Kirche

Altkatholischer Pfarrer Christopher Sturm verlässt im Januar Offenbach in Richtung Stuttgart

Seit 2012 ist Christopher Sturm Pfarrer der Altkatholiken. Foto: Sommer

Den Beginn der Sternsinger-Aktion Anfang Januar werde er auf jeden Fall noch begleiten, sagt Christopher Sturm. Dann aber muss er sich von Offenbach verabschieden: Der Pfarrer der altkatholischen Gemeinde verlässt die Stadt, Sturm tritt ab 25. Januar eine Pfarrstelle in Stuttgart an. 

Offenbach – Am 13. Oktober hatten ihn die dortigen Altkatholiken als einzigen Bewerber zum Pfarrer ihrer Gemeinde gewählt. „Ich habe vorher die Gemeindemitglieder meiner Offenbacher Gemeinde informiert, dass ich mich darauf bewerben werde“, sagt der 56-Jährige. Für Sturm ist der Wechsel nach Stuttgart gleich mehrfachreizvoll: Er stammt aus der Region und war dort als römisch-katholischer Priester tätig, bis er zu den Altkatholiken übertrat. „Und ich bin seit 2015 verheiratet, meine Frau arbeitet im Raum Stuttgart“, sagt er. Für das Ehepaar ergibt sich dadurch die Möglichkeit, endlich auch gemeinsam zu leben. Dafür habe er viel Verständnis in der Offenbacher Gemeinde erfahren.

„Ich gehe aber trotzdem schweren Herzens – und das ist nicht einfach so dahergesagt.“ Denn Offenbach habe ihn nicht nur geprägt, er habe die Stadt und ihre Menschen mehr als nur schätzen gelernt. „Offenbach ist eine lebendige Stadt und ich lebe sehr gern hier.“

Die Spiele der Kickers will er auch von Stuttgart aus weiterverfolgen. „Mein Autokennzeichen lautet OF-C – allerdings gibt es noch einen zweiten Lieblingsverein: den VfB Stuttgart“, sagt er und lacht.

Seit November 2012 ist Sturm Pfarrer der rund 320 Mitglieder umfassenden altkatholischen Gemeinde Offenbachs, hier hat er sich an vielen Projekten beteiligt: Bei der Aktion Essen und Wärme für Bedürftige, den Interkulturellen Wochen oder dem Gebet der Religionen ebenso wie an vielen Angeboten der Ökumene. Ostern, Weihnachten oder Pfingsten werden ökumenisch mit den übrigen Offenbacher Kirchengemeinden gefeiert.

Die Umstellung vom römisch-katholischen Priester zum altkatholischen Pfarrer sei schon groß gewesen, räumt er ein. „Das ist wie ein Kaufhausdirektor, der dann einen Tante-Emma-Laden führt.“ Statt eines Mitarbeiterstabes sei er dann für vieles selbst verantwortlich. „Das erdet – und tut gut.“

Viel Lob hat Sturm auch für die Arbeit des Quartiersmanagements in der Stadt. „Die Arbeit dort ist äußerst wichtig für die Stadt – eigentlich müsste es noch viel mehr Geld für diese Arbeit geben, um sie auszuweiten.“

Die Augen vor den Problemen der Stadt habe er aber auch nie verschlossen, betont Sturm. „Etwa, dass Grenzen hier nur schwer anerkannt werden, das zeigt sich unter anderem an der Müllproblematik: der wird überallhin geworfen.“ Oder, dass das Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen nicht immer einfach sei. „Da wird gern von Integration gesprochen, aber ich würde mir wünschen, dass dieser Begriff auch mit Inhalt gefüllt wird.“

Was kulturelle Identität bedeute, habe er für sich erkannt, als er ein Jahr in Indien gelebt habe. „Da wird man sich bewusst, was einen geprägt hat.“ Allerdings sei auch Verständnis für andere Kulturen und Lebensweisen vonnöten. „Natürlich kann ich etwa ein bestimmtes Frauenbild, durch das Frauen unterdrückt werden, nicht gutheißen“, sagt er. Aber gleichzeitig müsse man verstehen, dass Menschen, die dieses Bild in ihren Herkunftsländern erlernt haben, nicht einfach so abstreifen können. Wie wichtig es ist, dass Sprache vermittelt werde, sei auch eine der Lehren, die er aus Offenbach mitnehme. „Um gerade für Kinder Sprachangebote zu machen, müsste mehr Geld zur Verfügung stehen“, sagt er, „die deutsche Sprache ist der Schlüssel – auch wenn ich immer noch Schwäbisch schwätze.“

Wer Sturm auf die Stelle in Offenbach folgt, steht noch nicht fest. „Die Ausschreibung läuft noch“, sagt er, es gebe ein „gutes Interesse an Offenbach.“ Möglich ist allerdings, dass es erst einmal eine Vakanz gebe, die Stuttgarter Gemeinde etwa habe sechs Monate keinen Pfarrer, bis er dort anfange. Zu besetzen seien die Stellen aber. „Wir Altkatholiken speisen uns aus Eintritten, gut 80 Prozent der Pfarrer waren vorher römisch-katholische Priester. Ich bin guter Dinge, dass sich ein Nachfolger findet – Offenbach ist eine wirklich gute Gemeinde.“

VON FRANK SOMMER

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