Modellregion Integration zieht Bilanz

Keine Zustände wie in Neukölln

Offenbach - Die Modellregion Integration Offenbach zieht Bilanz. Vier Jahre lang hat die Stadt von dem mit 1,4 Millionen Euro dotierten Programm profitiert. Nun setzt sie ihre Hoffnung aufs Nachfolgeprojekt „WIR“. Von Stefan Mangold 

Anfangs lobt Felix Schwenke, die Zahl der Offenbacher mit Migrationshintergrund spiegele sich im Auditorium wider, „was leider selten der Fall ist“. Der Dezernent spricht im Gründerzentrum Ostpol zur Abschlussveranstaltung der Modellregion Integration Offenbach. Das Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration hat eingeladen. Für vier Jahre ist Offenbach Nutznießer des mit 1,4 Millionen Euro dotierten Programms gewesen, das die Landesregierung zur Bildung nachhaltiger Strukturen für die Förderung der Integration in den Kommunen ausgeschrieben hat. Die Hälfte des Budgets hat Wiesbaden beglichen, die beiden verbleibenden Viertel haben sich die Stadt und verschiedene Träger geteilt.

„Offenbach ist nicht Neukölln“, bemerkt Schwenke und meint die vergleichbar hohe Migrationsrate, die weniger Probleme bedinge als im Berliner Stadtteil. Was kein Selbstläufer sei, sondern nicht zuletzt dem ehrenamtlichen Engagement von Migranten zu verdanken. Schwenke hofft, dass Offenbach auch vom Folgeprogramm „WIR – Wegweisende Integrationsansätze Realisieren“ profitieren werde.

Anschließend kündigt Moderatorin Seval Kardas Walter Kindermann vom Integrationsministerium in Wiesbaden an. Das Thema sei aus einem Dornröschenschlaf erwacht. „Die einen dachten, die sind bald wieder weg, die anderen planten, lediglich für die Rückkehr zu sparen“. Mittlerweile werbe sogar die einst urdeutsche Freiwillige Feuerwehr unter Migranten.

Schwerpunkte auf Bildung und Sprache

In den vergangenen vier Jahren liefen die Fäden des Programms im städtischen Büro von Ana-Violeta Sacaliuc zusammen. Die aus Rumänien stammende Soziologin koordinierte die 14 Projekte. Der Schwerpunkt habe auf Bildung und Sprache gelegen, „alle Projekte haben sich bewährt“. Auch jenes, das Roberta Ferrante vom CGIL-Bildungswerk vorstellt, das sich Kinder-Schule-Eltern nennt.

Das Attribut „nachhaltig“ fiel in sämtlichen Beiträgen gefühlte hundert Mal. Um was es faktisch ging, erklären schließlich Gerd Beitler, ehemaliger Leiter der Beethovenschule, und die derzeitige Vize Rosemarie Elsner erfrischend konkret. Sie luden vor der Einschulung gezielt Migranten zum Elternabend ein. Wer auf Post nicht reagierte, den rief Beitler an. Es gehe darum, nicht nur Kinder, „sondern auch Eltern schulfähig zu machen“. Der Elternabend sei gut besucht gewesen, „die fühlten sich persönlich angesprochen“.

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“

Um Aufklärung für gesunde Ernährung mühten sich die Elternbeauftragten Carolin Stamm und Julia Aull von der Lauterbornschule. An der Humboldtschule versuchte Lehrerin Cornelia Siegel, die Eltern für schulische Abläufe zu interessieren. Quartiersmanager Marcus Schenk erzählt vom Angebot in den Stadtteilbüros für unter dreijährige Kinder. „So kamen wir mit Eltern aus Südosteuropa in Kontakt.“

Über das Programm WIR spricht Matthias Schulze-Böing, für Integration zuständiger Amtsleiter: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Ein Unterschied zum Vorgängerprogramm soll darin liegen, „dass die Kreativwirtschaft samt neuen Medien mit eingebunden wird“.

Was auf Mahmut Yigit (28), Stadtverordneter für das Forum Neues Offenbach, ziemlich nebulös wirkt. Er vermisste die Möglichkeit zur Stellungnahme. „Über Facebook erreicht man keine Migranten, nur im direkten Kontakt“, kritisierte er. Strukturelle Änderungen könne die Stadt nur schaffen, „wenn es mehrere hauptamtliche Ansprechpartner für Migranten gibt“. Offenbach habe für das Programm Modellregion Integration jährlich 1,23 Euro pro Migrant ausgegeben, rechnet der diplomierte Wirtschaftsprüfer vor und findet: „Mit Nachhaltigkeit hat das wenig gemein.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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