Klingspormuseum

Mobiler Kleiderschrank im Offenbacher Bürgerbüro: Eine Unterhose wie Wonder Woman

Laden zum Mitgestalten des mobilen Kleiderschranks ein (von links): Bürgerbüro-Sachgebietsleiterin Monika Leonhardt, Ausstellungskuratorin Dorothee Ader, Designerin Paula Schulenburg und Stefan Soltek, Leiter des Klingspormuseums.
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Laden zum Mitgestalten des mobilen Kleiderschranks ein (von links): Bürgerbüro-Sachgebietsleiterin Monika Leonhardt, Ausstellungskuratorin Dorothee Ader, Designerin Paula Schulenburg und Stefan Soltek, Leiter des Klingspormuseums.

So manche Erinnerung lässt auch nach Jahren die Gefühle von damals wieder aufleben – wie die von Stefan Soltek, Leiter des Klingspormuseums. „Alle Jungs trugen zur Kommunion einen blauen Anzug. Nur ich bekam ein rot-grün gepunktetes Tweet-Jackett.“ Heute kann er darüber lachen: „Der liebe Gott weiß, was sich meine Mutter dabei gedacht hat.“

Offenbach - Es gibt Kleidung, an die sich ihr Träger ein Leben lang erinnert. Das Hochzeitskleid etwa. Oder was man am ersten Schultag anhatte. Kleidung verrät viel. Über unsere Identität, Geschichte, kulturelle Hintergründe. Der mobile Kleiderschrank sammelt diese Geschichten und lädt zum Mitmachen ein. Das Projekt der „KulturRegion Rhein-Main“ mit passendem Jahresthema „Kleidung, Freiheit, Identität – gestern und heute“ reist durch die Region und macht nun drei Wochen im Offenbacher Bürgerbüro Halt. In Zusammenarbeit mit dem Klingspormuseum entsteht eine kleine, interaktive Ausstellung an einem Ort, an dem es zwar belebt, aber sonst eher nüchtern zugeht.

„Wir sind immer froh, wenn wir an anderer Stelle in der Stadt sichtbar werden, und dies ist der beste Promotionsort“, sagt Museumsleiter Soltek. Auch Monika Leonhardt, Sachgebietsleiterin Kundensteuerung im Bürgerbüro, freut sich über die ungewöhnliche Kooperation: „Unsere Kunden sind Persönlichkeiten mit unterschiedlichster Kleidung. Es ist spannend, etwas über die Geschichten dahinter zu erfahren. Dafür stellen wir unsere Fläche gern zur Verfügung.“

Ausstellungskuratorin Dorothee Ader hat zusammen mit der Offenbacher Designerin Paula Schulenburg den wandernden Schrank bestückt, der vom HfG-Absolventen Max Brück aus einem Kleiderschrank aus den 50er-Jahren errichtet wurde. Darin zu finden sind nun Kleidungsstücke aus Papier, vom einfachen Oberteil bis zum wallenden Brautkleid, die dazu einladen, sich nach dem Bürgerbüro-Termin einige Minuten Zeit zu nehmen. Fragen wie „Werden Menschen nach ihrer Kleidung beurteilt?“ oder „Hat sich dein Kleidungsstil im Laufe der Zeit verändert?“ geben Denkanstöße. Dann können Besucher sich einen Zettel nehmen und ihre Gedanken aufschreiben. Neben Stift und Papier steht dafür auch eine Schreibmaschine bereit. „Das ist noch mal ein besonderes Erlebnis, darauf zu schreiben“, sagt Kuratorin Ader. Wer möchte, kann sich eine Schere und Papier nehmen und seine eigenen Kleiderstücke für den Schrank zurechtschneiden.

„Den ersten Body meiner Kinder kann ich nicht weggeben“, steht auf einem Zettel, ein anderer erzählt von der Erinnerung an die Einschulung: „Ich trug ein Kleid mit rosa Streifen. Ich wollte unbedingt einen engen Gürtel dazu haben, damit es aussieht wie eine Prinzessin.“ In einem Regal liegt eine papierne „Wonder Woman-Unterhose“. Die Erinnerung von 1979 verleitet zum Schmunzeln: „Ich war drei. Ich wollte sie unbedingt haben, weil ich glaubte, ich würde Wonder Woman, wenn ich sie trage.“

Die Fragmente, die in den drei Wochen in und am Schrank entstehen, werden Teil einer Ausstellung im kommenden Jahr im Klingspormuseum. „Eventuell werden wir daraus auch ein Video machen“, sagt Designerin Schulenburg, die heute Nachmittag zwei Stunden im Bürgerbüro sein und zum Mitmachen anregen wird. (Von Veronika Schade)

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