dichter belegt werden.“

Dass Offenbach international als guter Gewerbestandort wahrgenommen wird, freut Schwenke. Dazu gehöre auch, dass die renommierte Lederwarenmesse in der Stadt gehalten wurde. „Und das nicht zuletzt durch das geplante Messeparkhaus am Hafen“, betont der Oberbürgermeister.

VON FRANK SOMMER

Die Mietpreise für Wohnungen steigen in Offenbach immer weiter: Im ersten Halbjahr 2020 sogar so stark wie nirgendwo sonst in Deutschland.

Herbstzeit ist Messezeit. Während viele auf die weltgrößte Nabelschau der Literatur in Frankfurt blickt, schielen die Bauexperten nach München. Auf der Expo Real präsentiert die OPG erstmals Pläne für ein neues Büro-Hochhaus am Hafenplatz.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare