Die Wohnung zugemüllt

Wenn sich der Mieter als Messie entpuppt...

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So sah das Appartement im Offenbacher Westend Mitte Juli aus. Dabei handelt sich um eins der harmloseren Bilder.

Offenbach - Monatelanger Ärger, danach Renovierungskosten in fünfstelliger Höhe: So kann es laufen, wenn ein sogenannter Messie in eine Wohnung einzieht. Ein betroffener Vermieter erzählt. Von Matthias Dahmer 

Angefangen hat es damit, dass die Vormieterin möglichst schnell raus wollte aus dem schönen Ein-Zimmer-Appartement im Offenbacher Westend. Weshalb Hausbesitzer Lothar K. sich kurzfristig dafür entschied, den unauffällig wirkenden Herrn um die 30 als Nachmieter zu nehmen. Der zog Mitte Januar dieses Jahres ein, zahlte dabei Kaution und ein halbe Monatsmiete pünktlich. Doch schon im Folgemonat blieb die Mietzahlung aus. Der Mann, der – wie sich später herausstellen sollte – bei Vertragsschluss falsche Angaben zu seiner Person gemacht hatte, war plötzlich nicht mehr zu erreichen. Weder ging er ans Telefon, noch öffnete er die Wohnungstür. Vermieter K. wartete noch den März ab, schaltete dann einen Anwalt ein.

Bis Anfang Juli war ein Räumungstitel erwirkt. Als drei Wochen später ein Nachbar meldet, dass aus dem Appartement Wasser in den Hausflur laufe, und der Mieter aufs Klingeln nicht reagiert, lässt K. die Wohnung im Beisein des Gerichtsvollziehers von einem Schlüsseldienst öffnen. Sie kommen in eine völlig vermüllte und verdreckte Wohnung, mit Schimmel anden Wänden, mit Bergen von Klamotten, Papier und ungespültem Geschirr. Der Zustand der Toilette kann nur mit ekelhaft beschrieben werden. Den Mieter treffen sie im Bett liegend an, Briefe vom Gericht oder der EVO liegen ungeöffnet daneben. K. fordert den Mann auf, seine persönlichen Sachen zu packen und zu verschwinden.

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„In nur sechs Monaten hat der Mann das Appartement völlig ruiniert“, sagt Vermieter Lothar K. Die Sanierungskosten – unter anderem muss neu tapeziert und eine neue Toilette eingebaut werden – beziffert er auf etwa 10.000 Euro. Und in diesem Betrag sei der in der Wohnung entstandene Wasserschaden noch nicht drin. Dass er von dem Messie-Mieter noch einmal Geld sieht, hält K. für ziemlich unwahrscheinlich. Der habe ihm zwar über einen Anwalt mitgeteilt, dass er zahlen wolle. Doch nur wenn er weiter in dem Appartement wohnen könne. K. hat diese Angebot dankend abgelehnt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Vermieter sich mit einem solchen Fall befassen musste. Vor einigen Jahren berichtet er, habe ihn das am Ende sogar 40.000 Euro gekostet. Wie man sich vor einem solchen Messie-Mieter schützen kann? Lothar K. zuckt nur mit den Schultern.

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Der Begriff Messie ist abgeleitet vom englischen Wort „Mess“, das Unordnung bedeutet. Beim Messie-Syndrom handelt es sich um schwerwiegenden Defizite in der Fähigkeit, Dinge wegzuwerfen, die Wohnung ordentlich zu halten und Alltagsaufgaben zu organisieren. Bei den Betroffenen können ernsthafte seelische Störungen vorliegen. Schätzungen zufolge leiden etwa 2,5 Millionen Menschen in Deutschland unter dem Messie-Syndrom, die Dunkelziffer dürfte jedoch viel höher sein. Messies horten nicht nur Dinge. Es gibt Menschen, die sammeln Katzen oder Hunde, sogenannte Daten-Messies müllen ihre Computer zu, weil sie nichts löschen können. Eine Behandlung des Syndroms ist schwierig. Sie reicht von einem Haushalts-Organisationstraining bis hin zu Verhaltenstherapien. Wer sich ändert, ist nicht automatisch geheilt. Ähnlich wie beim Alkohol bleiben Betroffene immer gefährdet.

mad

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