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Anwohner von Motorradlärm genervt: Diskussion um Dezibel und Streckensperrungen

Mitglieder des 1. Offenbacher Motorradclubs auf Tour: Sie appellieren an die Vernunft, insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften.
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Mitglieder des 1. Offenbacher Motorradclubs auf Tour: Sie appellieren an die Vernunft, insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften.

Es gibt weiter Diskussionen um Fahrverbote für Motorräder. Zwar können Biker genervte Anwohner verstehen, fühlen sich durch mögliche Verbote aber diskriminiert.

Offenbach - Es ist wohl der geografischen Lage geschuldet, dass Stadt und Kreis Offenbach nicht zu den bevorzugten Revieren von kurvenhungrigen Motorradfahrern zählen. Weshalb das regionalpolitische Echo auf den bundesweiten Streit um zu laute Zweiräder eher verhalten ist. Als drängender angesehen wird das Problem von Autoposern, die mit ihren aufgemotzten Karren Innenstädte verlärmen.

Gleichwohl wird die Diskussion um Dezibel und Streckensperrungen von den hiesigen Bikern aufmerksam verfolgt. Dass die keine kleine Gruppe sind, belegen die Zahlen: Laut jüngster Statistik sind in der Stadt Offenbach 3897 Motorräder angemeldet, im Kreis 16 275.

Offenbach: Diskussion um laute Motorräder - Genervte Anwohner

Wer sich unter Motorradfahrern umhört, erfährt schnell, dass die meisten von ihnen durchaus die genervten Anwohner bevorzugter Mittelgebirgsstrecken verstehen, sich aber zugleich dagegen wehren, dass die Mehrheit der Vernünftigen darunter leiden muss, wenn einige schwarze Schafe zu sehr am Gasgriff drehen.

„Im Allgemeinen haben wir Verständnis für lärmgeplagte Anwohner, insbesondere an den beliebten Motorradstrecken, die sich häufig in ruhigeren Gegenden befinden“, sagt etwa Ralph Oehlenschläger, Vorsitzender des 1. Offenbacher Motorradclubs. Streckensperrungen hält er indes für keine Lösung, da sich dadurch der Lärm nur auf Ausweichroutern verlagern würde.

Hinzu komme, dass solche Sperrungen auch diejenigen träfen, die sich angemessen verhielten. „Wir haben zum Beispiel unseren Fahrstil dahingehend angepasst, dass wir nicht direkt am Ortsausgang beschleunigen, sondern dort gemäßigt bei frühzeitigem Hochschalten unterwegs sind“, so der Chef des 45-köpfigen Vereins.

Offenbacher Biker verfolgen Diskussion um Streit über laute Motorräder

Ähnlich argumentiert Gerd Katzmann, Sprecher der Motorradgruppe der Naturfreunde Mühlheim: „Wir sind auch gegen Streckensperrungen, besonders an Sonn-und Feiertagen.“ Es gebe natürlich einige Motorradfahrer, die ihre Kräder tunten und dann sich mit Imponiergehabe „knieschleifend“ in die Kurven legten. „Dazu zählt unsere Gruppe nicht“, so Katzmann. Er verweist zugleich auf Stellungnahmen des Bundesverbands der Motorradfahrer (BVDM). Der Verband sehe Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen als Diskriminierung „Wer nicht über Sportwagen und Quads redet, gleichzeitig aber Motorradfahrer an Wochenenden und Feiertagen auf bestimmten Strecken aussperren will, diskriminiert vier Millionen Menschen“, zitiert Katzmann den BVDM. Auch der ADAC bezeichne Kollektivstrafen als unangemessen und fordere stattdessen Lärmdisplays, die auf einen unnötig lauten Fahrstil hinweisen.

Auch Ralph Oehlenschläger wünscht sich, dass noch an anderen Stellschrauben gedreht würde. Nach wie vor seien in vielen Maschinen Zubehör-Auspuffe, sogenannte db-eater, verbaut, die sich zu leicht entfernen ließen. Das betreffe nicht nur Sportmotorräder, sondern auch viele Chopper. „Natürlich ist das nicht erlaubt, aber es wird einfach schlicht zu wenig kontrolliert“, so der Vorsitzende des 1. OMC.

Offenbach: Streit um laute Motorräder: Viele Hintertürchen für Lärmfreunde

Zu viele Hintertürchen für Lärmfreunde lassen für ihn die aus dem vorigen Jahrhundert stammenden gesetzlichen Regelungen zur Zulassung von Motorrädern offen. Gemessen wird die Lautstärke bei einer beschleunigten Vorbeifahrt mit 50 km/h im zweiten oder dritten Gang. Aus einer Entfernung von 7,50 Metern dürfen die Maschinen nicht lauter sein als 80 dB(A) sein. Oehlenschläger: „Alle anderen Fahrzustände sind nicht relevant.“ Das habe die Motorradindustrie dazu veranlasst, ausgeklügelte Systeme zu verbauen: So öffnen sich etwa bei der sogenannten Klappensteuerung bei höheren Drehzahlen automatisch die Auspuffklappen, wodurch die Maschine deutlich lauter wird. „Der Gesetzgeber muss hier die Vorgaben auf weitere Drehzahlbereiche erweitern.“ Die angepeilte Grenze von 80db(A) über alle Bereiche bezeichnet Oehlenschläger aber als „äußerst ambitioniert“.

Roland Huber, passionierter Motorradfahrer und Betreiber eines Geschäfts für Motorradbekleidung in Heusenstamm, hat die Erfahrung gemacht, dass seine Zweiradkundschaft den „Brülltüten-Treiber“ mächtig ablehnend gegenüber steht. Sein Appell: „Drehzahlen runter, die dB-Killer wieder reinschrauben und Rücksicht einschalten. „Ich habe kein Interesse daran, mir mein Hobby von ein paar rücksichtslosen, unbelehrbaren Knalltüten kaputtmachen zu lassen“, sagt Biker Huber. Von Matthias Dahmer

Seit Mai gibt es in Offenbach einen rechtskräftigen Lärmaktionsplan. Die Stadt wird jedoch sicher nicht allen Bürgerwünschen gerecht.

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