7,35 Millionen Euro teurer Neubau der Grundschule Bieber-Waldhof

Ein Haus als Pädagoge

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Sie feiern die Einweihung des Neubaus der Grundschule Bieber, Außenstelle Waldhof, mit einer leckeren symbolischen Schlüsselübergabe: Bettina Laux, Konrektorin und Leiterin der Dependance, Bürgermeister und Schuldezernent Peter Schneider sowie Schulleiter Klaus-Peter Ehlert. 190 Schüler besuchen die Einrichtung.  

Offenbach - Das marode, 1977 erbaute Gebäude zwang die Waldhofer Außenstelle der Grundschule Bieber zu einem ständigen Provisorium. Das ist überstanden. Für 7,35 Millionen Euro errichtete die Stadt einen Neubau. 190 Schüler haben ihn im September 2014 bezogen. Von Veronika Schade 

Er wurde nun offiziell eingeweiht. Den jetzigen Viertklässlern der Schule Bieber, Außenstelle Waldhof, wird bei der Erinnerung an ihre Grundschulzeit vor allem eins in den Sinn kommen: Improvisation, Baulärm, Umzüge. „Sie haben alles erlebt“, berichtet Konrektorin Bettina Laux, Leiterin der Dependance. „Den Altbau und seinen Abriss, die Container, den Umzug in den Neubau.“ Diesen können sie noch wenige Monate genießen, bis es an eine weiterführende Schule geht.

Dafür verbringen Erstklässler endlich ihre gesamte Grundschulzeit an einem – adäquaten – Lernort. Gestern wurde der 7,35 Millionen Euro teure Neubau offiziell eingeweiht, nachdem er im September vergangenen Jahres nach zweieinhalbjähriger Bauzeit seinen Betrieb aufgenommen hatte. Damit ist das Provisorium, das für Bieber-Waldhof ein gefühlter Dauerzustand war, überstanden.

Cafeteria, Treffpunkt und Raum für Feierlichkeiten

Der ursprüngliche, 1977 bis 1987 erbaute Gebäudekomplex aus drei eingeschossigen Pavillons, einem zweigeschossigen Erweiterungsbau und einem Verbindungsgang wäre nicht wirtschaftlich zu sanieren gewesen. Er wurde ersetzt durch einen ebenerdigen, behindertengerechten Neubau in Passivhausstandard mit Bibliothek, sogenannten Differenzierungsräumen neben den Klassenzimmern für Gruppenarbeit und einer Cafeteria, die Treffpunkt ist, Platz für Feierlichkeiten bietet und den Ganztagsbetrieb ermöglicht. Es gibt Fachräume für Musik, Kunst und Medien. Zu jedem Klassenzimmer gehören kleine Außenflächen, die genügend Lichteinfall und Unterricht im Freien ermöglichen, auf denen die Schüler Pausen verbringen und einen Garten gestalten können.

„Unsere beiden Standorte, die Hauptstelle in Bieber und die Zweigstelle in Waldhof, hatten eine große Gemeinsamkeit: Sie entsprachen nicht den Anforderungen an eine Schule im 21. Jahrhundert“, sagt Schulleiter Klaus-Peter Ehlert. Dies habe sich in Waldhof endlich geändert, treffe aber immer noch auf die Hauptstelle zu, wobei die Bausubstanz besser sei, als sie es in Waldhof gewesen ist. „Das Gebäude stammt ebenfalls aus den 70er-Jahren, allerdings des 19. Jahrhunderts, das war noch Wertarbeit.“ Er hofft, dass auch dort in absehbarer Zeit das städtische Schulbausanierungsprogramm umgesetzt und die Schule erweitert wird.

Gute Chancen für Bau neuer Turnhalle

Elf der 27 Offenbacher Schulen kamen bisher nicht zum Zug, müssen teils noch Jahre auf Sanierung warten. In einer bislang beispiellosen Aktion machten die Leiter von Fröbel-, Mathilden-, Käthe-Kollwitz- und Geschwister-Scholl-Schule Ende vergangenen Jahres auf den desolaten Bauzustand ihrer Einrichtungen aufmerksam. „Ich verstehe die Ungeduld“, sagt Bürgermeister und Schuldezernent Peter Schneider. „Leider ist uns nicht alles möglich, was wünschenswert ist.“ Für Waldhof sieht er jedoch reale Chancen, dieses Jahr mit dem Bau der Turnhalle zu beginnen. „Die Gelder sind bewilligt, das Stadtplanungsamt und die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft sind dran.“

Wie wichtig das Gebäude, die unmittelbare Umgebung, für das Lernen ist, betont Architekt Felix Wächter: „Der Klassenraum gilt, neben dem Lehrer und anderen Kindern, als der dritte Pädagoge.“ Eine moderne Schule biete eine kommunikative, helle, offene und fördernde Lernatmosphäre. „Ich bin froh, dass wir das umsetzen konnten, dass mehr gefordert war als der Flächennachweis für eine zweizügige Grundschule.“

Einige Restarbeiten, wie die Begrünung des Dachs, stehen noch an. Die gesamten Außenanlagen sollen erst nach dem Bau der Turnhalle fertiggestellt werden.

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