Modemarke „Bembel Rockers“

Vom Stöffche zum Stoff

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Mit ihrer Marke „Bembel Rocker“ wollen Sabine Eisert, Andreas Wagner und Michael Alan Mock allen Hessen ein Stück Heimat zum Anziehen geben.  

Offenbach - Ein Label erobert die Kleiderschränke der Region: Mit der Idee, seine Liebe zum Apfelwein tragbar zu machen, hat ein Trio aus Offenbach und Frankfurt die Marke „Bembel Rockers“ ins Leben gerufen. Von Katharina Hempel

Vom Stöffche zum Stoff: Die Liebe zum Apfelwein wächst zur Modemarke. Auf T-Shirts flattert das Gerippte über die linke Brust, grinst ein Totenkopf mit Augenbinde in Apfelform und Tatoos wie Bembelmuster. Wer klare Ansagen und Ruhe bevorzugt, wählt den englisch-hessischen Aufdruck „keep calm and don’t be hibbelisch“.

Mit ihrer Marke „Bembel Rocker“ sprechen Sabine Eisert, Andreas Wagner und Michael Alan Mock alle an, die Hessen, Heimat und Handkäs’ mögen. „Die Leute sollen eins nicht in den Kopf bekommen: dass ,Bembel Rocker’ nur etwas für Frankfurt ist. Nein. Wir sind für Hessen da. Wir wollen, dass unsere Mode in der Region gezeigt wird“, betont Michael Mock, der das kreative Trio mit seinem modischen Know-How bereichert. „Hanauer tragen unsere Shirts, Leute aus Weinheim, selbst im Kahlgrund erfahren wir Zuspruch. Ich denke, 1959 liegt soweit zurück, wir sollten Brücken schlagen.“ Seine Mit-Rocker nicken zustimmend.

Eine knappe Geschichte

Die feinen Stöffsche gibt’s im Online-Shop.

Ursprünglich sollte das Stöffsche aus 100 Prozent organischer Baumwolle erst im neuen Jahr seine Eroberungstour durch Hessens Herzen und Kleiderschränke starten. Aber das Geschäft ist jetzt schon angelaufen. „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, kann ich ziemlich nervig sein“, gesteht der in Bieber beheimatete US-Amerikaner Mock. Sein Kollektionsverkauf in der Heyne-Fabrik Ende November sollte zum Testlauf für die „Bembel Rocker“ werden.

„Die letzten Grafiken sind erst drei, vier Tage vorher fertig geworden. Das war eine knappe Geschichte“, erinnert sich die Sossenheimer Grafikdesignerin Sabine Eisert. Drucker und Ex-Kicker Radomir Dubovina musste ein paar Nachtschichten einlegen, damit die Stöffsche in Unschuldischweiß, Bembelgrau oder Rizeroodfuchsia rechtzeitig und frisch gepresst im Regal des Showrooms landeten.

Der Stress hat sich gelohnt. Die Oberteile für Meedsche, Kerle und Kinner gingen weg wie heißer Apfelwein. „Da sieht man, was entstehen kann, wenn Frankfurter und Offenbacher zusammenarbeiten“, sagt Andreas Wagner, Zeilsheimer Bub, gelernter Banker und studierter Sportwissenschaftler.

Der größte Bembel der Welt

Der größte Bembel der Welt

Gemeinsam mit Sabine Eisert hat er den ersten „Bembel Rocker“-Totenkopf designt. „Das war 2007, wir arbeiteten in einer Werbeagentur, die bei einem Fußballturnier von Kreativagenturen in Prag teilgenommen hat. Unsere Trikots sollten zeigen, wo wir herkommen“, erzählt er. Nachdem ihnen viele Spieler der anderen Mannschaften die T-Shirts abkaufen wollen, denken sich die beiden: „Da machen wir mehr draus.“ Sie melden ihre Erfindung als Marke an. Zurück im Alltag schläft die Idee ein. Bis sich Michael Mock und Andreas Wagner, die vorher schon beruflich miteinander zu tun hatten, dieses Jahr wieder über den Weg laufen.

Sie fragen sich, warum in Frankfurt Oktoberfest gefeiert werden muss. Und warum sich die Besucher als Bayern verkleiden und Bier trinken, wenn Hessen so viele eigene Traditionen hat, auf die es stolz sein kann, und die es pflegen sollte. Die „Bembel Rocker“ erwachen wieder zum Leben. „Eine lokale Marke kann schon funktionieren“, sagt Michael Mock. „Du wirst vielleicht kein Millionär damit, kannst aber den Leuten ein Stück Heimat geben.“ Ein Stück Heimat zum Anfassen und Anziehen.

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