Am Ende steht Gebühren-Keule

Ärger bei der Müllabfuhr in Offenbach: Fahrzeuge kriegen die Kurve nicht

Müllfahrzeug Kurve Offenbach zugeparkt
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Hier ist es eigentlich zu eng. Damit Müllfahrzeuge die Kurve kriegen: Stadtservice wirbt mit Anhängern für genügend Fahrbahnbreite in Anwohnerstraßen. Im nächsten Schritt werden Strafzettel verteilt...

Schikanen für die Müllabfuhr in Offenbach: oft kommen die Müllautos nicht um die Kurve und nicht in jede Straße. Jetzt wirbt die Stadt mit Flyern.

Offenbach ‒ „Fahren kann jeder, Parken ist nur für Profis!“ So oder so ähnlich werben kostenfreie Online-Spiele wie „Bus Parking Simulator“ oder „Park The Taxi“ für den kurzen Zeitvertreib. Virtuell. Am heimischen PC. Vielleicht gibt’s ja demnächst eine neue Variante. Etwa: „Müllfahrzeug in Anwohnerstraßen.“ Die Rechte daran und somit die Einnahmen könnte sich schon mal der Stadtbetrieb sichern. Die Fahrer der Offenbacher Müllfahrzeuge könnten bestimmt einige Schikanen einbauen. Die sind nämlich in der Realität ihr tägliches Los.

Die Leerung der von Müll-, Papier- und Gelben Tonnen in Anwohnerstraßen wird für Müllwagenfahrer in Offenbach immer häufiger zu einer zentimetergenauen Herausforderung. Mehrmals täglich sind sie mit zugestellten Kurven oder Autos, die zu weit auf der Fahrbahn parken, konfrontiert. Das Bild zeigt eine beispielhafte Situation in der Schöffenstraße. Es ist wahrlich nicht allein ein Bürgeler Problem: Im alten Ortskern von Bieber ist es genauso eng. Oder im Offenbacher Westend, in Tempelsee... Es sind vermutlich Folgen in einer Stadt, in der nicht allein die Einwohnerzahlen wachsen. So hat ist der Fahrzeugbestand binnen vier Jahren von 67.453 auf 72 .230 (Stand jeweils zum 30. Juni 2020, Quelle: Statistischer Vierteljahresbericht) geklettert.

Ärger bei der Müllabfuhr in Offenbach: „Lasst uns durch – wir sind breiter als ihr denkt“

Mit einer Informationskampagne will der Stadtservice jetzt Anwohner darauf aufmerksam machen, dass sie mit falsch geparkten Fahrzeugen gegebenenfalls die Müllabfuhr vor ihrer Haustür verhindern. Verteilt werden die auffälligen orangefarbenen Flyer zum Aufhängen mit der Aufschrift „Lasst uns durch – wir sind breiter als ihr denkt“ ab nächster Woche auf den ersten Touren. Sie informieren auch darüber, warum eine bestimmte Fahrbahnbreite frei bleiben muss. Der Tonnen-Kontrolleur, der vor der jeweiligen Tour herfährt, hängt sie an zu weit in die Fahrbahn ragende Fahrzeuge. Sollte der Appell nicht helfen, zieht das Ordnungsamt nach: Strafzettel oder Abschleppen.

Dabei erinnert die Verwaltung an die Straßenverkehrsordnung: Autos dürfen nur so geparkt werden, dass noch drei Meter Fahrbahnbreite frei bleiben. Die 2,55 Meter breiten und gut zehn Meter langen Müllschlucker hätten dann noch auf jeder Seite etwas mehr als 20 Zentimeter Platz. Auch das ist sportlich, für die Fahrer aber täglich geübte Routine. Das Abbiegen mit einem Mülllaster braucht neben Übung ebenfalls etwas freien Raum: Gut fünf Meter im gesamten Wendebereich sind dafür erforderlich und auch nach der Kurve ist der Wagen erst nach etwa zehn Metern wieder auf gerader Spur.

Stadtservice Offenbach: „Unser Tourenplan ist genau durchgetaktet“

Doch dieser Spielraum wird immer häufiger zugeparkt. Oft passen die Müllwagen dann auch mit noch so viel Rangier-Geschick der Fahrer nicht mehr durch und müssen an der Kreuzung anhalten. Dann laufen die Müllwerker zu den Häusern und ziehen die Behälter bis zum Fahrzeug. Je nachdem, wie häufig das an diesem Tag schon passiert ist, lassen sie die geleerten Tonnen dann aber an der Kreuzung stehen. Nicht, weil sie keine Lust für den Rückweg haben, sondern weil der Zeitplan der Kollegen aus der Entsorgung zusätzliche Fußwege nicht zulässt. Aber genau das stinkt dann den Anwohnern, die möglicherweise den gezahlten Vollservice selbst erledigen dürfen. „Unser Tourenplan ist genau durchgetaktet und muss eingehalten werden, weil sonst die Kalkulation unserer Abfallgebühren nicht mehr stimmt“, macht Christian Loose, stellvertretender Leiter des Eigenbetriebs noch eine ganz andere Rechnung auf. Hinzu kommt: „Wenn unsere Mitarbeiter alle Tonnen zurückbringen würden, könnten wir aus Zeitmangel am Tourenende ganze Straßen nicht mehr anfahren.“

Damit dies auch in Zukunft nicht passiert, werden die Falschparker jetzt mit den Flyern um Einsicht, Rücksicht und verantwortungsvolles Parken gebeten. Nicht nur wegen der Mülltonnenleerung, sondern weil im Ernstfall damit auch Menschenleben gefährdet werden: „Wo unsere Müllfahrzeuge nicht durchpassen, kommt auch kein Löschfahrzeug der Feuerwehr durch“, schätzt Christian Loose. (Martin Kuhn)

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