Drogen-Karriere

Mit 14 die ersten Joints: Prozess gegen Drogendealer startet in viertem Anlauf

Mann dreht sich einen Joint 
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„Lediglich ab und zu etwas Stoff gekauft...“ Im Prozess vor dem Darmstädter Landgericht beschuldigen sich die beiden Angeklagten gegenseitig. Für die Wahrheitsfindung hat die Kammer vier Verhandlungstage eingeplant.

Er rauchte mit 14 die ersten Joints. Jetzt muss sich ein 30-Jähriger aus Offenbach mit vor dem Landgericht verantworten.

Offenbach - Den sage und schreibe vierten Anlauf nahm eine Hauptverhandlung wegen unerlaubten Drogendeals mit Waffenbesitz gegen zwei Offenbacher vor dem Landgericht Darmstadt. 1,5 Kilogramm Marihuana, 13 Gramm Kokain, 22 Gramm Haschisch und eine serbische Pistole Kaliber 7,65 fanden die Beamten vom Kommissariat 34 am 11. Juni 2017 in einer Wohnung in der Bürgeler Kettelerstraße. Verschoben wurde die Sache 2018 und 2109 wegen einer fehlenden Zeugin, eines fehlenden Angeklagten und in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie. Nun soll Ouissam A. und Marc P. (beide 30) aber vor der 15. Strafkammer endlich der Prozess gemacht werden.

Während sich A. auf freiem Fuß befindet, sitzt P. seit dem vergangenen Oktober in Untersuchungshaft. Grund: Er blieb im August 2019 dem dritten Verhandlungstermin fern, wurde danach festgesetzt. „Ich saß an dem Tag auf einer Bank und war in Gedanken versunken. Mir ging soviel durch den Kopf, den Gerichtstermin hatte ich verdrängt“, ist die beinahe amüsante Erklärung. Jetzt sitzt der Mann in der zweiten Reihe vor dem Vorsitzenden Richter Daniel Kästing und will sich nicht so recht zu den Vorwürfen äußern.

Offenbacher finanziert eigene Drogensucht

Immerhin kommt eine kurze Erklärung von Verteidiger Christian Heidrich: „Mein Mandant gesteht, vor dem 12. Juni 2017, eineinhalb Jahre lang gelegentlich Marihuana verkauft zu haben, insgesamt etwa 150 Gramm. Dies diente ausschließlich der Finanzierung seiner eigenen Drogensucht.“ Die eigene Vita erläutert P. selbst: „Mit 14 fing das mit den Joints an, ein bis zwei Gramm pro Woche. Später waren es dann bis zu drei Joints am Tag. Ab und zu Kokain und Ecstasy. Bis zur Inhaftierung.“

Da habe er gemerkt, dass es auch ohne Drogen geht. Und will auch nach dem Knast frei davon bleiben, Therapie nicht ausgeschlossen. Der 30-Jährige Hiphopper hat auch schon einen Plan, was dann wichtiger ist: „Ich will meine Tanzkarriere aufbauen, eine Tanzausbildung machen und eine eigene Tanzschule eröffnen. Sie werden mich in Zukunft eher im Fernsehen sehen, als vor Gericht“, verspricht er dem Richter.

Etwas mehr zur Sache erfährt das Gericht dann aber doch noch; von dem Offenbacher Kriminaloberkommissar, der P.s Vernehmung nach der Festnahme führte. In P.s Wohnung, in der auch der inzwischen verstorbene, schwerkranke Vater lebte, entdeckte die Polizei das als Bunker dienende Zimmer mit Drogentüten, Verpackungsmaterial, Digitalwaage und der Crvena Zastava nebst Magazin, Patronen und Holster. Versteckt waren die Drogen in einem Baumarkteimer, hinter dem Sofa und im obersten Kleiderschrankfach, die Balkan-Waffe in ein Laken eingewickelt.

Angeklagter bekundet: „Damit habe ich nichts zu tun“

„Damit habe ich nichts zu tun“, wiederholt der Beamte die Aussage von P., „Das Zimmer sei nämlich eineinhalb Jahre für 100 Euro im Monat an den Mitangeklagten A. vermietet gewesen, inklusive Wohnungsschlüssel.“ Er habe sich nur gelegentlich etwas Marihuana daraus genommen, irgendwann habe er die Pistole entdeckt und angefasst. „’Ich will nicht für A. den Kopf hinhalten, sondern die Sache beenden.’, war Tenor.“ So wird schnell klar: Die Angeklagten beschuldigen sich gegenseitig, der Dealer gewesen zu sein.

A. behauptet nämlich, er habe bei P. lediglich ab und zu etwas Stoff gekauft. „Wenn jemand gutes Zeug hat, dann kriegt man das mit.“ weiß der Angeklagte. Beide sind in Bürgel aufgewachsen und kennen sich schon lange. Selten sei er zu diesem Zweck auch in P.s Wohnung gewesen. Und manchmal habe er einen Joint „vermittelt“. „Dafür hab ich dann das Gras billiger, oder ein paar Euro bekommen. Mehr nicht.“ so A. Für die Wahrheitsfindung hat die Kammer vier Verhandlungstage eingeplant. (Von Silke Gelhausen)

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